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Schock in Linz

Arzt verlässt Spital während OP: Entlassen

"Todsünde im Gesundheitswesen"

Patient starb, nachdem der Oberarzt die Operation verlassen hatte

Das Kepler Universitätsklinikum aufgenommen am Mittwoch, 18. März 2020, in Linz.

Das Kepler Universitätsklinikum (KUK) Linz hat am Montag den Oberarzt entlassen, der während einer heiklen Operation das Spital verlassen und die OP an einen Assistenzarzt übergeben hatte. Interne Ermittlungen hätten "die Verdachtsmomente hinsichtlich der Verletzung der Dienstpflicht verdichtet", so dass der Schritt "unumgänglich war", meinte der ärztliche Leiter des KUK, Ferdinand Waldenberger.

Am vergangenen Dienstag war ein 77-jähriger Patient wegen eines Aortarisses mit dem Rettungshubschrauber ins KUK eingeliefert und operiert worden. Der Oberarzt, der den Eingriff leitete, soll während einer noch kritischen Phase der Operation an einen Assistenzarzt übergeben und das Spital verlassen haben. Nach Schwierigkeiten bei der OP starb der Patient. Der Mediziner sei erst nach einer dreiviertel Stunde wieder zurückgekommen und habe erkannt, dass der Patient nicht mehr zu retten sei, hatte Waldenberger am Wochenende den Vorfall bestätigt.

Verdacht auf fahrlässige Tötung

Am Sonntag wurde vom KUK eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft eingebracht. Im Raum stehen der Verdacht der fahrlässigen Tötung mit einem Strafrahmen von bis zu einem Jahr Haft oder gar der grob fahrlässigen Tötung (bis zu drei Jahre). "Im Sinne der vollständigen Transparenz arbeiten wir intensiv mit den Ermittlungsbehörden zusammen und haben bereits alle erforderlichen Dokumente für eine rechtliche Beurteilung durch die Staatsanwaltschaft übergeben", betonte Waldenberger in der Presseaussendung am Montag. Darüber hinaus bleibe die Beauftragung an den externen Gutachter im Sinne der bestmöglichen Aufklärung der Umstände aufrecht.

Indes hat die Sanitäre Aufsicht der Stadt Linz ihre Üperprüfung aufgenommen. Eingriff. Für Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) steht auch die Frage der Privatpraxen von Spitalsärzten im Fokus. Die Patientenanwaltschaft kritisierte das Verhalten des Oberarztes scharf. Er werde die beim Magistrat Linz angesiedelte Sanitäre Aufsicht mit einer Untersuchung beauftragen, kündigte Luger am Montag in einer Aussendung an. "Neben einer restlosen Aufklärung ist mir vor allem wichtig, dass die richtigen Lehren für die Zukunft gezogen werden. Denn dieser Fall hat das Vertrauen der Bevölkerung in das Kepler-Uni-Klinikum erschüttert."

Generelle Systemfragen

Daher werde man besonderes Augenmerk auf den "kolportierten Zusammenhang mit der Privatordination des Arztes" legen. "Es macht Sinn, transparent offen zu legen, in welchem Ausmaß wie viele Privatpraxen von Spitalsärzten insgesamt betrieben werden", stellen sich für Luger auch generelle Systemfragen. Die Sanitäre Aufsicht erstelle bereits den Prüfkatalog.

"Todsünde im Gesundheitswesen"

Der Sprecher der Patientenanwälte, Gerald Bachinger, kritisierte ebenfalls einen saloppen Umgang mit Privatordinationen von Spitalsärzten: Er nannte es in der "ZiB2" am Sonntag eine "Todsünde in einem öffentlich-rechtlichen solidarischen Gesundheitswesen", wenn man "seine Verpflichtung, die man für einen bestimmten Patienten hat, zur Seite schiebt und das Krankenhaus verlässt, um im privaten Bereich weiterzuarbeiten". Die Patientenanwälte würden es mit großer Sorge sehen, "wenn hier die Kontrolle nicht sehr dicht ist und es manchen Oberärzten mit einem Augenzwinkern ermöglicht wird, solche privaten Tätigkeiten durchzuführen", so Bachinger.

(Quelle: APA)

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