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"Wieso brauchst du?"

Wien-Attentäter suchte Waffe via Social Media

Instagram-Chats des Amokläufers ausgewertet

Der Ort des Anschlags
Der Ort des Anschlags.

Vom FBI gelieferte und vom BVT ausgewertete Instagram-Chats belegen, dass der Wiener Attentäter bereits drei Monate nach seiner Haftentlassung versucht hat, an eine Handfeuerwaffe zu kommen. "Schickt ein Foto einer Handfeuerwaffe", schreibt er einem Bekannten am 21. März 2020. "Wieso brauchst du?", fragt dieser ein paar Stunden später und ergänzt: "Um 500 euro eine".

Anschließend wechseln sie auf den Messengerdienst "Telegram", der weitere Verlauf des Gesprächs ist unbekannt.

Terroranschlag Wien APA/HERBERT NEUBAUER
In Wien hat sich am Montagabend ein mutmßalicher Terroranschlag ereignet.

Terroranschlag mit Toten in Wien

Der blutige Terroranschlag in der Wiener Innenstadt Montagabend hat – Stand: Dienstag, 8 Uhr – mindestens fünf Todesopfer und zahlreiche Schwerverletzte gefordert – unter den Toten ist auch ein …

Dieses Detail enthüllen die Ermittlungsakten, die "PULS 24" vorliegen. Geliefert wurden diese den heimischen Behörden vom amerikanischen FBI. Zu dieser Zeit ist der Attentäter etwa drei Monate auf freiem Fuß - vorzeitig entlassen. Er wollte 2018 nach Syrien ausreisen und sich dem "Islamischen Staat" anschließen. Im Juli 2020 empfing er in Wien amtsbekannte Dschihadisten aus der Schweiz und Deutschland. Nur einen Tag nach deren Abreise fuhr er mit einem weiteren Verdächtigen in die Slowakei und versuchte explizit Munition für eine AK-47 zu kaufen - er verwendete bei der Tat einen Nachbau der Kalaschnikow.

Versuchter Waffenkauf schon im März

Im Zuge der Zusammenarbeit zwischen dem heimischen BVT und dem deutschen Bundeskriminalamt kommen die Behörden dem mutmaßlichen Waffenhändler auf die Spur. Das Instagram-Profil ist mit einer Mailadresse verknüpft, diese mit einer Handynummer. Für die Ermittler bestand im Dezember 2020 "Grund zu Annahme, dass" der Attentäter "bereits zu diesem Zeitpunkt sich eine oder mehrere Schusswaffen besorgen wollte und der nun zur Anzeige gebrachte" 20-jährige mutmaßliche Waffenhändler "laut dem vorliegenden Chatverlauf bereit war, entsprechende Unterstützungshandlungen hierfür zu leisten".

Ob gegen den 20-Jährigen ermittelt wird oder er in Haft sitzt, wird von der Staatsanwaltschaft Wien gegenüber "PULS 24" weder bestätigt noch dementiert und auf "laufende Ermittlungen" verwiesen. Der Chat und der versuchte Waffenkauf ist ein weiteres Puzzlestück bei den Ermittlungen. Belegt ist, dass der Attentäter kurz nach seiner Haftentlassung bereits wieder Kontakt mit ebenfalls einschlägig vorbestraften Personen hatte, diese auch gemeinsam von der Polizei kontrolliert wurden - inklusive Abfrage beim LVT - und es dennoch keine Konsequenzen nach sich zog. Erst Stunden nach dem Anschlag klickten für zahlreiche Verdächtige die Handschellen, derzeit sitzen insgesamt zehn Personen in Untersuchungshaft.

(Quelle: APA)

Wien-Attentäter war früher am Tatort

Terroranschlag Wien Tatort APA/HELMUT FOHRINGER
Der Tatort des Anschlages von Wien.

Über bisher nicht bekannte Ermittlungsergebnisse zum Anschlag in Wien vom 2. November 2020, bei dem vier Passanten in der Innenstadt getötet wurden, ehe der Attentäter von der Polizei erschossen wurde, hat der Sender Puls 24 am Montag berichtet. Demnach war der Attentäter bereits gegen 18.25 Uhr und damit mehr als eineinhalb Stunden vor der ersten Schussabgabe am Schwedenplatz.

Der Privatsender zitierte aus einem Gutachten, das auf Basis von Bildmaterial aus Überwachungskameras zum möglichen Weg des Attentäters von seiner Wohnung in Wien-Donaustadt in die Innenstadt eingeholt wurde. Auf zumindest zwei Aufnahmen - in der Heinestraße im zweiten Bezirk sowie beim Schwedenplatz - war ein und dieselbe "schwer erkenntliche Person zu sehen", wie im Ermittlungsakt vermerkt wurde.

Zur weiteren Abklärung der Identität dieser Person wurde ein Sachverständiger beigezogen, der - wie Puls 24 aus dessen Fachgutachten zur Videoauswertung zitierte - zu folgendem Schluss kam: "Nach eingehender Studie der relevanten Videosequenz wird (...) festgehalten, dass es sich bei der wahrgenommenen Person um mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um den Attentäter (...) handelt."

Terroranschlag Wien APA/HERBERT NEUBAUER
In Wien hat sich am Montagabend ein mutmßalicher Terroranschlag ereignet.

Terroranschlag mit Toten in Wien

Der blutige Terroranschlag in der Wiener Innenstadt Montagabend hat – Stand: Dienstag, 8 Uhr – mindestens fünf Todesopfer und zahlreiche Schwerverletzte gefordert – unter den Toten ist auch ein …

Der Gutachter verglich die Bilder mit - wie er in seinen Ausführungen festhält - "Aufnahmen kurz vor dem Anschlag", wobei der Fokus "auf Körpergröße/Körperbau, den Bewegungsablauf/Gangart der Person (...), die getragene Kleidung insb. die auffällige Hose/Hosenabschluss" gelegt wurde.

Attentäter wohl zu Fuß an den Tatort

Die mit den Ermittlungen betraute Staatsanwaltschaft Wien hatte Montagnachmittag von diesen gutachterlichen Feststellungen noch keine Kenntnis. "Der zuständigen Staatsanwältin liegt das Gutachten noch nicht vor", teilte Behördensprecherin Nina Bussek auf APA-Anfrage mit.

Mittlerweile dürfte jedenfalls als gesichert anzunehmen sein, dass der 20-jährige Anhänger der radikalislamistischen Terror-Miliz "Islamischer Staat" (IS) zu Fuß in die Innenstadt gelangte. Denn um 18.06 bzw. 18.07 Uhr wurde er in der Heinestraße von Überwachungskameras erfasst, im Bereich Schwedenplatz tauchte er 18 Minuten später auf. Diese Strecke ist zu Fuß zeitlich machbar, wie Ermittler feststellten, die Puls 24 ebenfalls zitierte: "Der Weitermarsch von Wien 02., Heinestraße nach Wien 01., Schwedenplatz dauerte bei einer durchschnittlichen Schrittgeschwindigkeit von etwa 5,5 km/h 18 Minuten."

Für die gesamte, rund sieben Kilometer lange Strecke von seiner Wohnung zum späteren Tatort hätte der Attentäter per pedes gut eineinhalb Stunden benötigt. Spannend bleibt vor allem die Frage, was der Mann ab 18.25 Uhr am Schwedenplatz gemacht hat, bis er auf Passanten zu schießen begann. Belegt ist, dass er in diesem Zeitraum sein Handy auf die Werkeinstellungen zurückgesetzt und in einem Müllkübel entsorgt hat. Von der Polizei getötet wurde er um 20.09 Uhr.

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