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Bundesheer

Die Geschichte der Miliz in Österreich

Vom Kalten Krieg bis zur Corona-Krise

Die Coronavirus-Pandemie sorgt auch beim Österreichischen Bundesheer für ein Novum: Zum ersten Mal in der Geschichte werden über die Miliz zusätzliche Kräfte zum Heer einberufen. Doch warum gibt es diese Miliz und wie hat sich die Aufgabenlage über die Zeit verändert? Wir sind dem nachgegangen.

Als neutraler Staat orientiert sich das österreichische System der Landesverteidigung am Schweizer Modell. "Das Bundesheer besteht somit aus präsenten Kräften (Berufssoldaten, Anm.), Wehrpflichtigen und der Miliz, die als operative Reserve dient", erklärt Oberleutnant Dominic Maier, Kommandant der heute einberufenen Salzburger Miliz-Kompanie, im Gespräch mit SALZBURG24. Die Miliz wiederum besteht aus Wehrpflichtigen und Berufssoldaten, die im Anlassfall eingezogen werden, wie es nun in der Corona-Krise der Fall ist.

1X4A0803.jpg SALZBURG24/Wurzer
Die Salzburger Miliz-Soldaten rückten in die Schwarzenberg-Kaserne ein.

Kalter Krieg prägt Bundesheer

Der Einsatz im Zuge einer Pandemie ist dabei durchaus einzigartig. Nach der Gründung des Bundesheeres im Jahr 1955 sah die Bedrohungslage in Europa aufgrund des Kalten Krieges gänzlich anders aus. Das Hauptaugenmerk des Bundesheeres lag also auf der militärischen Landesverteidigung gegen einen Feind aus dem Osten. Daraufhin wurde die grundsätzliche Strategie des Militärs ausgerichtet, der Miliz kam dabei eine zentrale Rolle zu.

300.000 Soldaten in Österreich

Den Höhepunkt erlebte die Miliz Ende der 1970er-Jahre. Zu dieser Zeit wurde das Konzept der Raumverteidigung auf den Weg gebracht, das die Verteidigung sogenannter Schlüsselräume in Österreich vorsah. Damals wurde geplant, die Mannstärke des Bundesheeres auf 300.000 auszubauen. Den Großteil, rund 270.000 Soldaten, würde dabei die Miliz stellen. Tatsächlich erreicht wurde Ende der 1980er-Jahre eine Stärke von 225.000 Mann. Zum Vergleich: Aktuell liegt die Mobilmachungsstärke in Österreich bei etwa 55.000 Soldaten, knapp 40.000 stellt die Miliz.

Jägerbataillon Salzburg wird mobilgemacht

Jägerbataillon Salzburg "Erzherzog Rainer" wird mobilgemacht! Die 3. Jägerkompanie wird mit 4. Mai für den Einsatz im Rahmen #Covid19 ausgebildet. Der Einsatzbeginn wurde mit 18. Mai 2020 festgelegt. #Bundesheer #Miliz #MilKdoS #JgBS (Video: Wolfgang Riedlsperger)

Gepostet von Bundesheer am Donnerstag, 9. April 2020

Grundausbildung und Übungen

Die Miliz rekrutierte sich zu dieser Zeit durch Einjährig-Freiwillige (angehende Miliz-Offiziere) und Grundwehrdiener, die eine achtmonatige Dienstzeit leisteten. Diese sah eine Grundausbildung mit einer Dauer von sechs Monaten vor, weitere 60 Tage mussten dann noch in Form von Miliz-Übungen in einem gewissen Zeitraum geleistet werden. Manche mussten außerdem noch zwei weitere Monate Übungspflicht leisten. Diese zehn Monate dauernde Ausbildung betraf zwölf Prozent eines Geburtenganges, die kurzerhand eingezogen werden konnten. Um die Reservisten entsprechend ausbilden zu können, fanden in den Jahren 1979, 1982 und 1986 drei große Miliz-Übungen in Österreich statt.

Die Miliz wird zurückgefahren

Mit dem Fall der Berliner Mauer und dem darauffolgenden Zerfall der Sowjetunion entspannte sich die Bedrohungslage in Europa spürbar. Als Reaktion darauf wurde die Miliz in Österreich weitgehend ersatzlos gestrichen. Im Jahr 2004 entschied man sich für das Ende der Miliz-Übungen, 2006 wurde durch Ex-Verteidigungsminister und derzeitigem Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) der Grundwehrdienst von acht auf sechs Monate reduziert.

Die Zukunft der Miliz in Österreich

Doch wie geht es nun weiter mit der Miliz? Es besteht die politische Forderung, den Grundwehrdienst wieder auf acht Monate zu auszuweiten. Oberleutnant Maier fordert zudem, "das Heeresbudget entsprechend anzupassen".

Detail am Rande: Während die Miliz aktuell im Zuge der Corona-Krise zur Unterstützungsleistung herangezogen wird, sah man im Jahr 1991 bei der Yugoslawien-Krise, als das Heer an der Grenze zu Slowenien eingesetzt wurde, keinen Anlass, die Reservisten zu mobilisieren.

(Quelle: SALZBURG24)

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