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Bienenschutzkonferenz in Wien begonnen

Biene im Zentrum der Konferenz Salzburg24
Biene im Zentrum der Konferenz

Die von Global 2000 veranstaltete Wiener Bienenschutzkonferenz "Meet the Bees" hat am Donnerstag begonnen. Experten aus Österreich und dem Ausland diskutierten zum Thema. Schwerpunkt des ersten von zwei Tagen war das Teil-Verbot von Neonicotinoiden in der EU, deren Wirkungen auf die Bienen und die Varroamilbe. Rund 250 Teilnehmern nahmen am ersten Tag an der Konferenz teil.

Als Referent war unter anderem Agrarwissenschafter Anton Safer, bis Ende 2013 auf der Uni Heldelberg tätig, im Tagungszentrum im Schloss Schönbrunn anwesend. Er unterzog das deutsche Bienenmonitoring-Projekt einer kritischen Überprüfung, indem er Zweifel an der Methodik äußerte. "Keine Entlastung für die Pestizide", lautete sein Schluss, da die Untersuchung nicht auf wissenschaftlich relevante Weise erfolgt sei. Unter anderem kritisierte er das Fehlen von validierten Messverfahren und die unzureichende Stichprobenzahl. Die "DeBiMo-Studie" sei daher allenfalls hypothesenbildend.

Der niederländische Toxikologe Henk Tennekes warnte indes vor den Gefahren der "systemisch wirksamen" Neonicotinoide, diese hätten "Gemeinsamkeiten mit krebserzeugenden Chemikalien". Bei einer anschließenden Diskussion zum Thema "Biene als Leittier einer neuen Landwirtschaft" ging es dann darum, was bisher überhaupt bewiesen ist, wenn es um das Bienensterben geht. Safer sah ein dichtes Geflecht von Indizien für die "Neonic"-Gefahr: "Es ist mehr als eine statistische Korrelation." Tennekes kritisierte Entwicklung zu Monokulturen und lobte die österreichische Vorreiterrolle, die dieser Landwirtschaftsmethode entgegen trete.

Der Präsident der Europäischen Berufsimker, Walter Haefeker, berief sich auf das Vorsorgeprinzip. Man müsse handeln, bevor der endgültige Beweis für die Gefährlichkeit der "Neonics" kommt. "Es wäre Unsinn zu versuchen, einen einzigen Schuldigen ausfindig zu machen", da das Bienensterben ein multifaktorielles Problem sein. Man sollte die bereits vorhandenen Indizien nutzen, lautete seine Forderung. "Die Bienen sind nicht der einzige Indikator, es gibt andere Indikatoren wie das Niederwild", was wiederum die Notwendigkeit einer anderen Landwirtschaft aufzeige, so Haefeker.

Unterdessen ergab der Abschlussbericht der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) zum Bienenmonitoring 2013 einen deutlichen Rückgang an Neonictoinide-Verdachtsfällen. Beim "Expositionsmonitoring" der Bienenstöcke mit Vergiftungsverdacht sank der Anteil von 51 Prozent im Jahr 2012 auf 19 Prozent. Das ergibt für 2013 - als "Neonics" noch erlaubt waren - einen über 60-prozentigen Rückgang.

Insgesamt gab es im Vorjahr zwar einen Anstieg von Vergiftungsverdachtsmeldungen - und zwar von 41 Stöcken im Jahr 2012 auf 74 im Jahr 2013. Von diesen 74 waren jedoch lediglich 14 positiv auf Neonicotinoide getestet worden, hieß es im AGES-Bericht. Untersucht wurde auf die in Österreich seit 1. Oktober 2013 verbotenen Neonicotinoide Clothianidin, Thiamethoxam und Imidacloprid sowie Fipronil (inkl. Fipronilsulfon).

(Quelle: S24)

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