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Im Vergleich zu 2019

Bauern rechnen mit niedriger Getreideernte

Coronavirus und Trockenheit verantwortlich

Getreide, Weizen, SB APA/BARBARA GINDL
Die Bauern rechnen heuer mit weniger Getreide als im letzten Jahr. (SYMBOLBILD)

Für die Bauern sei der Regen der vergangenen Wochen um etliche Wochen zu spät gekommen. Auf einen zu warmen und trockenen Winter sei im Frühjahr anhaltende Trockenheit gefolgt, der ersehnte und nun erfolgte Regen nütze den Getreidekulturen aber nichts.

Das sagte der burgenländische Landwirtschaftskammerpräsident Niki Berlakovich am Montag bei der Ernteprognose. Die Bauern erwarten für heuer eine Getreideernte von 2,87 Millionen Tonnen, um rund sechs Prozent weniger als 2019. Gegenüber dem fünfjährigen Schnitt ist das ein Rückgang um fast fünf Prozent. Je nach Region dürfte die Ernte aber sehr unterschiedlich ausfallen: Die Spanne bewege sich regional von minus 18,7 Prozent im Burgenland bis zu plus 8,5 Prozent in Oberösterreich gegenüber dem langjährigen Mittel. Besonders starke Ertragseinbußen werden bei Sommergerste (-26 Prozent), Hartweizen (-16 Prozent) sowie Weichweizen inklusive Dinkel (-acht Prozent) erwartet.

Weniger landwirtschaftliche Fläche in Österreich

Rückläufig entwickeln sich auch die landwirtschaftlichen Flächen. Sommergerste, Raps und Mais haben aufgrund der Trockenheit und Schädlingen mehr als zehn Prozent der Fläche gegenüber 2019 eingebüßt. Zuckerrübe, Triticale, Körnererbse und Körnermais verloren mehr als fünf Prozent der Fläche. Insbesondere den Zuckerrübenanbau sehen die Bauern-Vertreter "ernsthaft gefährdet". Bereits 2018 und 2019 mussten große Teile der Zuckerrübenflächen aufgrund von Schädlingsfraß umgebrochen werden, 2020 waren es fast 8.000 Hektar, die bereits angebaut waren, jedoch abgefressen und danach durch andere Kulturen ersetzt wurden. Vom Umbruch der Zuckerrübe profitierte insbesondere die Sonnenblume, wo sich die Anbaufläche um rund elf Prozent erhöhte. Bei Ölkürbis stiegen die Flächen deutlich um 41 Prozent.

Corona gefährdet Anbau und Ernte

Auch die Corona-Krise hatte einen massiven Einfluss auf die Bauern. Zeitlich mit dem Lockdown begannen gerade die Frühjahrsarbeiten. Vor allem im Gemüse- und Obstbau seien Anbau und Ernte gefährdet gewesen. Auch Ackerkulturen mussten teilweise noch angebaut, gepflegt und geerntet werden. "Arbeitskräfte und Betriebsmittel, wie Saatgut, Dünger, Pflanzenschutz, bestellte Maschinen oder Ersatzteile, mussten mit teils besonderen Anstrengungen der gesamten Branche rechtzeitig organisiert werden", so Berlakovich.

Erntehelfer ausgebeutet: Fehler liege im System

In der Krise wurden Erntehelfer aus osteuropäischen Ländern eingeflogen, Landwirtschaftskammer-Österreich-Chef Josef Moosbrugger äußerte damals Kritik. Der Arbeitskräftebedarf sollte vorrangig aus Österreich gedeckt werden. Zuletzt sorgten Berichte über ausgebeutete Erntehelfer für Aufsehen. Moosbrugger sieht den Fehler im System: die Preise, die Obst- und Gemüsebauern bekommen, seien so gering, da könne man gar nicht nach österreichischem Lohnniveau bezahlen. "Ich möchte diskutieren, wer bereit ist, das System zu ändern", sagte Moosbrugger. Über die Online-Plattform www.dielebensmittelhelfer.at sollen Arbeitskräfte in die Landwirtschaft vermittelt werden. "Wir nehmen gerne Österreicher auf, aber man muss sich klar sein, welche Arbeit das ist", räumte Berlakovich ein.

Bauernvertreter für Herkunftskennzeichnung

Die Bauernvertreter haben sich für eine rasche Umsetzung der im Regierungsprogramm enthaltenen Herkunftskennzeichnung für verarbeitete Lebensmittel ausgesprochen. Eine Kennzeichnung der Produkte in der Gastronomie sei unumgänglich, sagte Moosbrugger. Das könnte eine Chance sein für den Tourismus, mit regionalen Speisen zu werben. Jene Gastronomen, die die Herkunft der Lebensmittel klar deklarieren, könnten als Anreiz die nun reduzierte Mehrwertsteuer von fünf Prozent beibehalten, schlug Moosbrugger vor.

(Quelle: APA)

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