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Kommission erneuert Warnung

Anschober alarmiert wegen düsterer Corona-Prognose

Gesundheitsminister sieht B.1.1.7 "Pandemie in der Pandemie"

Die aktuellen Daten des "Covid-Prognose-Konsortiums", die in der nächsten Woche (10. März) eine österreichweite 7-Tages-Inzidenz von 228 vorhersehen, stimmen Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) "alarmiert". Am Donnerstagabend erneuerte die Ampel-Kommission die Warnung bezüglich der Ausbreitung der Pandemie.

Die Situation, mit der fast bundesweit dominanten, ansteckenderen britischen Variante (B.1.1.7) und den entsprechend steigenden Fallzahlen erinnere Anschober an den vergangenen Herbst. Ob die möglichen Öffnungsschritte gesetzt werden, evaluiere man bis 15. März.

Ampel-Kommission erneuert Warnung

Die Ampel-Kommission hat in ihrer wöchentlichen Sitzung die Warnungen bezüglich der Ausbreitung der Corona-Pandemie erneuert. Sobald die Sieben-Tagesinzidenz höher als 200 pro 100.000 Einwohner liegt, sollten Lockerungsschritte gegebenenfalls zurückgenommen werden. Allerdings werden unter Berücksichtigung der psychosozialen Gesundheit die erweiterten Sportmöglichkeiten für Jugendliche begrüßt. Auch wären Schulschließungen nur die "Ultima Ratio".

Was die Farbgebung der Ampel angeht, bleibt Österreich eine weitere Woche als Gesamtstaat rot. Vorarlberg hielt von den Bundesländern wie vorige Woche als einziges den Orange-Status, was allerdings auch noch immer hohes Risiko bedeutet. Warum Vorarlberg derzeit am besten da steht, dürfte damit zusammenhängen, dass es nach Angaben der Kommission das einzige Bundesland ist, in dem die neuen infektiöseren Varianten, allen voran die britische, noch nicht dominant ist. Die Experten gehen davon aus, dass der in Österreich zu beobachtende Fallanstieg stark mit der Varianten-Verbreitung assoziiert ist.

Anschober: "Pandemie in der Pandemie"

Vor allem B.1.1.7 müsse als "Pandemie in der Pandemie" betrachtet werden, so Anschober in einer Online-Pressekonferenz. Während man mit den bisherigen Eindämmungsmaßnahmen die Ausbreitung des "Wildtyps" im Griff habe, sei das bei B.1.1.7 anders, so der Geschäftsführer Gesundheit Österreich GmbH, Herwig Ostermann.

Die aktuellen Daten weisen darauf hin, dass sich die effektive Reproduktionszahl (R) beim Wildtyp unter dem neuralgischen Wert von eins hält. Man könne die ursprüngliche Variante also gut unter Kontrolle halten. Bei der britischen SARS-CoV-2-Variante liege dieser Wert in Österreichschnitt um 23 Prozent höher. Demnach steckt im Durchschnitt ein nachweislich mit B.1.1.7-Infizierter mehr als eine zusätzliche Person an, sagte Ostermann.

Mehr Infektionen nicht nur wegen mehr Tests

Entgegen mancher Vermutungen sei der aktuelle Fallzahlenanstieg nicht den zuletzt deutlich ausgebauten Testkapazitäten geschuldet: Man habe es mit einem "tatsächlichen Anstieg" des Infektionsgeschehens zu tun, der auch auf die Krankenhäuser durchzuschlagen drohe. Bis zum 17. März prognostiziert das aus Forschern vom Complexity Science Hub Vienna, der Medizinischen Universität Wien, der Technischen Universität Wien, dem Team um Niki Poppers Firma dwh und anderen Institutionen bestehende "Covid-Prognose-Konsortium", dass sich rund 1.500 Personen mit Covid-19 in Normalpflege befinden werden. Bis Mitte des Monats seien demnach auch rund 420 Personen in Intensivbehandlung zu erwarten (derzeit knapp über 300, Anm.). Es gelte daher "möglichst rasch eine entsprechende Trendumkehr zu schaffen", betonte Ostermann.

Anschober über konstante Zuwächse besorgt

Der Gesundheitsminister warnte angesichts dieser Zahlen vor einer "Wiederholung des Herbstes". Die heute verzeichneten 2.324 Neuinfektion seien "sehr viel" - ebenso die zuletzt fast konstanten Zuwächse um über 2.000 Infektionen täglich, so Anschober. Am 10. März würde man laut der Prognose bei 3.200 zusätzlichen Fälle pro Tag landen.

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2.324 Corona-Neuinfektionen am Donnerstag

2.324 Corona-Neuinfektionen binnen der vergangenen 24 Stunden wurden heute, Donnerstag, in Österreich registriert. Das gab das Gesundheitsministerium an. In Salzburg kommen 142 neue Fälle dazu.

"Das Ruder zeigt leider in falsche Richtung", so der Minister. Gelinge es nicht, die Zahlen zu senken oder zumindest zu stabilisieren "droht eine dramatische Situation". Die Frage, ob man unter derartigen Umständen die am Montag in Aussicht gestellten Öffnungsschritte im Laufe des Monats tatsächlich gehen könne, ließ Anschober offen. Am 15. März werde evaluiert.

Bis dahin werde müsse man "alles daran setzen, dass sich der vergangene November nicht wiederholt". Die Voraussetzungen dafür seien nicht zuletzt durch die kommenden wärmeren Temperaturen und die Impfungen, bei denen man jetzt mehr Tempo machen könne, dieser Tage jedoch deutlich besser als noch im Herbst.

(Quelle: APA)

Höchststand bei 7-Tages-Inzidenz seit Mitte Jänner

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254 Neuinfektionen führen im Bundesland Salzburg zu einem weiteren Anstieg der 7-Tages-Inzidenz auf 225,6 (Stand: 4. März, 8.30 Uhr) und damit dem höchsten Stand seit Mitte Jänner.

Am stärksten steigen die Zahlen im Pongau, hier liegt die 7-Tages-Inzidenz bei 502,4. „Die Reproduktionszahl steigt auf 1,2. Und auch alle anderen Indikatoren deuten im Moment auf einen weiteren Anstieg der Fallzahlen hin“, fasst Gernot Filipp, Leiter der Landesstatistik, zusammen.

Hier die Eckdaten zum Tag: Seit 29. Februar 2020 wurden in Salzburg 37.862 Personen positiv auf das Coronavirus getestet (Stand 4. März 2021, 11 Uhr). Derzeit sind 1.726 Personen aktiv infiziert, 353 in der Stadt Salzburg, 456 im Flachgau, 174 im Tennengau, 511 im Pongau, 185 im Pinzgau und 47 im Lungau. 74 Covid-Patienten werden im Spital behandelt, davon 14 auf der Intensivstation. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 beträgt 498. 

Steigende Werte in allen Bezirken

Die stärkste Dynamik im Infektionsgeschehen ist im Pongau zu beobachten, wo seit rund zwei Wochen nach Ende des dritten Lockdown ein exponentieller Anstieg erkennbar ist und die 7-Tages-Inzidenz auf über 500 steigt. Mit Ausnahme des Tennengaus (206,6) liegen alle übrigen Bezirke bei der 7-Tages-Inzidenz unter 190, die Stadt Salzburg hat mit 160,9 den geringsten Wert.

Aber auch in allen anderen Bezirken liegt die Reproduktionszahl mittlerweile deutlich über 1, im Flachgau und Pinzgau ziehen die Zahlen stark an. „Dies wird aus heutiger Sicht zu weiteren Anstiegen der Fallzahlen in allen Bezirken führen“, so Gernot Filipp, Leiter der Landesstatistik.

Radstadt und Bad Hofgastein

Besonders hoch sind die Corona-Zahlen in den Pongauer Gemeinden Radstadt und Bad Hofgastein, für die ab Freitag, 5. März, 0 Uhr, Ausfahrtsbeschränkungen gelten und die Corona-Maßnahmen streng überprüft werden. Ab 1. Jänner lag die 7-Tages-Inzidenz in diesen beiden Gemeinden zunächst meist unter dem Bezirksschnitt, in Bad Hofgastein lag das Niveau sogar deutlich unter dem Landesschnitt. Das änderte sich im Februar massiv. „Besonders stark war der Anstieg in Bad Hofgastein und Radstadt, wo die 7-Tages-Inzidenzen auf 1.174 beziehungsweise 983 angestiegen sind. Sie sind heute damit etwa fünf Mal so hoch wie der Landeswert und doppelt so hoch wie der Bezirksschnitt“, so der Landesstatistiker.

Jüngere stärker betroffen als Alte

Die 7-Tages-Inzidenz bei den 15 bis 24-Jährigen liegt bei 330, bei den über 85-Jährigen liegt der Wert knapp über 100. Nur bei den unter 6-Jährigen ist die Inzidenz noch geringer. „Hier zeigen sich zwei Trends: Der Anteil der Jüngeren bei den Neuinfektionen steigt und bei der besonders gefährdeten Gruppe der Hochbetagten wirkt die Impfung“, stellt Filipp fest.

Ländervergleich der 7-Tage-Inzidenz

Im Bundesländervergleich liegt Salzburg bei der 7-Tages-Inzidenz also die durchschnittlichen Neuinfektionen pro Woche gerechnet auf 100.000 Einwohner, mit 225,6 an der Spitze, gefolgt von Niederösterreich (207,3) und dem Burgenland (193,6).  Auf den weiteren Rängen liegen Kärnten (188,8) und Wien mit 184. Deutlich niedrigere Werte haben die Steiermark mit 152,4, Oberösterreich mit 132,3, Tirol mit 107,3 und Vorarlberg mit 73,8. Der Österreichschnitt beträgt 165,8.

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