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Zukunft der Branche

Wenn sich Österreichs Medienschaffende treffen

Fachkongress für die Medien- und Kommunikationswirtschaft

Medientage 2022 APA/TOBIAS STEINMAURER
 (V.l.n.r.) Christian Stögmüller (VÖP) , Gerald Grünberger (VÖZ) , Roland Weißmann (ORF) , Susanne Raab (ÖVP), Christina Antlanger-Winter (Google Österreich) , Martin Selmayr (EU-Kommission Österreich) und Jürgen Hofer (Horizont) bei den Österreichischen Medientageb 2022 in Wien.

Nach zweijähriger Corona-Einschränkung konnten diese Woche die österreichischen Medientage wieder in Präsenz stattfinden. Eine Vielzahl an Medienschaffenden kamen am Mittwoch und Donnerstag in Wien zusammen, um über den Status quo und die Zukunft der Branche zu sprechen.

Medien als Anker und Leuchttürme in stürmischen Zeiten stehen angesichts der Polarisierung der Gesellschaft zusehends auf dem Prüfstand. Auch der ORF ist manchmal mit Vorwürfen, nicht ausgewogen zu berichten, konfrontiert. "Wir hinterfragen uns täglich", meinte ORF-Chef Roland Weißmann bei den Österreichischen Medientagen in Wien. Insgesamt orte er aber einen "unabhängigen, ausgewogenen" ORF, der eine Fehlerkultur pflege und hart daran arbeite, alle bestmöglich zu erreichen.

"Gewisse Nachrichtenmüdigkeit"

"Natürlich sind Menschen kritisch, das ist auch ihr gutes Recht. Aber ehrlicherweise merken wir Kritik oft aus einer Zuspitzung heraus, um möglicherweise Aufmerksamkeit zu erregen und zu polarisieren", so Weißmann. Aufgabe aller Qualitätsmedien sei es, auf Augenhöhe mit der Bevölkerung zu operieren. Bei den Österreicherinnen und Österreichern merke er eine "gewisse Nachrichtenmüdigkeit". Um gegenzusteuern, solle man nicht nur informieren, sondern auch unterhalten. "Man will ja nicht lebensmüde werden."

Grundsätzlich fehle es der Medienbranche es an Mut und Konsequenz, konstatierte Julia Becker, Aufsichtsratsvorsitzende der deutschen Funke-Mediengruppe. Um guten Journalismus in die Zukunft zu führen, brauche es nun einen klaren strategischen Fokus auf digitale Produkte, ohne gedruckte Zeitungen zu vernachlässigen. Gleichzeitig müsse man in die klügsten Köpfe und damit Qualität investieren und auf die beste Technik setzen.

Suche nach verlässlichen Informationen

Prinzipiell ortete die Funke-Aufsichtsratsvorsitzende "großartige Zeiten für den Journalismus". Aufgrund der Vielzahl an Krisen suchen Menschen nach verlässlichen Informationen. Daher sei die "Suche nach der Wahrheit unser wichtigstes Geschäft". Damit Nutzerinnen und Nutzer Qualitätsmedien erhalten bleiben, brauche es nun einen klaren Fokus auf digitale Produkte. Dabei müsse "datenbasiert, aber nicht datenbesessen" gearbeitet werden. "Wir wollen unsere Nutzerinnen und Nutzer ja auch überraschen", so Becker.

Zukunft ausschließlich digital?

Auch wenn die Zukunft des Journalismus digital sei, dürfe auf Print nicht vergessen werden. Denn letztlich finanzieren Printleserinnen und Printleser die digitale Transformation. Zeitungen sollten weiterhin mit "hoher Leidenschaft" gestaltet werden. Sonst verspiele man ein großes Erbe. Für die Übergangszeit sei auch die Hilfe des Staates nötig, meinte sie und forderte den Wegfall der Mehrwertsteuer auf gedruckte Zeitungen. Auch müsse der Netzausbau vorangetrieben werden. "Ich kann niemandem ein iPad in die Hand drücken, wenn es einen Tag dauert, ein ePaper runterzuladen."

Werbekuchen im Land halten

Freilich wird Journalismus nicht nur von Abonnent:innen finanziert, sondern auch zum Großteil durch Werbeeinnahmen. Und diese Werbegelder fließen aus dem heimischen Medienmarkt zusehends an große internationale Plattformen wie Google, Amazon oder auch Meta ab. Rund zwei Milliarden Euro für klassische Medien stehen heuer einem ebenso großen Betrag für internationale Riesen gegenüber, erklärte Krone-Verlag-Geschäftsführer Gerhard Valeskini. Um den Werbekuchen im Land zu halten, schlug ORF-Finanzdirektorin Eva Schindlauer bei den Österreichischen Medientagen Kooperationen vor.

Andreas Martin, Geschäftsführer von Porsche Media & Creative, meinte, Werbung finde dort statt, wo der Konsument ist. "Man kann sich den großen Plattformen als Werbetreibender nicht verschließen." Der Werbekuchen werde nicht größer und teile sich auf mehrere Medienprodukte auf. Das mache es für einzelne Häuser schwer, umriss er die gegenwärtige Lage am Werbemarkt.

Schindlauer drängte wie Valeskini auf faire Rahmenbedingungen am Markt. Keine Lösung sei es laut der ORF-Finanzdirektorin, die "blaue Seite" orf.at abzudrehen oder werbefrei zu machen. Eine jüngst publizierte Studie komme nämlich zu dem Schluss, dass die Werbebudgets nicht zu privaten heimischen Mitbewerbern fließen würden, sondern in ausländische Märkte. Die Zukunft liege darin, stärker auf Werbekunden einzugehen und mit Kooperationen zu versuchen, den Werbekuchen im Land zu halten, so Schindlauer.

Was sind die österreichischen Medientage?

Die österreichischen Medientage in Wien sind ein Fachkongress für die Medien- und Kommunikationswirtschaft. In verschiedenen Panelen setzen sich die wichtigsten Meinungsführer:innen und Repräsentanten der Medien- und Kommunikations- sowie Marketingwirtschaft mit den Schwerpunktthemen der Wiener Medientage auseinander.

(Quelle: APA)

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