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Stelzer für Registrierung von Gästen in Lokalen

Ermitteln der Infektionskette beschleunigen

20200707_PD2729.HR.jpg APA/Helmut Fohringer
Ziel ist es laut Stelzer, ein einheitliches System für alle Lokale zu entwickeln.

Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) hat zusätzlich zur Wiedereinführung der Maskenpflicht im öffentlichen Raum wegen der steigenden Zahl der Corona-Infektionen in Oberösterreich speziell für die Gastronomie ein "freiwilliges Registriersystem" empfohlen. Als Beispiel diene ihm Bayern, wo Wirte an den Eingängen Listen ausgelegen, in die die Gäste ihre Kontaktdaten eintragen können, meinte er.

Am Dienstag liefen mit Vertretern der Wirtschaftskammer und der Gastronomie noch entsprechende Abstimmungsgespräche. Ziel ist es laut Stelzer, ein einheitliches System für alle Lokale zu entwickeln. Die Bekanntgabe eines Kontaktes von den Gästen erleichtere im Falle eines Corona-Verdachts ein rasches Ermitteln der Infektionskette. Ob und wann diese freiwillige Registrierung auch in Oberösterreich kommt, stand am Dienstag noch nicht fest.

(Quelle: APA)

OÖ setzt wieder auf Maskenpflicht

Maskenpflicht wegen steigender Corona-Zahlen
Kunden mit Mund- und Nasenschutz in einem Supermarkt in Wien am Montag, 6. April 2020. Seit heute ist das Tragen eines solchen Schutzes in Supermärkten ab einer Verkaufsfläche von 400 m2 verpflichtend.

Das Land Oberösterreich führt am Donnerstag wieder eine Maskenpflicht im öffentlichen Raum, also auch in Geschäften und Lokalen ein. Das teilte LH Thomas Stelzer (ÖVP) bei einer Pressekonferenz mit. Schon seit Dienstag muss man in den oö. Amtsgebäuden verpflichtend Mund-Nasen-Schutz tragen. Grund sind die zuletzt stark steigenden Covid-19-Fallzahlen.

In Geschäften, Einkaufszentren und Dienstleistungsbetrieben ist von Kunden wie Beschäftigten Mund-Nasen-Schutz zu tragen und der Sicherheitsabstand zu wahren. In der Gastronomie müssen Gäste wieder am Weg vom und zum Tisch Maske tragen. Am Tisch, wo bis zu zehn Personen sitzen dürfen, ist das nicht obligatorisch. Das Personal muss ebenfalls Mund-Nasen-Schutz anlegen. Im Freien soll man den Sicherheitsabstand einhalten. Wo das nicht möglich ist, muss ebenfalls eine Maske verwendet werden.

Nächste Wochen "entscheidend"

Österreichweit bezeichnet Simulationsexperte Niki Popper die nächsten Wochen als "entscheidend" für den weiteren Verlauf der Corona-Epidemie. Die große Frage sei, wie gut und schnell Testen, Tracing und Containment - also bei einem positiven Testergebnis die Isolierung des Umfelds in sehr kurzer Zeit - funktioniere. "Wenn wir die lokalen Wiederanstiege nicht in den Griff bekommen, ist es nicht unwahrscheinlich, schon im Sommer ein Problem mit steigenden Fallzahlen zu bekommen."

Lokale Coronavirus-Herde

Sorgen bereiten den Simulationsexperten von der Technischen Universität (TU) Wien lokale Herde wie in Salzburg oder Oberösterreich. Bereits Anfang Juni haben die Mathematiker zwar berechnet, dass man viele solcher Herde gut im Griff behalten kann, vorausgesetzt das Testen, das Tracing und die Isolierung funktionieren schnell und effektiv. "Dass Fälle wie in Oberösterreich gefunden werden, ist nicht negativ, sondern zeigt, dass getestet wird. Wir werden uns an solche Cluster gewöhnen müssen. Was wir aber nicht wissen ist, wie schnell und wie konsequent das Containment regional in den Bundesländern funktioniert, wir haben keine genauen Aufzeichnungen darüber", so Popper.

Superspreader gut zurück zu verfolgen

Ein täglicher Anstieg an Neuinfektionen im knapp dreistelligen Bereich sei grundsätzlich nicht so drastisch zu sehen. Wenn das so bliebe, würde es beweisen, dass das Containment funktioniere. Es stelle sich nun aber "die Frage, ob sich das Wachstum weiter beschleunigt". Ob man das jetzt "Zweite Welle" nenne oder wie die WHO als "Wiederaufflackern" sei sekundär.

 

In ihren neuesten Simulationsmodellen haben sich die Wissenschafter dem Thema "Superspreader" - also einzelne Personen, die eine große Zahl anderer Personen anstecken - gewidmet und positive Aspekte gesehen. "Der sogenannte Dispersionsfaktor ist bei Covid-19 laut aktuellen Studien niedrig. Das bedeutet, dass wenige Personen sehr viele anstecken und bisher ging man oft davon aus, dass das negativ ist", sagte Popper.

Die Modelle würden nun zeigen, dass das eigentlich ganz praktisch sei, weil Tracen und Containment bei Superspreadern sehr gut funktioniere. "Wenn man wirklich gutes Containment macht, kann die Ausbreitung in fast 90 Prozent der Simulationsdurchläufe abgestoppt werden", so Popper. Dagegen funktioniere das bei einer Infektion, wo jeder Infizierte gleich viele Personen ansteckt, im Modell nur bei weniger als 30 Prozent der Fälle.

Neuerliche Maskenpflicht in OÖ fix

"Das Virus hat die nette Eigenschaft, dass das Containment sehr gut funktioniert. Aber man muss es - so die Simulationsergebnisse - halt gut machen", sagte der Experte. Entscheidend seien schnelle Tests und die Nachverfolgung von Kontakten sowie das konsequente Containment. Das funktioniert solange die Zahlen nicht zu hoch ansteigen und ist davon abhängig wie viele Ressourcen für das Tracing zur Verfügung stehen.

Abgesehen von den Clustern sehe man, dass die Leute mittlerweile viel mehr Kontakte im Freizeitbereich haben als noch vor einigen Wochen, als diese Kontakte noch um die Hälfte reduziert waren. "Da muss man etwas tun und schauen, dass Hygiene und Abstand wieder eingehalten werden und die Leute mittun", empfiehlt Popper. Es gebe mittlerweile besseres Wissen darüber, welche Maßnahmen wirken und weniger Schäden verursachen als andere. "Deshalb sollte man bereits klar festlegen, was passiert, wenn die Zahlen weiter steigen, also ob und wo wieder Maskenpflicht kommt, welche Veranstaltungen wieder ausgenommen werden usw., und es wäre gut die Leute frühzeitig darüber zu informieren."

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