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Coronavirus

System in OÖ bis an Grenze belastet

Von "Triage noch weit entfernt"

20201104_PD2143.HR.jpg APA/OÖG
In Oberösterreich sind bereits zwei Intensivstationen voll belegt. (SYMBOLBILD)

Es ist nicht mehr möglich, eine ungestörte Routineversorgung zu leisten und daneben die Covid-19-Patienten zu versorgen. Es ist jetzt absehbar, dass das System bis an die Grenze belastet wird. Das sagten Bernd Lamprecht, Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde am Linzer Kepler Uniklinikum (KUK) und Jens Meier, Vorstand der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin ebendort, am Montag in einem JKU-Corona-Update mit Rektor Meinhard Lukas.

Lamprecht sprach von der größten Herausforderung für das Gesundheitswesen seit dem Krieg. Im Frühjahr habe es am KUK ein bis zwei Stationen für Covid-19-Patienten gegeben, jetzt seien es sieben. Zwei Intensivstationen seien ganz, eine dritte zur Hälfte gefüllt, so Meier, der betonte, dass Spezialisten nicht unbeschränkt verfügbar seien. "Es gab schon Engpässe in Krankenhäusern, die Patienten werden über das Land verteilt." Man behelfe sich mit interdisziplinären Ärzteteams, die Herausforderung für die Pflege sei enorm. Meier ging davon aus, dass 100 zusätzliche Intensivbetten kommen.

Oberösterreich: Eingriffe bereits verschoben

Die Einschnitte seien beachtlich, aber noch seien dringende und onkologische Eingriffe durchführbar, planbare Eingriffe wurden schon quer durch alle Abteilungen verschoben. "Jetzt ist absehbar, dass das System bis an die Grenze belastet wird", sagte Meier. Lamprecht gab zu, sich vieles gar nicht vorstellen zu wollen und pochte darauf, dass "sehr einfache Maßnahmen wie Abstand halten, Hygiene und Mund-Nasenschutz tragen die Ausbreitung des Virus verhindern".

Coronavirus: Von Triage noch weit entfernt

"Es ist notwendig, mit weniger Personen und schlechterer technischer Ausstattung mehr Patienten zu versorgen", erklärte Meier. Von einer "beinharten Triage aus der Katastrophenmedizin" sei man noch weit entfernt, man wolle diese "mit zusätzlichen Betten und einer Spreizung der Leistung vermeiden, ich bin mir aber nicht sicher, ob wir das verhindern können, wenn die Maßnahmen aus dem Lockdown nicht greifen". Diese seien zum Schutz des Gesundheitssystems notwendig.

Großteil der Patienten über 60 Jahre alt

Der Großteil der Patienten sei jenseits der 60, "aber wir sehen die gesamte Breite, es gibt auch Schwererkrankte mit Mitte 20", sagte Lamprecht. Auf der Intensivstation würden auch Menschen von Mitte 30 bis Mitte 70 behandelt. "Mehr als die Hälfte überlebt die Intensivstation, das sind aber hohe Mortalitätsraten", so Meier.

Medikation: Erfolge mit Remdesivir

Bei der Medikation habe sich "Remdesivir durchgesetzt, wir erzielen den besten Effekt, wenn es frühzeitig eingesetzt wird", so Lamprecht. In der zweiten Phase der Erkrankung hätte sich ein Cortison-Präparat bewährt. Die Ergebnisse aus der klinischen Studie mit dem vom österreichischen Genetiker Josef Penninger mitentwickelten Wirkstoff stünden noch aus. Die am KUK damit behandelten Patienten konnten das Krankenhaus wieder verlassen.

"Jetzt hat es uns voll erwischt"

Den Unterschied zwischen SARS-CoV-2 und der Influenza erklärte Lamprecht einfach: Wegen Influenza seien noch nie die Grenzen der Belastbarkeit im Gesundheitswesen erreicht oder Krankenhausstationen geschlossen worden. Das effiziente Reagieren im Frühjahr würde nun zum Verhängnis, da viele es im Nachhinein für überzogen hielten, die Infekte im Sommer gering blieben. "Jetzt hat es uns voll erwischt", so Lamprecht.

Perspektive für Menschen wichtig

Wie Meier sah er es als entscheidend, den Menschen eine Perspektive zu geben. Denn mehr Eigenverantwortung und die sozialen Kontakte zu reduzieren, Einschränkungen zu ertragen, bis Hilfe wie Medikamente und Impfungen da seien, falle leichter, wenn "wir sagen, Mitte 2021 wird es sich bessern". Lamprecht ist "optimistisch, im ersten Halbjahr 2021 zwei bis drei Impfstoffe zur Verfügung zu haben". Es gebe Daten, die zeigen würden, dass Stoffe in der Lage seien einen einige Monate anhaltenden Schutz zu erzeugen. "Allein, wenn man Risikogruppen und dem Betreuungspersonal eine Impfung anbieten könnte, wäre viel gelungen, weil der Druck aus der momentanen Situation entwichen wäre".

(Quelle: APA)

Aufgerufen am 21.06.2021 um 12:47 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/coronavirus-system-in-ooe-bis-an-grenze-belastet-95394358

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