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Coronavirus

"Soziales Leben auf Minimum reduzieren"

Teile Tirols isoliert, Handel eingestellt, Restaurants schließen früher

Österreich setzt im Kampf gegen das Coronavirus auf drastische Maßnahmen: Die Orte Galtür, Ischgl, See und Kappl im Paznauntal sowie St. Anton am Arlberg wurden unter Quarantäne gestellt, nicht essenzielle Geschäfte müssen für eine Woche schließen und Lokale dürfen nur mehr bis 15.00 Uhr offen haben. Nachweislich infiziert mit dem Virus waren Freitagnachmittag 504 Personen.

Auch Geschäfte für medizinische Produkte und Heilbehelfe dürfen weiterhin öffnen, ebenso Sicherheits- und Notfallprodukte sowie Wartung. Lieferdienste, Reinigungsdienste und der Agrarhandel schließen ebenfalls nicht. Auch der öffentliche Verkehr bleibt aufrecht, genauso Notfall-Dienstleistungen und die Wartung kritischer Infrastruktur.

Soziale Leben "auf ein Minimum reduzieren"

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) betonte am Nachmittag bei der Präsentation der Maßnahmen, dass das soziale Leben ab Montag auf ein Minimum reduziert werden müsse: "Österreich wird nicht auf Dauer, aber doch auf Zeit auf Minimalbetrieb herunterfahren müssen."

Keine Ausgangssperren in Österreich

Zeit haben werden viele Beschäftigte im Handel. Denn da dürfen nur noch jene Betriebe öffnen, die für die Versorgung nötig sind. Das geht von Lebensmittelgeschäften über Banken, Tankstellen, Apotheken und Drogerien bis hin zu Geschäften mit Tierfutter oder Trafiken.

Laut Wirtschaftskammer ist im Konkreten der Kundenverkehr in Geschäftslokalen des Handels- und Dienstleistungsbereiches betroffen. Ausnahmen bestehen insbesondere in folgenden Bereichen:

  • Lebensmittelhandel
  • Drogerien
  • Apotheken
  • Medizinische Produkte und Heilbehelfe
  • Gesundheits- und Pflegedienstleistungen
  • Verkauf von Tierfutter
  • Agrarhandel
  • Tankstellen
  • Sicherheits- und Notfallprodukte & Wartung
  • Banken
  • Post & Telekommunikation
  • Lieferdienste
  • Reinigung / Hygiene
  • Öffentlicher Verkehr
  • Trafiken & Zeitungskioske
  • Wartung kritische Infrastruktur
  • Notfall-Dienstleistungen
  • Etc.

Lokale schließen täglich um 15 Uhr

Abend gegessen wird künftig wohl im Regelfall daheim. Denn Lokale aller Art dürfen nur noch von der Früh bis 15 Uhr offen halten und dies auch nur deshalb, damit jene Arbeitnehmer, die nicht daheim bleiben können, sich auch entsprechend verköstigen können, wie Kurz betonte. Für Discos und Bars bedeutet die Regelung im Normalfall das vorläufige Aus. Lieferdienste sind von den Einschränkungen nicht betroffen. Ausgangssperren wird es übrigens nicht geben. Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) warnte davor, diesbezüglichen Gerüchten auf Social Media Glauben zu schenken.

Zwei Tiroler Orte werden isoliert

Besonders hart erwischt es Personen in zwei Tiroler Wintersportregionen, die besonders stark vom neuen Virus getroffen sind. Das gesamte Paznauntal mit den bekannten Skiorten Ischgl und Galtür wird ab sofort ebenso für zwei Wochen komplett isoliert wie St. Anton am Arlberg an der Grenze zu Vorarlberg. Gäste dürfen trotz der Quarantäne ausreisen, müssen sich aber ausweisen und dazu verpflichten, bis nach Hause durchzufahren. Auch werden die Herkunftsländer der Touristen informiert.

Zusätzlich zu den rund 9.500 Einheimischen in den Tiroler Krisengebieten sind auch noch die Angestellten in den Hotels sowie die österreichischen Urlauber von der 14-tägigen Isolation betroffen. Um wie viele Personen es sich dabei handelt, war vorerst unklar. In ganz Tirol sind zudem alle Hotels von der Schließung wegen des Coronavirus betroffen, also nicht nur jene in den Skigebieten. Dies betonte LH Günther Platter (ÖVP) am Freitag bei einer Pressekonferenz in Innsbruck. Ausnahmen gebe es nur für medizinisches Personal sowie im Geschäfts- bzw. Wirtschaftsbereich.

In zwei der von der Quarantäne betroffenen Gemeinden im Tiroler Paznauntal, See und Kappl, herrschte trotz der Maßnahme der Bundesregierung offenbar relative Gelassenheit. "Das wird sicher gut sein", sagte der Bürgermeister von See, Anton Mallaun, im APA-Gespräch. Man werde die Situation "schon bewerkstelligen", sagte auch der Bürgermeister von Kappl, Helmut Ladner.

Bundesheer weitet Assistenzeinsatz aus

Das Österreichische Bundesheer verstärkt seinen Einsatz in Tirol zur Bewältigung des Corona-Virus mit weiteren 30 Soldaten. Die Assistenzkräfte sollen das gesundheitsbehördliche Abreisemanagement von ausländischen Gästen aus dem Paznauntal und St. Anton am Arlberg unterstützen, teilte das Militärkommando Tirol am Freitagabend mit.

Dabei gehe es vor allem um die geordnete Rückreise von ausländischen Gästen in ihre Heimatländer unter Berücksichtigung gesundheitsmäßiger Vorgaben, hieß es in einer Aussendung. Die Assistenzkräfte werden vom Militärkommando Tirol und dem Stabsbataillon 6 abgestellt. Der Einsatz ist den Angaben zufolge vorerst bis 16. März 2020 geplant. Bisher standen acht Soldaten auf dem Grenzübergang am Brenner im Assistenzeinsatz zur Unterstützung der Gesundheitschecks. 

Rund 500 Infizierte in Österreich

Mit Stand 15.00 Uhr haben sich in Österreich insgesamt 504 Personen mit dem neuen Coronavirus infiziert. Nach Bundesländern: Tirol (167), Niederösterreich (63), Wien (82), Steiermark (52), Oberösterreich (84), Salzburg (23 - davon drei Personen nicht in Salzburg aufhältig), Burgenland (sieben), Vorarlberg (22) und Kärnten (vier).

Diese Zahlen dürften aber noch drastisch steigen: Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) sprach von einer steigenden Ansteckungszahl von derzeit rund 40 Prozent täglich. Im Hinblick darauf begann die Stadt Wien damit, Vorkehrungen zu treffen, um bei Bedarf genügend Krankenbetten zur Verfügung zu haben. Die Messehalle in Wien-Leopoldstadt wird deshalb für ein Groß-Lazarett vorbereitet, wie Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) am Freitag bekannt gab. In einem ersten Schritt werden in der Halle A ab nächster Woche 880 Betten verfügbar sein.

Alle Schulen ab Montag zu

Schneller als ursprünglich gedacht geht es nun an den Schulen. So ist auch an den Volksschulen und in der Mittelstufe ab Montag keine Schulpflicht mehr. Der Unterricht geht zwar noch zwei Tage, Kinder sind aber bereits ab Wochenbeginn entschuldigt. An die Unternehmen appellierte Kurz, auch zur Bewältigung der Kinderbetreuung wo immer möglich auf Teleworking umzustellen.

Reisewarnung für Frankreich, Spanien und Schweiz

Das Außenministerium hat wegen der Coronavirus-Epidemie eine Reisewarnung für Frankreich, Spanien und die Schweiz herausgegeben. Dies geht aus den am Freitag aktualisierten Reisehinweisen für die drei Staaten hervor. Damit gilt für diese drei Staaten die höchste Sicherheitsstufe, die wegen des Coronavirus zuvor bereits für Italien, den Iran und Teile Chinas gewählt worden war.

LIVETICKER der Pressekonferenz zum Nachlesen

(Quelle: APA)

Aufgerufen am 25.05.2020 um 05:36 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/coronavirus-drastische-einschraenkungen-im-oeffentlichen-leben-84782287

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