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Seniorenheim betroffen

Verdacht auf britische Virus-Mutation in Wien

Sequenzierung läuft bereits

Die britische Coronavirus-Mutation im Wiener Seniorenheim ist doch noch nicht bestätigt. Laut einem Sprecher von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) ist die Prüfung durch die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) noch im Laufen: "Die Sequenzierung ist noch nicht abgeschlossen", sagte der Sprecher am Dienstagabend der APA. "Frühestens Anfang nächster Woche" wisse man Bescheid.

In einem Wiener Seniorenheim - es handelt sich nicht um einen städtischen Träger - ist es nach den Weihnachtsfeiertagen zu einer auffälligen Häufung an Coronavirus-Infektionen gekommen, wie ein Sprecher Trägers der APA am frühen Dienstagnachmittag berichtete. Von 101 Heimbewohnern und -bewohnerinnen seien 42 erkrankt.

Dies habe den Träger des Hauses alarmiert, es bestand der Verdacht auf eine Infektion mit einer Coronavirus-Mutation. In Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden von Bund und Land veranlasste der Träger deshalb eine Sequenzierung der Abstriche durch die AGES. Am Nachmittag hieß es zunächst in einer schriftlichen Stellungnahme des Trägers gegenüber der APA, dass mittels eines speziellen PCR-Verfahrens "die AGES nun eine mutierte Variante identifizieren" konnte.

Britische Mutation in Seniorenheim?

Der Sprecher des Gesundheitsstadtrats stellte nun klar: "Eine solche Sequenzierung dauert in der Regel sieben bis zehn Tage." Da die AGES die Proben erst am Sonntag bzw. am Montag bekommen habe, würde man "frühestens Anfang nächster Woche" wissen, ob eine Mutation vorliege bzw. welche.

Die britische Virus-Mutation gilt als weitaus ansteckender als der bisher verbreitete Stamm. Anfang Jänner wurde die B.1.1.7.-Mutation erstmals in Österreich nachgewiesen. Verdachtslagen, dass die Mutation grassiert, gibt es auch in Salzburg und in Tirol.

Besteht der Verdacht auf eine Infektion mit einer Mutation, kann ein besonders sensitiver PCR-Test durchgeführt werden. Hier kommen bestimmte Parameter zum tragen. Der Verdacht kann aber laut Rathaus noch nicht aussagen, ob bzw. welche Form der Mutation konkret vorliegt. Um das herauszufinden, werden diese Proben von der AGES sequenziert. Das dauert mehrere Tage. Dann kann genau festgestellt werden, welcher Virenstamm konkret vorliegt.

Zahlreiche Bewohner erkrankt

Aufgrund der hohen Zahl an erkrankten Personen in der Einrichtung ist die Stadt Wien laut eigenen Angaben nun tätig geworden. Sie hat sich zunächst das dortige Covid-Präventionskonzept zur Überprüfung schicken lassen. Dieses sei für gut befunden worden, so der Sprecher. Nun ist ein empidemologisches Interventionsteam - dieses besteht aus Amtsärzten und Mitarbeitern des Hygienezentrums (MA 15) - an Ort und Stelle, um die baulichen Gegebenheiten unter die Lupe zu nehmen. Dabei wird kontrolliert, ob die Durchführung der Quarantäne gut möglich ist. Weiters wurde ein behördliches Besuchsverbot ausgesprochen.

"Je nach dem, was beim Lokalaugenschein heraus kommt, sind weitere Maßnahmen möglich", so der Sprecher. Er versicherte auch, dass es sich dabei um das normale behördliche Prozedere bei Auftreten eines Clusters handle.

(Quelle: APA)

Was wir bislang über die Corona-Mutation wissen

SB: Richard Greil, Landesklinik Uniklinikum Salzburg | SALK
Richard Greil ist im Land Salzburg der Experte für das neuartige Coronavirus.

Wissenschaft und Politik zeigen sich angesichts der britischen Corona-Mutation "B.1.1.7" besorgt. Die Hinweise darauf, dass die Variante mit ihren zahlreichen Mutationen deutlich infektiöser ist, werden immer zahlreicher. Wir haben mit Mediziner Richard Greil von den Salzburger Landeskliniken darüber gesprochen.

Mutationen sind bei Viren keine Besonderheit, denn sie finden ständig statt. Dabei verändert sich das Erbgut des Erregers, um sich an seine Umwelt anpassen zu können. Im Fall des neuartigen Coronavirus wurden inzwischen mehr als 300.000 unterschiedliche Mutationen nachgewiesen.

SALZBURG24: Herr Prof. Dr. Greil, was können Sie bislang zur Mutation "B.1.1.7" sagen?

Richard Greil: In Großbritannien dürfte die Mutation bereits bei mehr als 50 Prozent aller aktuellen Neuinfektionen aufgetreten sein. Mittlerweile ist "B.1.1.7" in fast ganz Europa nachgewiesen worden. Diese Mutation ist deutlich infektiöser – nämlich um bis zu 70 Prozent. Die Mutation scheint aber keinen schwereren Verlauf mit sich zu bringen. Zumindest geht das aus den bisherigen Daten hervor. Dennoch bedeutet dies eine höhere Ansteckungsrate, was zu einer höheren Belastung in Spitälern führen wird.

Wir müssen mit einem massiven Anstieg rechnen, zumal die Mutation nach derzeitigem Kenntnisstand auch häufiger bei Kindern beobachtet worden ist. Jedoch kann ein PCR-Test nicht zwischen einer herkömmlichen Corona-Infektion und einer Mutation unterscheiden.

Und wie kann man das unterscheiden?

Um eine Mutation festzustellen, müssen die RNA-Sequenzen eigens im Labor untersucht werden. Anschließend kann sie mit dem ursprünglichen Coronavirus-Genom oder seinen Mutationen verglichen werden. Dass ein Virus sich verändert und mutiert, ist normal.

Könnten die aktuell hohen Infektionszahlen in Salzburg auf das mutierte Virus zurückzuführen sein?

Das wird sich erst zeigen. In Österreich war es bis dato nicht üblich, dass positive Corona-Proben systematisch sequenziert und auf Mutationen hin untersucht werden. Die AGES hat bereits angekündigt, das nun zu ändern und die Sequenzierungsrate zu erhöhen. Aus Salzburg werden wir zudem diese Woche noch Material für eine Sequenzierung einschicken, um mehr Klarheit über das Infektionsgeschehen im Bundesland zu erhalten.

Ist die Impfung gegen das Coronavirus trotz Mutation wirksam?

Das ist sehr wahrscheinlich. Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Impfung nicht wirksam bei der Mutation ist. Dennoch wird das Ausrollen der Impfkampagne in Österreich sehr zeitintensiv sein. Um vulnerable Gruppen zu schützen, sind 30.000 bis 40.000 Impfungen pro Tag nötig und davon sind wir sehr weit entfernt. Mund-Nasen-Schutz, Kontaktbeschränkungen und Abstandsregeln werden uns trotz des Impfstarts vorerst weiter im Alltag begleiten.

Coronavirus Pixabay
(SYMBOLBILD)

Fast 400 Corona-Neuinfektionen in Salzburg

In Österreich wurden am Montag laut Innen- und Gesundheitsministerium 2.540 Coronavirus-Neuinfektionen verzeichnet. 378 neue Fälle kamen in Salzburg dazu.

Ist die Sorge vor einer dritten Welle berechtigt?

Es ist noch zu früh, um darüber eine seriöse Aussage zu treffen. Man sollte sich in der letzten Woche des aktuellen Lockdowns die Entwicklung der Fallzahlen und die Situation in den Spitälern anschauen. Erst dann kann abgeschätzt werden, wie sich das Infektionsgeschehen möglicherweise entwickelt. Dennoch ist die Infektionsrate derzeit sehr hoch – und das trotz eines Lockdowns. Wir müssen in Österreich unter die Marke von 1.000 Neuinfektionen (2.540 neue Fälle am 7. Jänner, Anm.) pro Tag kommen, das ist das Ziel.

Vielen Dank für das Gespräch.

Aufgerufen am 22.01.2021 um 09:33 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/britische-mutation-verdacht-in-wiener-seniorenheim-98252701

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