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LH Doskozil geschockt

Wurden in Mattersburg "Fantasie-Kredite" erfunden?

Mega-Bilanzskandal bei burgenländischer Bank

Mattersburg Bank, Commerzialbank Mattersburg, APA/ROBERT JAEGER
Der Fortbetrieb der Mattersburger Commerzialbank wurde untersagt.

Das Land Burgenland hat den Betroffenen des Bilanzskandals um die Commerzialbank Mattersburg am Mittwoch breite Unterstützung zugesichert. Um den Kunden eine rasche Kontoeröffnung bei einer anderen Bank zu ermöglichen, verlängern deren Filialen ihre Öffnungszeiten, kündigte Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) an.

Auch der Landeshauptmann zeigte sich geschockt: "Aufgrund eines riesigen Betrugs werden sehr viele persönliche Schicksale negativ beeinflusst. Ich habe mit Personen gesprochen, die ihr ganzes Sparguthaben bei der Bank veranlagt haben und die geweint haben", sagte Doskozil. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft sei nun gefordert, den Fall "mit vollster Konsequenz und vollster Härte" aufzuklären. Das Land werde seinen Teil dazu beitragen.

Verdacht: "Fantasie-Kredite erfunden"

Es bestehe der Verdacht, dass "Fantasie-Kredite erfunden" wurden, so Doskozil. Von Vorstandschef Martin Pucher sei er "persönlich zutiefst enttäuscht. Für mich persönlich war das ein Schock. Ich hätte niemals daran gedacht, dass dieser Mann ein solches Delikt begeht", betonte Doskozil. Pucher könne sich "gar nicht vorstellen, was er damit angestellt hat. Das ist mit Worten an und für sich nicht zu beschreiben", so der Landeshauptmann.

Alle Kunden der Mattersburg-Bank sollten "so schnell wie möglich ein neues Konto bei einer anderen Bank eröffnen", betonte Doskozil. Die Filialen der Bank Burgenland und der Erste Bank werden in Mattersburg deshalb ihre Öffnungszeiten voraussichtlich für die nächsten zwei Wochen bis 18.00 Uhr verlängern.

Das Ende der Mattersburg Bank

Bei der Bank Burgenland werden nach Angaben des Landeshauptmanns außerdem zwei Rechtsberater vor Ort sein. Auch ein Vertreter der Einlagensicherung Austria GmbH werde am morgigen Donnerstag nach Mattersburg kommen. Dabei werde eine Kundenliste erstellt und ein Überblick erarbeitet.

Unter der Telefonnummer 057/600-2465 wird die eingerichtete Bankenombudsstelle für Privatpersonen erreichbar sein. Die Wirtschaft Burgenland (WiBuG) steht unter der Nummer 059010-210 für betroffene Unternehmer zur Verfügung. Die Abteilung für Landesplanung, Sicherheit, Gemeinden und Wirtschaft in der Landesregierung wird laut Doskozil die betroffenen Gemeinden beraten.

Konkret habe es Filialen der Commerzialbank in neun Gemeinden gegeben. Über 50 Mitarbeiter seien dort beschäftigt. Auch 250 Mitarbeiter der Landesregierung, die ihre Gehälter über die Mattersburg-Bank beziehen, seien betroffen. Die Aufseher haben die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft eingeschaltet. Der Verdacht lautet dem Vernehmen nach auf Basis des bisherigen Kenntnisstands auf Bilanzfälschung und Untreue. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.

(Quelle: APA)

Droht SVM ein Lizenzverfahren?

Christoph Halper, SV Mattersburg APA/GEORG HOCHMUTH
Die Zukunft des Fußball-Bundesligisten SV Mattersburg (im Bild Christoph Halper) ist ungewiss. 

Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) rechnet am Mittwoch damit, dass die Bundesliga nach dem Bilanzskandal der Commerzialbank Mattersburg ein Lizenzierungsverfahren gegen den SV Mattersburg, dessen wesentlicher Sponsor die Bank war, eröffnen wird. Auch auf die Fußballakademie werde das wohl Auswirkungen haben. Sie soll allerdings in anderer Form erhalten bleiben. Zudem gibt Chef Martin Pucher seinen Rücktritt an.

Was der Bilanzskandal für den Verein konkret bedeute, werde man erst sehen, betonte Doskozil.

Fußball-Bundesliga: Mattersburgs Zukunft ungewiss

Würde die Lizenz verloren gehen, wäre auch die Fußballakademie in Mattersburg betroffen. Diese soll allerdings in jedem Fall als neues Landessportzentrum für das Nordburgenland erhalten bleiben. "Die Planungen dafür gibt es bereits länger. Nun müssen wir diese Schritte möglicherweise vorziehen", sagte Doskozil. Der Standort solle dann auch eine Anlaufstelle für den Breitensport sein.

Mattersburg-Boss Pucher kündigt Rücktritt an

Im Zuge des Bilanzskandals um die Mattersburger Commerzialbank kündigte am Mittwoch zu Mittag Martin Pucher, Vorstand der Bank und Präsident des SVM, seinen Rückzug an. "(...) bezüglich seiner Funktionen im SV Mattersburg wird Herr Martin Pucher umgehend eine geordnete Übergabe sicherstellen", teilten seine Anwälte mit.

Pucher, von 2006 bis 2009 auch vier Jahre Präsident der Bundesliga, führte den Verein seit 1988 und stieg mit dem Club von der fünften in die oberste heimische Spielklasse auf. Die Commerzialbank fungiert als wesentlicher Sponsor des Vereins.

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