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Auch in Salzburg

Alpenverein gewinnt Mitglieder in Pandemie

Erstmalig über 600.000 Vereinszugehörige

Weg zum Gumpeneck (Steiermark), im Hintergrund das Dachsteinmassiv Herbert Raffalt
Der Österreichische Alpenverein hat auch in Salzburg Mitglieder dazu gewonnen. 

Der Österreichische Alpenverein hat erstmals über 600.000 Vereinszugehörige. Auch in Salzburg ist die Zahl der Mitglieder gestiegen.

601.465 Mitglieder zählt der Österreichische Alpenverein zum Stichtag 31.12.2020, ein Zuwachs von 2.708 Bergsportbegeisterten. Rund 25.000 Mitgliedern sind ehrenamtlich für den Verein tätig.

Mehr Alpenverein-Mitglieder auch in Salzburg 

Die Wiener Sektionen verzeichnen nun 145.216 Alpenvereinsmitglieder, 116.143 Mitglieder sind es in Tirol. Drittstärkstes Bundesland ist Oberösterreich mit 77.407 Mitgliedern, gefolgt von der Steiermark mit 73.535. Auch das Bundesland Salzburg hat ein Plus von + 1.766 Mitglieder (nun insgesamt 53.356) zu verzeichnen.

Corona-Pandemie zieht Menschen in die Natur

Zuletzt sei covid-bedingt ein starker Anstieg von Erholungssuchenden in der Natur verzeichnet worden. Das bringe sensible Lebensräume mitunter an ihre Kapazitätsgrenzen und fordere einen respektvollen Umgang in und mit der Natur. „Auch das Thema umweltverträgliche Anreise wird uns in Zukunft stärker denn je beschäftigen müssen“, diagnostiziert der neue Generalsekretär des Alpenvereins, Clemens Matt. Es brauche ein Umdenken bei Bergsportlern, aber auch vielfältige, neue Mobilitätsangebote, „sodass wir von der Flut an Pkw, die derzeit durch viele Bergregionen rollen, wegkommen“, so Matt weiter.

(Quelle: SALZBURG24)

Corona lässt uns Natur wiederentdecken

Symb, Skitour, SB, Pixabay
In Zeiten starker Einschränkungen steigt bei vielen das Verlangen nach Freiheit. (SYMBOLBILD)

In Zeiten der Corona-Krise haben viele Menschen die Liebe zur Natur wiederentdeckt. Warum das so ist und was das für Stadt und Land als Lebensraum bedeutet, hat uns der Verhaltensforscher Kurt Kotrschal erklärt.

Gartenarbeit, Radfahren, Wandern oder Skitourengehen: Mit der Corona-Krise stieg auch das Verlangen der Menschen nach Aktivitäten im Freien. So wurde gerade zu Beginn der Pandemie ein regelrechter Run auf Fahrradgeschäfte verzeichnet. In der kalten Jahreszeit erlebte das Skitourengehen einen Boom. In Zeiten starker Einschränkungen steigt offenbar auch das Verlangen nach Freiheit.

 

Naturverbundenheit in der Corona-Krise

Das sei grundsätzlich positiv zu bewerten, wie Verhaltensforscher Kurt Kotrschal im Gespräch mit SALZBURG24 mitteilt: "Jahrzehntelang hat man über die Entfremdung des Menschen von der Natur geredet. Nun hat Corona die Leute erstmal in sich und nach Zuhause gezwungen. Und da haben sie festgestellt, dass sie doch lieber hinausgehen." Die Menschen seien zudem grundsätzlich naturverbunden, in Zeiten der Krise habe sich dies noch verstärkt. 

Flucht bei Bedrohungsgefühl

Die Stadt als Lebensraum habe in der Pandemie an Attraktivität verloren. Laut Kotrschal liege dies zum einen an den Maßnahmen an sich, die ein Gefühl des Eingesperrtseins hervorrufen würden. Zum anderen entstand ein Bedrohungsgefühl. "Und wenn ein Bedrohungsgefühl entsteht, tendieren Menschen dazu, Städte und Ballungsräume zu verlassen", sagt der Verhaltensforscher.

Land wird attraktiver

Diese "Stadtflucht" – wie sie etwa zu Beginn der Pandemie vor allem in New York City zu sehen war – lasse sich auch am gestiegenen Interesse an den Speckgürteln rund um die Städte ablesen. Neue Formen der Arbeit und die verstärkte Nutzung des Homeoffice sorgen für zusätzliche Attraktivität des Lebensraums am Land. Für Kotrschal ist es dabei jedoch essentiell, dass auch die ländlichen Regionen mit Hochgeschwindigkeitsinternet erschlossen werden.

Interesse gleich Wertschätzung der Natur?

Das Interesse an der Natur wurde durch die Corona-Krise auf keinen Fall hervorgerufen, verstärkt aber allemal. Dieses Interesse wiederum sei jedoch nicht gleichzusetzen mit einer Wertschätzung gegenüber der Natur. Kotrschal: "Es stört sich ja niemand daran, wenn große Beutegreifer abgeknallt werden oder dass in Österreich der Artenschutz weiterhin kein Thema ist." Eine bewusstere Einstellung, was Arten- und Naturschutz angeht, lasse sich bei den Menschen aber feststellen.

 

Schärft Corona-Krise Blick für Klimakrise?

Was bedeutet die Corona-Krise für die Klimakrise? Laut Kotrschal sei diese den Menschen noch kaum bewusst oder zu abstrakt. Dabei sterben jährlich schon jetzt rund 5.000 Menschen in Europa an Hitze – eine direkte Folge des Klimawandels. Auch die Migrationsbewegungen seien zum Teil darauf zurückzuführen. "Die Klimakrise ist die wesentlich bedrohlichere Krise. Aus der werden wir nicht so einfach mit einer Impfung herauskommen", so Kotrschal.

Noch spielt die Klimakrise also eine untergeordnete Rolle. Bleibt zu hoffen, dass die Pandemie auch den Blick auf andere Krisen schärft.

Aufgerufen am 27.09.2021 um 11:21 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/alpenverein-mitgliederzuwachs-in-corona-krise-98674024

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