Jetzt Live
Startseite Österreich
Für ganz Österreich

Anschober ruft zur "Osterruhe" auf

SPÖ-Chefin prangert "mutloses Warten" an

Angesichts des starken Anstiegs der Corona-Patienten auf den Intensivstationen fordert Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) die Bevölkerung zu einer "Osterruhe" auf. SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner geht das nicht weit genug: sie fordert rasche bundesweite Maßnahmen und kritisiert "mutloses Warten" der Regierung.

Am Samstag wurden 504 Corona-Patienten auf Intensivstationen behandelt, um 41 mehr als am Freitag. Wien erreichte mit 187 Intensivpatienten neuerlich einen Höchstwert. "Diese Krise erfordert kein mutloses Warten, sondern Entschlossenheit und Handeln", forderte Parteichefin Rendi-Wagner am Samstag via Twitter: "Man darf nicht zuwarten, ob es wirklich so schlimm kommt, wie vorhergesagt."

Es brauche mindestens zweiwöchige bundesweite Maßnahmen, um die Infektions-Dynamik zu bremsen, ergänzte ihre Sprecherin gegenüber der APA.

"Oster-Lockdown" in Ostösterreich

Geeinigt haben sich Bund und Länder zuletzt allerdings nur auf einen sechstägigen "Oster-Lockdown" in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland - und auch das erst ab kommendem Donnerstag. Gesundheitsminister Anschober plädierte angesichts der Situation auf den Intensivstationen dennoch an die Bevölkerung, nicht darauf zu warten, sondern sofort freiwillige Maßnahmen zu ergreifen.

 

Er forderte dazu auf, Kontakte zu reduzieren und Reisen über Ostern zu vermeiden. "Starten wir jetzt mit einer Osterruhe, damit wir eine Trendwende bei den Infektionszahlen schaffen", appellierte Anschober in einer Aussendung. "Jetzt müssen wir alle ein Teil der Lösung werden. Handeln wir jetzt zum Schutz der Spitäler und der Gesundheit von uns allen."

Tiroler LH gegen Lockdown

Auch Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) appellierte am Samstag an die Bevölkerung, über Ostern vorsichtig zu sein. Er spricht sich für sein Bundesland aber gegen einen Lockdown aus. "Wieder alles zuzusperren ist nicht die richtige Ansage", sagte Platter dem ORF-Tirol. Auch weil die Kapazitäten in den Spitälern noch ausreichend seien, man versorge hier zudem Patienten aus Südtirol und Kärnten. Allerdings strebt er auch keine Öffnung der Gastronomie an und will auf regionale Maßnahmen wie Ausreisetests setzen.

 

In Vorarlberg dagegen hielt Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher (ÖVP) an der geöffneten Gastronomie trotz steigender Inzidenzzahl fest. Am Samstag lag sie laut AGES bei 116,3. Vielmehr müsse eine "gesamte Risikoabwägung" getroffen werden, sagte sie am Freitag gegenüber dem ORF-Vorarlberg. In den Spitälern sei die Lage "immer noch sehr stabil". Lediglich ein Corona-Patient benötigte dort intensivmedizinische Betreuung. Der Vorarlberger Public Health-Experte Armin Fidler, der Mitglied der Corona-Ampelkommission ist, ging am Samstag ebenfalls von keinem Lockdown im Ländle aus. Sobald eine rote Einstufung des derzeit noch orangen Bundeslands erfolge, müsse es aber Gespräche geben, meinte er in den "Vorarlberger Nachrichten".

In Wien könnte es dagegen auch nach Ostern schärfere Maßnahmen geben. Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) schließt eine Verlängerung und Verschärfung des sechstätigen "Oster-Lockdowns" nämlich nicht aus. Sollten die Maßnahmen nicht ausreichen, "dann wird nicht nur eine Verlängerung notwendig sein, sondern Maßnahmen, die über das Bestehende hinausgehen", sagt Ludwig in einem Interview mit ATV, das am Samstagabend ausgestrahlt wird. Eine zweite Woche Fernunterricht hält er für "nicht unrealistisch".

(Quelle: APA)

3.498 Corona-Neuinfektionen am Samstag

Symb_Coronavirus Symb_Covid Symb_Neuinfektionen pixabay
(SYMBOLBILD)

Binnen 24 Stunden sind in Österreich 3.498 Neuinfektionen mit dem Coronavirus und ein deutlicher Sprung um 41 weitere belegte Intensivbetten hinzugekommen. Aus dem Land Salzburg kommen 196 neue Fälle dazu.

Die Zahl der schwerkranken Spitalspatienten stieg damit von 463 auf 504, zeigen die Samstags-Zahlen von Innen- und Gesundheitsministerium. In einer Woche ist die Zahl der Covid-Intensivpatienten um 110 bzw. 27,9 Prozent gestiegen.

Anstieg auf Wiens Intensivstationen

Mehr als die Hälfte der neu mit SARS-CoV-2-Infizierten belegten Intensivbetten – exakt 22 von 41 – kamen seit Freitag in Wien hinzu. Dort wurden zudem am Samstag vom Krisenstab der Stadt 1.068 Neuinfektionen seit dem Vortag und 115 Nachmeldungen vom Donnerstag bekanntgegeben. Der Leiter der Intensivstationen am Wiener AKH, Thomas Staudinger, sprach am Freitagabend in der "ZiB2" des ORF (Video oben!) von einer "Situation, die im Moment so an der Grenze zu dem steht, was man vielleicht mit dem Wort dramatisch bezeichnen könnte." Das scheine mit der sogenannten britischen Virus-Mutation zusammenzuhängen, erläuterte der Mediziner.

_

Was britische Mutation gefährlich macht

"Mittlerweile ist es klar, dass die Wahrscheinlichkeit für einen schweren Krankheitsverlauf um über 60 Prozent erhöht ist. Und was wir sehen ist, dass diese Patienten einfach viel, viel schneller auf die Intensivstation kommen." Hinzu kommen auch Nicht-Covid-Patienten auf Intensivstationen. Hier müssen in Wien bereits planbare Operationen verschoben werden, um Intensivbetten frei zu bekommen. Dazu gehören laut Staudinger etwa auch "große Bauch-Operationen, Tumor-Operationen, komplexe Herz-Operationen, Lungen-Operationen und ähnliche Dinge. Also eigentlich schon Sachen die man in einem normalen Zustand möglichst rasch abarbeiten sollte", betonte der AKH-Arzt.

Der bisherige Höchststand bei der Belegung der Intensivbetten mit Corona-Patienten waren 709 österreichweit am 25. November des Vorjahres. Der Anstieg der schweren Fälle innerhalb der vergangenen Woche und seit Freitag wird jedoch auch im Vergleich mit der Infiziertenzahl in den Spitälern insgesamt deutlich. Diese stieg mit 16,9 Prozent weniger dramatisch an als der Anteil auf den Intensivstationen. Am Samstag waren insgesamt 2.156 Krankenhausbetten mit Covid-Patienten belegt, fünf mehr als am Vortag.

Corona-Neuinfektionen nach Bundesländern

  • Burgenland: 142
  • Kärnten: 184
  • Niederösterreich: 531
  • Oberösterreich: 539
  • Salzburg: 196
  • Steiermark: 297
  • Tirol: 340
  • Vorarlberg: 98
  • Wien: 1.171

_

Die Zahl der Neuinfektionen lag österreichweit um rund 300 über dem Sieben-Tage-Schnitt von 3.192. Die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner stieg auf einen Wert von 251. Seit Beginn der Pandemie gab es 533.786 bestätigte Corona-Fälle, 488.964 Betroffene haben eine Infektion bisher wieder überstanden. 9.231 sind verstorben, das sind 31 mehr seit Freitag und 179 Todesfälle innerhalb der vergangenen sieben Tage. 35.591 Infizierte galten am Samstag als aktive Fälle.

Massive Datenkorrektur in Vorarlberg

1.095.782 Menschen haben bisher eine erste Dosis einer Corona-Impfung erhalten, geht aus dem Dashboard des Gesundheitsministeriums hervor. 393.928 Personen erhielten die für einen vollständigen Impfschutz notwendigen zwei Dosen.

Nicht aussagekräftig ist die Teststatistik wegen einer massiven Datenkorrektur in Vorarlberg. Dort wurde die Zahl der bisher durchgeführten PCR-Tests massiv nach unten korrigiert, jene der Antigentests nach oben. In Summe weist die Statistik für ganz Österreich somit um gut 223.000 PCR-Tests weniger aus als am Vortag.

Aufgerufen am 30.07.2021 um 09:37 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/anschober-ruft-zur-osterruhe-in-oesterreich-auf-101659255

Kommentare

Mehr zum Thema