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Coronavirus: Drei Verdachtsfälle in Österreich

Einsatzstab tagt wegen Lungenkranheit

SB, Coronavirus APA/dpa/Christophe Gateau
In Österreich bestätigte sich ein zweiter Coronavirus-Verdachtsfall nicht.

In Österreich gibt es drei neue Verdachtsfälle zum Coronavirus. Zwei Patienten wurden aus Wien gemeldet, eine Person steht in Klagenfurt unter Quarantäne. Unterdessen wurde am Montag bekannt, dass eine zweite Frau, bei der der Verdacht einer Infektion bestand, negativ getestet wurde. Die chinesische Staatsbürgerin war am Sonntagabend im Krankenhaus aufgenommen worden.

Im Innenministerium in Wien hat am Montagnachmittag der Einsatzstab zum Coronavirus getagt. Mit dabei waren alle Ministerien, Vertreter der Blaulichtorganisationen und der Bundesländer. Die Lage in Österreich ist derzeit ruhig, es bestehe kein Grund zur Sorge, Österreich sei sehr gut vorbereitet, hieß es im Anschluss bei einem Pressestatement. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) betonte, dass mit den drei bestätigten Fällen in Frankreich das Coronavirus zwar in Europa angekommen ist, dass dies aber "kein Grund für Panik ist". Vielmehr sei es ein Grund für erhöhte Vorsicht und gute Vorbereitung für einen etwaigen Erkrankungsfall. Österreich sah er dafür gut gerüstet, man könne "nicht besser vorbereitet sein". Man sei außerdem "sehr gut eingebettet in die europäischen Gesundheitsbehörden". Es gebe laufende Abstimmungen, Information und Kommunikation, betonte Anschober. 

Das Innenministerium ist für die Koordination der zivilen Sicherheit zuständig, weshalb der Einsatzstab auch dort tagte. Einberufen wurde er vom stellvertretenden Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Franz Lang. "Alle relevanten Gruppen innerhalb der Republik sind zusammengekommen", sagte Innenminister Karl Nehammer (ÖVP). "Österreich hat schon sehr viele Herausforderungen dieser Art erlebt und gemeistert", betonte Nehammer.

Coronavirus: Österreich "gut gerüstet"

Gesundheitsminister Anschober vertraut darauf, dass die chinesischen Behörden die Causa ernst nehmen und betonte auch, dass die Weltgesundheitsorganisation WHO an Ort und Stelle in China ist. Er habe keine "gegenteilige Annahme, dass die Zahlen nicht stimmen", meinte er in Hinblick auf die Informationen der chinesischen Behörden. Auch mit der chinesischen Botschaft in Wien gebe es eine "gute Kooperation", betonte Anschober.

Künftig will das Gesundheitsministerium jeden Tag eine Statistik über Verdachtsfälle veröffentlichen. Hilfreich sei hier auch die am Samstag erlassene Verordnung gemäß dem Österreichischem Epidemiegesetz, wonach das neuartige Coronavirus einer Anzeigepflicht unterworfen wird. "Informationen sind derzeit das wichtigste" betonte Anschober. Dass die Zahl der Verdachtsfälle ansteigen könne, wäre "keine Überraschung", insbesondere da die Symptome auch der Grippe ähneln. Patienten sollen bei hohem Fieber jedenfalls "einen Arzt rufen und keine Massenbeförderungsmittel benutzen, sondern zuhause blieben", riet Anschober.

Erster Verdachtsfall in Kärnten

Am Montagvormittag wurden zwei österreichische Staatsbürger nach China-Reisen im Kaiser-Franz-Josef-Spital in Wien behandelt. Die Frau und der Mann hatten sich unabhängig voneinander und selbstständig in Wiener Spitäler - einmal ins AKH und einmal ins Kaiser-Franz-Josef-Spital - begeben. Der Patient vom AKH wurde dann in die 4. Medizinische Abteilung im Wiener Kaiser-Franz-Josef-Spital überstellt, wo auch die Frau ist. Die beiden Patienten befanden sich in einem allgemein guten Zustand und sind nicht schwer krank, hieß es aus dem Wiener Krankenstaltenverbund (KAV). Ob sie bei ihren China-Reisen in der betroffenen Provinz Hubei waren, muss erst geklärt werden. Sie werden beide auf der Isolierstation behandelt. Die auf Diagnose und Behandlung spezialisierte Abteilung im Kaiser-Franz-Josef-Spital hat jahrzehntelange Erfahrung und weist höchsten technischen Standard auf.

Montagnachmittag meldete dann auch Klagenfurt einen Verdachtsfall. Eine Person wurde unter Quarantäne gestellt, teilte die Stadtpresse Klagenfurt in einer Erstmeldung mit. Nähere Details lagen vorerst nicht vor. Zum weiteren Vorgehen hieß es, dass eine Probe eingeschickt wird, das Ergebnis wird für Dienstagfrüh erwartet. In dem Fall handelt es sich um einen Mann, der sich in einer der betroffenen Provinzen in China aufgehalten hatte und sich jetzt in seinem Haus in Quarantäne befindet. Das teilte das Land Kärnten in einer Aussendung mit. Auf dem Rückflug war er darauf aufmerksam gemacht worden, dass er die Behörden kontaktieren solle.

Weitere Fälle negativ

Der Patient habe keine Symptome, er befinde sich aber trotzdem für die Dauer der Abklärung zuhause, in einem Einfamilienhaus, unter Quarantäne, teilte das Land Kärnten mit. Dem Mann wurde eine Probe entnommen, mit einem Ergebnis wird bereits am  Dienstag gerechnet. Schon bevor es eine Meldepflicht gegeben hatte, habe man zwei Verdachtsfälle geprüft, verlautbarte das Land - diese Ergebnisse waren aber allesamt negativ gewesen. Man stehe mit den Krankenhäusern und allen niedergelassenen Ärzten sowie dem zuständigen Ministerium in Kontakt.

Am Montag wurde auch bekannt, dass sich in der stark betroffenen zentralchinesischen Provinz Hubei derzeit zwei Österreicher befinden. Die beiden Männer wollen zurück nach Österreich. "Die Reisenden werden bei ihrem Ausreisewunsch von der österreichischen Botschaft unterstützt", sagte Außenministeriumssprecher Peter Guschelbauer am Montag auf APA-Anfrage. Die beiden Männer haben laut dem Sprecher "einmal einen beruflichen und einmal einen privaten Background" für ihre Reise nach China und haben sich temporär in der Provinz Hubei aufgehalten. Die beiden Männer weisen laut Guschelbauer keinerlei Krankheitssymptome auf. Insgesamt halten sich derzeit rund 3.000 Österreicher in China auf. Davon sind rund 2.300 Auslandsösterreicher und rund 700 Touristen.

Ausreise aus China Option

Die deutsche Bundesregierung erwägt, ausreisewillige Deutsche aus China auszufliegen. Eine mögliche Evakuierung der rund 90 in Hubei aufhältigen Personen werde in Betracht gezogen, sagte Außenminister Heiko Maas (SPD) am Montag in Berlin. Andere Länder wie Frankreich und die USA haben solche Rückholaktionen bereits in die Wege geleitet. "Wir arbeiten sehr eng mit den europäischen Partnern zusammen", sagte Guschelbauer in Bezug auf die Heimreise der beiden Österreicher.

Im Innenministerium tagte Montagnachmittag ein Einsatzstab zum weiteren Vorgehen der heimischen Behörden zum Coronavirus. Die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) richtete eine Info-Hotline zum neuartigen Coronavirus ein. Experten beantworten Montag bis Freitag von 9.00 bis 17.00 Uhr Fragen zum Coronavirus.

Wie das Virus übertragen wird

Die Zeichen mehren sich seit kurzem, dass das Virus auch während der Inkubationszeit ansteckend ist, meinte Ursula Wiedermann-Schmidt, die Leiterin der Infektiologie an der MedUni Wien. Die Situation in China sei jedoch nicht mit jener in Europa vergleichbar. "In China kommen Menschenmassen zusammen und der Lebensstil ist anders."

Nach neuesten wissenschaftlichen Daten erfolgte die Übertragung von Fledermäusen auf Schlangen und dann auf den Menschen. Schlangen würden in China gern gegessen, ihr Blut werde direkt getrunken, berichtete Wiedermann-Schmidt. Die genaue Herkunft des Virus sei aber noch unklar. In China müsse nun verhindert werden, dass das Virus weitergetragen wird, um die Infektionskette zu stoppen. In Europa sei es wiederum am wichtigsten, das Virus möglichst schnell zu erkennen, Verdachtsfälle rasch zu identifizieren und dann entsprechend zu reagieren. Dies sei eindeutig das leichtere Unterfangen.

Laut chinesischen Experten befindet sich das Virus gerade in der Anfangsphase, sagte der Botschafter. Viele Notmaßnahmen seien inzwischen in China getroffen worden, um die Verbreitung des Virus einzudämmen. Zudem würden zwei neue Krankenhäuser gebaut. Den Informationsfluss der chinesischen Regierung hält Li für transparent - jeden Tag gebe es eine Pressekonferenz pünktlich um 8.00 Uhr, bei der der neueste Status mitgeteilt werde. Hilfe aus dem Ausland gebe es derzeit in Form von Unterstützung von dort lebenden Chinesen oder Unternehmen, die helfen wollen. Auch würden viele internationale Wissenschafter die chinesischen Kollegen bei ihren Forschungen zu möglichen Impfstoffen und Medikamenten im Land unterstützen.

Wie gefährlich ist das Coronavirus?

Li ist überzeugt, dass die chinesische Regierung und die Bevölkerung "eine Menge Erfahrung" mit der Bekämpfung von Seuchen haben. In ganz China würden jetzt Fachärzte und medizinische Mitarbeiter rekrutiert, auch aus umliegenden Provinzen bieten Unterstützung an. 1.600 Mediziner sollen morgen oder übermorgen Wuhan erreichen, auch Militärärzte würden mobilisiert, sagte der Botschafter. Mangelware seien derzeit Schutzanzüge und -masken.

Wie gefährlich das neue Virus nun tatsächlich ist, lässt sich laut Wiedermann-Schmidt zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschätzen. Das neue Coronavirus sei dem SARS-Virus sehr ähnlich, die "Verläufe dürften bei diesem aber schwerwiegender sein". Die Verläufe müssten jetzt genau beobachtet werden. Eine spezifische Therapie bzw. Prophylaxe gibt es nicht, behandelt wird symptomatisch. Eine Impfung werde nicht vor 2021 erhältlich sein, meinte die Expertin. "Immer, wenn etwas unbekannt ist, ist die Frage nach einer Impfung sehr groß. Das Neue, Unbekannte, wird auch medial ganz anders dargestellt." Gegen Influenza hingegen ließen sich allerdings nur wenige Menschen in Österreich impfen - was zeige, dass diese Erkrankung nicht richtig eingeschätzt werde.

"Spitäler sind gut gerüstet"

"Die Wiener Spitäler sind gut gerüstet", ist Michael Binder überzeugt. Die Pläne würden sowieso laufen, die auch aufgrund der Influenza wirksam seien. "Wir können der weiteren Entwicklung mit professioneller Gelassenheit entgegenblicken." Entgegen manchen Verschwörungstheorien im Internet seien die österreichischen Behörden absolut glaubwürdig. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) zeigte sich einmal mehr zufrieden mit der "sehr gut" funktionierenden Kommunikation und sieht Österreich auch in den entsprechenden internationalen Strukturen "gut eingebettet".

Einsatzstab im Innenministerium

Besteht der Verdacht einer Ansteckung mit dem Coronavirus, sei es sinnvoll, als erstes die Rettung oder auch die "Gesundheitshotline 1450" anzurufen, sagte Binder. Auch könne man sich an alle österreichischen Ärzte und Allgemeinmediziner wenden, am besten zunächst telefonisch, um seinen Fall zu erklären. Wichtig sei zu wissen, ob überhaupt eine Ansteckung möglich sein könnte, also etwa ob die Person in den letzten 14 Tagen in China war. "In den allermeisten Fällen wird es eine Grippe sein", meinte Binder. "Da empfehlen wir immer noch das Impfen." Klaus Herbich von der Berufsrettung Wien rechnet in der nächsten Zeit jedenfalls mit mehr Anrufen.

In China selbst sind bisher keine Österreicher von dem Coronavirus "akut betroffen". In der besonders betroffenen Region Hubei leben laut Außenministerium keine Auslandsösterreicher, die Stadt Wuhan sei keine Touristenregion. In Gesamt-China halten sich derzeit rund 3.000 Österreicher auf - sowohl Auslandsösterreicher als auch Touristen.

(Quelle: APA)

Aufgerufen am 10.05.2021 um 10:37 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/coronavirus-drei-neue-verdachtsfaelle-in-oesterreich-82588603

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