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Erste Analyse

So wirkt der Lockdown auf das Gesundheitssystem

Deutlich weniger Krankenhaus-Aufenthalte

Eine erste Analyse, wie sich der Lockdown auf das österreichische Gesundheitssystem ausgewirkt hat, präsentiert Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Mittwoch gemeinsam mit Karin Eglau von der Gesundheit Österreich GmbH und Margot Ham-Rubisch von der Wiener Pflege- und Patientenanwaltschaft. Die Zahl der Spitalsaufenthalte bei akuten und nicht akuten Erkrankungen sank deutlich.

Der Schutz des Gesundheitssystems war einer der Hauptanliegen der Maßnahmen, schildert Anschober. "Das ist auch gut gelungen, wir sind nie auch nur annähernd an die Kapazitätsgrenzen gekommen", so Anschober. Es habe keine akute Gefährdung gegeben. Dieses Vorgehen habe das System aber beeinflusst und habe auch Nebenwirkungen. Eine erste Analyse beleuchtet diese bis zum Monat Juni. Anschober betont, dass es sich um ein Zwischenergebnis handle, die vollständigen Daten stünden noch nicht zur Verfügung. Eine Studie, die viel weiter in die Breite geht, solle in den nächsten Monaten erstellt werden. Bis Jahresende will der Gesundheitsminister diese auf dem Tisch haben.

Zahl der behandelten Herzinfarkte reduziert

Karin Eglau von der Gesundheit Österreich GmbH gibt Einblick in die vorläufigen Halbjahresdaten der Krankenanstalten. Bei den Herzinfarkten hat sich die Versorgung in den Krankenhäusern um 25 Prozent reduziert. Gründe dafür können laut Eglau sein, dass Angst vor Ansteckung die Leute vom Krankenhaus fernhielt oder, dass das Ausbleiben von sogenannten Trigger-Ereignissen Herzinfarkte generell verhinderte. Bei den Schlaganfällen kam es nur zu einer minimalen Reduktion der Versorgung. "Das ist gut, man wird sich aber anschauen müssen, warum das so ist", so Eglau.

Weniger Aufenthalte wegen Unfällen

Bei den Unfällen sehe man die positiven Auswirkungen: Die Aufenthalte haben sich halbiert. Gründe dafür sei einerseits, dass risikoreiche Outdoor-Sportarten nicht ausgeübt wurden und der Verkehr deutlich weniger war während des Lockdowns. Dafür eher bedenklich, was die Versorgung von Patienten mit Krebs oder Krebsverdacht betraf: Bei der GÖG wurde während des Lockdowns ein Rückgang der Spitalsaufenthalte um 20 Prozent beobachtet. Die Zahl der Brustkrebsoperationen ging von um die 500 in Österreich im März 2020 (ähnliches Niveau wie 2019) auf etwa 350 im Mai zurück, steigt seither nur langsam an.

Die Expertin: "Wenn keine Mammografien erfolgen, können keine Diagnosen gestellt werden. Dann kann man nicht operieren." Die Sache ist längst nicht ausgestanden. Eglau erklärte, es könnten in der Folge auch Diagnosen erst in einem späteren (und gefährlicheren) Stadium der Erkrankung auffällig werden. Bei den Kindern gab es jedenfalls einen Rückgang der Spitalsaufenthalte vorübergehend um rund 50 Prozent.

Umfassende Gesundheitsanalyse

Gesundheitsminister Rudolf Anschober betonte, man wolle mit solchen und weitergehenden Analysen aus der vergangenen Krise für die Zukunft die richtigen Schlüsse ziehen, um das österreichische Gesundheitswesen für solche Herausforderungen noch stabiler zu machen: "Wir wollen eine umfassende Gesundheitsfolgenabschätzung für den Lockdown machen." Hier solle ein Gesamtbild über das entstehen, was Covid-19 für die Gesundheit der österreichischen Bevölkerung insgesamt bedeute.

Reduktion trifft Menschen mit chronischen Krankheiten

Dies wird wohl auch notwendig sein. In den ersten Analysen sind als Daten nur die Spitalsaufenthalte verwendet worden. Die meisten Krankenhäuser haben aber in den vergangenen Monaten - laut Patientenbeschwerden bis heute - ihre Ambulanzen ebenfalls drastisch reduziert. Das trifft Personen mit chronischen Erkrankungen und diffizilen therapeutischen Anforderungen genauso wie Personen, die für Diagnosen technische Leistungen in Spitälern benötigen, weil diese die Krankenkassen in ihrem Leistungskatalog bisher nicht für die niedergelassene Praxis vorsehen.

Mann mit Verdacht auf Prostatakrebs abgelehnt

Margot Ham-Rubisch von der Wiener Patientenanwaltschaft nannte dazu ein Beispiel: Anfang April erhielt sie die Beschwerde von einem Mann mit starkem Verdacht auf Prostatakrebs. Für die weitergehenden Untersuchungen zur Abklärung hieß es vonseiten des Wiener Spitals einfach: "Melden Sie sich, wenn das Corona-Chaos vorbei ist." Dies wurde der Patientenanwaltschaft auf Rückfrage bei dem Krankenhaus auch bestätigt. Hier sei dringend ein Prioritätenkatalog zur Vornahme notwendiger Untersuchungen und Therapien auch in Zeiten von Covid-19 notwendig, betonte Margot Ham-Rubisch.

Der zweite Kritikpunkt: Ordinationen von niedergelassenen Ärzten hätten beim Lockdown unkoordiniert ihre Arbeit eingestellt oder stark eingeschränkt. Hier sei eine tagesaktuelle Information der zuständigen Ärztekammer für die Patienten notwendig, wie, wann und wo welcher niedergelassene Kassenarzt verfügbar sei. "Kassenärzte haben einen Versorgungsauftrag", sagte Margot Ham-Rubisch.

FPÖ sieht sich in Kritik bestätigt

„Die heutigen Angaben des Gesundheitsministeriums, wonach die Behandlungen von Herzinfarkten, Krebserkrankungen oder Unfällen während der Lockdown-Phase massiv zurückgegangen sind und tausende Operationen verschoben wurden, sind der endgültige Beweis dafür, dass die Covid-Panikmache der türkis-grünen Bundesregierung zu massiven gesundheitlichen Kollateralschäden in Österreich geführt hat“, kritisiert heute FPÖ-Bundesparteiobmann und Dritter Nationalratspräsident Norbert Hofer.

Die Coronavirus-Fixiertheit von Minister Anschober schade der Gesundheit der Menschen im Land. Denn viele Menschen hätten sich nicht getraut trotz schwerer Erkrankungen ein Spital aufzusuchen, obwohl dies aus medizinischen Gründen notwendig gewesen wäre. „Die Corona-Hysterie von Kurz und Anschober muss endlich einer sachlichen Abwägung der gesundheitlichen Risiken weichen. Die 350.000 Menschen, die an einer Krebserkrankung leiden und alle anderen Patienten müssen ohne Einschränkungen in den Gesundheitseinrichtungen behandelt werden“, verlangt Hofer.

(Quelle: APA)

Aufgerufen am 15.04.2021 um 02:17 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/coronavirus-so-wirkt-der-lockdown-auf-das-gesundheitssystem-91694770

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