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Coronavirus

Die "Phase der Eigen-Verantwortung" beginnt

Stabile Infektions-Zahlen ermöglichen Hochfahren

Einkaufen mit Schutzmaske APA/GEORG HOCHMUTH
Der (fast) gewohnte Alltag soll langsam wieder zurück kommen.

Österreichs Regierung hat weitere Lockerungen der Corona-Maßnahmen mit diesem Freitag präsentiert. Die Erleichterungen betreffen den Kultur- und Veranstaltungsbereich, Hobbysport und die Freizeitgestaltung sowie Tourismus und die Hotellerie. So sind Hochzeiten und Begräbnisse mit bis zu 100 Personen erlaubt. Die Mund-Nasen-Schutz-Pflicht gilt nicht in Freiluftbereichen, etwa auf Ausflugsschiffen.

"Aufgrund der positiven Entwicklung der epidemiologischen Lage der vergangenen Wochen können wir weitere Lockerungen zulassen", sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Mittwoch. Er appellierte an die "Vernunft" der Bevölkerung, insbesondere die Abstandsregeln einzuhalten. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hatte schon zuvor von einer "Phase der Eigenverantwortung" gesprochen. Dabei gehe es um "wenige und klare Regelungen" und "so viel Hausverstand wie nur möglich".

Österreichweit noch 116 Corona-Infizierte im Spital

116 Menschen waren am Mittwochnachmittag laut Dashboard des Gesundheitsminsteriums (Stand 15.00 Uhr) österreichweit nach einer Covid-19-Erkrankung hospitalisiert. 32 davon befanden sich auf Intensivstationen. Im 24-Stunden-Vergleich zu Dienstag gab es zwei weitere Todesfälle in Wien, die Opferzahl steht demnach bei 645 mit oder an Covid-19 Verstorbenen. 16.514 bestätigte Infektionen mit dem Virus gab es laut Angaben aus dem Ministerium bisher in Österreich. 15.228 Menschen sind nach einer Erkrankung wieder genesen.

Der Ein-Meter-Abstand

In punkto Abstandhalten ist ab Freitag prinzipiell ein Mindestabstand von einem Meter zu Personen vorgeschrieben, die nicht im selben Haushalt leben oder diesen gleichgestellt sind. Grundsätzlich wird im beruflichen Kontext eine Präzisierung vorgenommen. Ist aufgrund "der Eigenart der beruflichen Tätigkeit" der vorgesehene Abstand von mindestens einem Meter nicht einzuhalten, "ist durch sonstige geeignete Schutzmaßnahmen das Infektionsrisiko zu minimieren, etwa durch technische oder organisatorische Schutzmaßnahmen", heißt es in der jüngsten Novelle zur COVID-19-Lockerungsverordnung.

Limitierte Besucherzahl bei Veranstaltungen

Auch Veranstaltungen werden - wie bereits angekündigt - wieder mit mehr Besuchern erlaubt. Mit 1. Juli sind Veranstaltungen mit zugewiesenen und gekennzeichneten Sitzplätzen in geschlossenen Räumen für bis zu 250 Personen und im Freiluftbereich für bis zu 500 Personen zulässig. Mit 1. August sind grundsätzlich Veranstaltungen mit zugewiesenen und gekennzeichneten Sitzplätzen in geschlossenen Räumen für 500 Personen, im Freiluftbereich für 750 Personen erlaubt. Ab diesem Zeitpunkt sind mit einer entsprechenden Bewilligung auch Veranstaltungen für bis zu 1.000 Personen, im Freiluftbereich für bis zu 1.250 Personen möglich. Voraussetzung ist ein Präventionskonzept des Veranstalters.

Kein weiterer Shutdown denkbar

Der Sonderbeauftragte im Gesundheitsministerium, Clemens Auer, sieht die weltweiten Corona-Notmaßnahmen derweilen als einmalig an. "Wir werden uns nicht erlauben können, bei dem nächsten krassen Influenza-Virus, der zu einer Pandemie werden könnte, oder Corona-Geschichte wieder einen mehr oder weniger globalen Shutdown zu machen", sagte Auer in einer Online-Tagung der "SDGWatch Austria". Für einen Shutdown brauche es "ein sehr wohl dosiertes Risiko-Adjustment (Anpassung, Anm.)", sagte Auer unter Verweis auf die Opferzahlen. Er sprach von 661 Corona-Todesopfern, wobei lediglich 38 Personen jünger als 65 Jahre gewesen seien, "sozusagen im arbeitsfähigen Alter".

Nicht auf Corona-Pandemie vorbereitet

Auer äußerte sich auch in seiner Eigenschaft als Mitglied des Exekutivrates der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Er räumte ein, dass die Welt, Europa und auch Österreich "schlecht vorbereitet" gewesen seien auf die Corona-Pandemie. Große Versäumnisse sieht Auer auch im Forschungsbereich. Die internationale Forschung zu Influenza- und Coronaviren habe "in den letzten 20 Jahren versagt". Man wisse viel zu wenig über diese Bereiche, und die Grippeimpfstoffe würden heute immer noch so hergestellt wie in den 1950er-Jahren.

Über 350.000 Corona-Tote weltweit

Weltweit hat die Anzahl der offiziell an oder mit einer Covid-19-Erkrankung Verstorbenen am Mittwoch die Marke von 350.000 Menschen überschritten. Mehr als drei Viertel der Todesopfer wurden in Europa und den USA verzeichnet, wie aus einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP auf Grundlage von Behördenangaben hervorgeht. Die Zahl nachgewiesener Infektionen stieg auf mittlerweile mehr als 5,6 Mio.

Italien liegt in der Zahl der Todesfälle mit bisher 32.955 zwar weiter hinter den USA (98.929) und Großbritannien (37.130) auf Rang drei, doch sieht sich Österreichs südliches Nachbarland auf einem guten Weg. Die am 4. Mai eingeleiteten ersten Lockerungen der Corona-Ausgangssperre haben keinen Anstieg an Infektionen gebracht. Experten zeigen sich mit der Entwicklung der Epidemiekurve zufrieden, mahnen die Bürger jedoch weiter zur Einhaltung der strengen Vorsichtsmaßnahmen.

Im ähnlich schwer wie Italien betroffenen Spanien hat indes am Mittwoch eine zehntägige Staatstrauer für die dort gut 27.000 Todesopfer der Pandemie begonnen. Der Beginn der Ehrung wurde um 12.00 Uhr Mittag von einer Schweigeminute im ganzen Land begleitet. Überall wurden die Landesfahnen auf halbmast gesetzt. Im Madrider Regierungssitz Palacio de la Moncloa stand Ministerpräsident Pedro Sanchez der Zeremonie vor. Es handelt sich um die längste Staatstrauer in Spanien seit Ende der Diktatur von Francisco Franco (1939-1975).

Länder wollen zweite Ansteckungswelle vermeiden

Da wie dort gibt es starke Bemühungen, eine zweite Ansteckungswelle zu vermeiden. In der Schweiz haben Forscher der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich berechnet, dass eine zweite Welle im Land bis zu 5.000 Todesopfer fordern könnte. Es könnte dann durchaus einen langsameren Verlauf geben, aber eben mit mehr Toten. Bisher wurden in der Schweiz offiziell 1.917 an oder mit Covid-19 Verstorbene vermeldet, die Zahl der jemals Infizierten liegt bei knapp 31.000.

Die Virus-Ausbreitung bzw. die Verhinderung einer zweiten Welle schien etwa Südkorea lange im Griff gehabt zu haben. In der ersten Mai-Hälfte hatte es aber in Seouls Ausgeh-Viertel Itaewon etliche Neuinfektionen gegeben, 250 Fälle werden mittlerweile damit in Verbindung gebracht. Nun wurden in der westlich von Seoul gelegenen Stadt Bucheon 36 Fälle in einem Logistikzentrum eines Online-Versandhändlers vermeldet. Insgesamt 40 neue Fälle am Dienstag bedeuten den größten Fall-Anstieg in Südkorea seit sieben Wochen.

In der Corona-Bekämpfung hat indes Frankreich den Einsatz des Malaria-Mittels Hydroxychloroquin untersagt. Der Wirkstoff darf bei neu Erkrankten nicht mehr genutzt werden, wie aus einer im Amtsblatt veröffentlichten Mitteilung hervorgeht. Bei Patienten wurden schwere Nebenwirkungen wie Herzrhythmusstörungen festgestellt, die bis zum Tod führen können. In Indien aber ist das Medikament wie davor in Brasilien trotz einer Warnung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) offiziell für den Kampf gegen die Pandemie empfohlen worden.

(Quelle: APA)

Aufgerufen am 01.03.2021 um 06:01 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/coronavirus-weitere-lockerungen-in-phase-der-eigenverantwortung-88122256

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