Jetzt Live
Startseite Österreich
Trotz Boom

Weniger Alpintote, aber mehr Unfälle auf Bergen

Im Sommer verunglückten am meisten Sportler

Bergrettung BILDERBOX
Während der ersten Ausgangsbeschränkungen im März und April verunfallten deutlich weniger Sportler in den Bergen als im langjährigen Mittel. (ARCHVIBILD)

261 Todesopfer sind im Jahr 2020 in Österreichs Bergen zu beklagen gewesen. Das ist ein deutlicher Rückgang im Vergleich zum Jahr 2019, in dem 304 Personen bei Alpinunfällen starben.

Das Zehnjahresmittel liegt bei 290 Toten pro Jahr, teilte das Kuratorium für alpine Sicherheit am Mittwoch mit. Trotz Ausgangsbeschränkungen aufgrund der Coronakrise gab es 2020 aber um rund 500 Verletzte mehr als noch im Jahr 2019.

Lawinenabgang, Obertauern, Bergrettung Bergrettung Obertauern
In Obertauern sind zwei Lawinen abgegangen.

Heftiger Lawinenabgang in Obertauern

In Obertauern (Pongau) haben drei Skifahrer abseits der gesicherten Pisten im steilen Gelände eine Lawine ausgelöst. Eine Frau wurde laut Bergrettung komplett verschüttet und war bewusstlos.

Im Jahr 2020 waren 7.466 Verletzte zu verzeichnen. Das Zehn-Jahresmittel liegt bei 7.525 Verletzten. Im Zeitraum der Ausgangsbeschränkungen im März und April verunfallten 2020 rund 1.200 Personen weniger als im langjährigen Mittel. Wie auch in den vergangenen Jahren war Tirol im Bundesländervergleich wieder trauriger Spitzenreiter sowohl bei den Verletzten, als auch bei den Toten. 88 Personen starben 2020 in Tirols Bergen, in Salzburg waren es 40 und in Oberösterreich und der Steiermark jeweils 37 Tote.

Zumeist ist die Anzahl der Alpintoten im Juli, August und September am höchsten, so auch 2020. Der unfallträchtige Jahresstart habe sich, mit Unterbrechung durch den ersten Lockdown, bis in die Sommermonate fortgesetzt. Mitursächlich seien Anfang des Jahres mangelnder Schnee an den Pistenrändern und überfüllte Pistenbereiche sowie im Sommer der durch die Coronapandemie verstärkte Bergsport-Hype gewesen.

Bergrettung Weesjes
Die Ortsstellen der Bergrettung Salzburg sind seit Jahresbeginn durchschnittlich zwei Mal pro Tag im Einsatz.

Viele Einsätze für Bergretter im Corona-Winter

Die Schneemengen, das Wetter und der verlängerte Corona-Lockdown ziehen Bergsportbegeisterte auf die Gipfel. Salzburgs Bergretter sind daher in Dauer-Alarmbereitschaft.

Meiste Unfalltote beim Wandern und Bergsteigen

Fast alle Todesopfer kamen aus dem europäischen Raum. Der Großteil der tödlich Verunglückten stammte, wie auch in den Jahren zuvor, aus Österreich (65 Prozent), gefolgt von Deutschland mit 48 Toten (18 Prozent). Die Bergsportdisziplin mit den meisten Unfalltoten im Jahr 2020 war laut Kuratorium Wandern bzw. Bergsteigen mit 98 Toten, gefolgt von tödlichen Unfällen auf der Piste bzw. Skiroute mit 30 Toten und auf (Ski)-Touren mit 21 Toten. Etwa 27 Prozent der tödlich verunglückten Personen sterben im langjährigen Mittel nicht beim Bergsport, sondern bei der Jagd, bei Forstarbeiten und Ähnlichem.

Elf Lawinentote im Jahr 2020

Von 1. Jänner bis 31. Dezember 2020 registrierte die Alpinpolizei 58 Lawinenunfälle, bei denen elf Personen (acht Männer und drei Frauen) starben. Fünf Tote (Schneeschuhwanderer) gab es in Oberösterreich, drei Tote in Tirol und je einen Lawinentoten in Kärnten, Niederösterreich und Vorarlberg (alle Skitour). Die Lawinenrettung und der Umgang mit der persönlichen Ausrüstung sollte jedes Jahr trainiert und aufgefrischt werden, mahnte das Kuratorium für alpine Sicherheit.

Einzelgänger sollten vor einer Skitour eine Person darüber informieren, wo sie unterwegs sind, dann auch ohne Lawine könne es zu einer lebensbedrohlichen Situation kommen - z.B. ein Sturz kopfüber in den Schnee.

32 Prozent der Notrufe ohne Verletzte

Der Anteil der Unverletzten lag in den vergangenen Jahren und auch im Jahr 2020 bei rund 32 Prozent aller registrierten Notrufe. Dazu gehören Personen, die mit den Begebenheiten einer Tour und den Verhältnissen überfordert sind oder sich selbst überschätzt haben und in der Folge in eine alpine Notlage geraten sind. Eine solide Tourenplanung durchzuführen und Eigenverantwortung zu übernehmen spiele mehr denn je eine bedeutende Rolle, wurde seitens des Kuratorium für alpine Sicherheit betont.

(Quelle: APA)

Viele Einsätze für Bergretter im Corona-Winter

Bergrettung Weesjes
Die Ortsstellen der Bergrettung Salzburg sind seit Jahresbeginn durchschnittlich zwei Mal pro Tag im Einsatz.

Die Schneemengen, das Wetter und der verlängerte Corona-Lockdown ziehen Bergsportbegeisterte auf die Gipfel. Salzburgs Bergretter sind daher in Dauer-Alarmbereitschaft.

Durchschnittlich zweimal pro Tag wurden die 43 Ortsstellen im Bundesland seit Jahresbeginn alarmiert. Über 100 Einsatzstunden und mehr als 230 Bergretter mit insgesamt mehr als 600 Mannstunden wurden heuer im Jänner verbucht.

Unsere Bergrettungshunde haben derzeit einen etwas ungewöhnlichen "Winterkurs": Wir trainieren heuer in verschiedenen...

Gepostet von Bergrettung Salzburg am Sonntag, 17. Januar 2021

Skitourengeher im Glück

"Dass bei den Lawinenabgängen nichts Schlimmes passiert ist, liegt daran, dass die Sportler teilweise extremes Glück hatten", erklärte Maria Riedler, Sprecherin der Bergrettung, auf SALZBURG24-Anfrage. Auf beliebten Skitouren-Routen donnerten diesen Winter einige Staub- und Schneebrettlawinen die Hänge hinunter. "Wo normalerweise massenweise Skitourengeher unterwegs sind, erwischte es bei den Lawinenabgängen zum Glück keinen Sportler."

Lawinenabgang in Zauchensee

Die Bergrettung hat derzeit alle Hände voll zu tun: Gestern rückten 21 Einsatzkräfte der Ortsstelle Altenmarkt (Pongau) sowie Hundeführer der Bergrettung zu einem Sucheinsatz in Zauchensee aus. Grund war ein Lawinenabgang am 2.135 Meter hohen Tagweidegg, den eine unbekannte Person gemeldet hatte.

 

Gesucht wurde unter anderem auch mittels speziellem Suchsystem und per Helikopter. "Da zur gleichen Zeit in Zauchensee die Ausbildung der Bergrettungshundeführer stattfand, standen schnell Hundeführer der Bergrettung am Lawinenkegel zur Suche bereit", hob Ortsstellenleiter Thomas Gotthardt die rasche Einsatzbereitschaft und den reibungslosen Ablauf hervor. Nach etwa drei Stunden konnte der Einsatz abgebrochen werden.

Hunderte Bergretter rücken in ganz Salzburg aus

Am Samstag rückten Bergretter der Ortsstelle Großarl nach einem Notruf aus. Zwei Wintersportler (rund 30 Jahre alt) hatten sich bei Schlechtwetter abseits der Piste in unwegsamen Gelände verirrt und lösten einen Sucheinsatz aus. Sie konnten unverletzt absteigen.

Auch die Ortsstellen Abtenau (Tennengau), Mauterndorf und Tamsweg (beide Lungau) wurden am Wochenende per Notruf alarmiert. Im Tennengau verletzte sich ein 24-jähriger Tourengeher bei der Abfahrt nahe der Rinnbergalmhütte in Russbach schwer. Im Lungau stürzte eine 22-jährige Tamswegerin bei einer Skitour und musste verletzt geborgen werden.

Apropos Lungau: Der südlichste Gau Salzburgs, wo momentan am meisten Schnee liegt, zählt du den Einsatz-Hotspots der Bergretter. "Vor allem Großeinsätze mit mehreren beteiligten Ortsstellen sowie der Hundestaffel sorgten in den letzten Tagen für hohe Einsatzzahlen und vor allem viele Einsatzstunden", betonte Riedler.

40 Alpintote pro Jahr in Salzburg

Seit Jahresbeginn konnten bei 23 Einsätzen 21 Personen geborgen werden. "Zum Glück war kein Toter dabei. Uns fällt auf, dass die Zahl der Alpintoten, die letztes Jahr bei 40 lag, mittlerweile im Sommer höher ist als im Winter", erklärte Riedler.

Im Großteil Salzburgs liegt die Lawinengefahr der fünfstufigen Skala bei drei und ist oberhalb etwa 1500 Meter "erheblich", darunter "mäßig". Schneebretter sind an vielen Steilhängen hinter kammnahen und kammfernen Geländekanten bereits durch das Gewicht eines einzelnen Wintersportler auslösbar. Die meisten Gefahrenstellen gibt es im Nordwest über Ost bis Süd schauenden Steilgelände, in eingeblasenen Rinnen und Mulden sowie im steilen lichten Hochwald.

Aufgerufen am 18.05.2021 um 01:04 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/alpintote-auf-oesterreichs-bergen-werden-weniger-98642260

Kommentare

Mehr zum Thema