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Wo das Händeschütteln herkommt

Bussi, Küss die Hand und andere Grußformen auf der Welt

Händeschütteln, Handschlag, Handshake, SB Pixabay/CC0
Ganz gewöhnlich werden zur Begrüßung die Hände geschüttelt (SYMBOLBILD).

Die ausgestreckte Hand dem Gegenüber reichen, dazu ein fester Händedruck und ein freundlicher Blick – so sieht eine herkömmliche Begrüßung unter Österreicherinnen und Österreichern aus. Woher kommt diese Grußform, was bedeutet sie und wie grüßt man sich in anderen Ländern der Welt? SALZBURG24 hat nachgeforscht.

In Zeiten des Coronavirus ist Vorsicht angebracht beim Händeschütteln. Im Salzburger Dom verzichtet man derzeit auf den Händedruck, auch bei den Eishockey-Cracks des EC Red Bull Salzburg soll "das Händeschütteln, egal aus welchem Anlass, vermieden werden". 

Die Gefahr beim Händeschütteln

Eine direkte Empfehlung das Händeschütteln zu unterlassen, gibt es in Österreich bislang nicht. Allerdings rät das Land Salzburg zu gründlichem Händewaschen. Schließlich werden beim Handschlag Keime ausgetauscht. Sobald eine erkrankte Person ihre Nase berührt oder sich schnäuzt, gelangen die Viren zunächst auf die Hände. 

 

Schüttelt man im Anschluss die Hand eines Gesunden, kann das zu einer Übertragung führen, sofern dieser bald danach unwillkürlich seine Nase oder Lippen berührt. So gelangen die Viren an die Schleimhäute des Atemsystems und haben damit ein neues Opfer gefunden, informiert die Österreichische Apothekerkammer. Nach Angaben der deutschen Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) werden bis zu 80 Prozent der ansteckenden Krankheiten über die Hände übertragen.

Ein Symbol der Eintracht

Gar nicht so einfach, ein Ritual plötzlich bedacht auszulassen, das bei uns bis dato üblich war und in der zwischenmenschlichen Kommunikation große Bedeutung hat. Es prägt den ersten Eindruck, gilt oft als Schlüssel für einen guten Start und ist vor allem in westlichen Kulturen verbreitet.

Doch woher kommt die Grußform des Händeschüttelns? Den Handschlag gibt es in der Menschheitsgeschichte bereits so lange, dass kein genauer Ursprung bekannt ist. Historisch nachgewiesen ist aber, dass die Geschichte des Händeschüttelns bis in die Antike zurückreicht. So ist verbürgt, dass bereits die Römer ihrem Gegenüber die Hände schüttelten. Zu sehen ist diese Grußform auf römischen Münzen, wo das Händeschütteln als Symbol der Eintracht zu deuten ist.

Begrüßung mit Lerneffekt

Den Wunsch nach einer Form der Berührung, um Vertrauen und Interesse auszudrücken, "den teilen wir mit den Tieren", erläuterte der Mediziner und Anthropologe Wulf Schiefenhövel einmal im "Deutschlandfunk". Das Händeschütteln hat laut einer verbreiteten Theorie auch eine friedliche Geste zum Ursprung: „Die offene, zum Gruß dargebotene, in unserem Kultur-Fall rechte Hand, kann nicht gleichzeitig einen Säbel, ein Schwert oder Sonstiges halten. Sie somit ungefährlich und für den Grußpartner nicht bedrohlich ist“, erklärt Michael Greger, Leiter des Salzburger Landesinstituts für Volkskunde, auf SALZBURG24-Nachfrage. 

Zudem vermittle das Händeschütteln Nähe und mildere Hierarchien. Auch lässt sich das Gegenüber nach dem Handschlag ein Stück weit besser einschätzen. So kann man feststellen, ob der oder die andere schwitzt oder angespannt ist, betont Schiefenhövel.

Verzichtet wurde auf das Händeschütteln aus Angst vor Krankheiten schon früher: "Es gab immer wieder Phasen, in denen man hierzulande bei der Begrüßung auf den Handschlag verzichtet hat, so laut Wörterbuch der deutschen Volkskunde vermehrt seit 1945, als amerikanische Besatzer Angst vor Infektionen hatten," berichtet der Greger. 

Küss die Hand

Eine andere Grußform neben dem Händeschütteln war in Österreich seit dem Mittelalter ebenso verbreitet: Der Handkuss. Dieser hat seinen Ursprung im Küssen des Siegelringes eines höhergestellten Adeligen oder Geistlichen im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit. Der Siegelring galt als Zeichen und Legitimation der Macht, der man durch den Kuss Respekt und Unterwerfung bekundete. Spätestens um 1900 herum wurde der Handkuss an den Monarchen als unnötig eingestuft.

In Österreich wurde die Tradition des Handkusses jedoch bis weit in das 20. Jahrhundert gepflegt. Sie kommt noch heute bei Anlässen wie dem Wiener Opernball zur Anwendung. Entsprechend war auch die Grußform „Küss die Hand“ gebräuchlich.

Andere Länder, andere Sitten

Weniger verbreitet ist der Händedruck in Asien. So schüttelt man sich in Japan nicht die Hände, sondern verbeugt sich voreinander und sagt bei der Vorstellung "hajimemashite", was auf Deutsch so viel wie "Schön Sie zu treffen bzw. kennenzulernen" bedeutet. Dann stellt man sich mit seinem Namen vor. Zum Abschluss folgt ein "Yoroshiku onegaishimasu", zu Deutsch etwa "Ich bitte Sie, meinem Anliegen wohlgesonnen zu sein". Man verbeugt sich traditionell zu Beginn und auch zum Abschied.

Handhaltung vermittelt Respekt

Ähnlich ist es in Thailand. Beim "Wai" werden die Hände vor der Brust zusammengelegt, die Ellenbogen bleiben am Körper. Der Jüngere macht den Gruß zuerst. Man kann mit der Geste auch "Danke" sagen. Eine Besonderheit: Die Fernsehnachrichten beginnen und enden mit dem "Wai". In Kambodscha heißt der Gruß "Sampeah" und funktioniert ähnlich. Je höher die Hände gehalten werden, desto mehr Respekt wird ausgedrückt.

Auf den Philippinen ist es anders: Dort ist das Händeschütteln verbreitet, wenn es formell zugeht. Sonst gibt es auch mal einen Wangenkuss. In dem katholisch geprägten Land kann man auch in Viruszeiten in der Kirche Familien sehen, die sich so begrüßen.

Warnung vor Wangenküssen

Nicht die Hand, aber die Wangen geküsst werden traditionell zur Begrüßung in Ländern wie Frankreich oder Italien. Je nach Region unterscheidet sich die Anzahl der Küsse hier zwischen zwei und vier. Wegen des Coronavirus wird in beiden Ländern nun aber davon abgeraten, sich mittels Wangenkusses (oder auch Handschlag) zu begrüßen.

Mit Händeschütteln und Bussi gilt es also in Zeiten des Coronavirus äußert bedacht umzugehen.

(Quelle: SALZBURG24/APA)

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