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Geschichte des Patriachats

Warum der Mann das Sagen hatte

Expertin: "Frau gilt als Eigentum"

SB, Mann APA/dpa-Zentralbild/Jens Kalaene
Der Mann nahm in der Geschichte oft die dominante Rolle ein (SYMBOLBILD).

Vergewaltigung in der Ehe ist in Österreich erst seit 30 Jahren strafbar, bis ins Jahr 2000 war es ein Scheidungsgrund, wenn Frau gegen den Willen ihres Partners arbeiten ging. Gesetze, die die lange auch juristisch verankerte patriarchalische Gesellschaftsstruktur in Österreich dokumentieren. Doch wo nimmt unsere lange Zeit von Männern dominierte Geschichte ihren Ursprung und welche Gründe stecken dahinter? Die Geschlechterforscherin Karin Schmidlechner-Lienhart von der Universität Graz klärt im Gespräch mit SALZBURG24 auf.

„Das Patriachat hat sich bei uns historisch immer durchgezogen. Diese Form bestand bis weit ins 20. Jahrhundert in fast allen Gesellschaften“, erklärt die emeritierte Universitätsprofessorin. Gewalt gegen Frauen impliziere eine patriarchalische Gesellschaft zudem: „Die Frau gilt hier als Eigentum des Mannes. Und dieser kann mit seinem Eigentum umgehen, wie er möchte“, erklärt die Expertin.

Anlässlich des Tages gegen Gewalt an Frauen haben wir uns die Geschichte des Patriachats angesehen.

Reform schafft Patriachat in Österreich ab

Erst eine Familienrechtsreform in den Siebzigerjahren hat das Patriachat in Österreich rechtlich abgeschafft. „Wie es in der Realität aussieht, ist natürlich eine andere Sache“, gibt die Expertin zu bedenken. „Nur weil es das Gesetz gab, hieß es nicht, dass Paare von heute auf morgen ihre Beziehungsform geändert haben.“

Die heutigen Rechte der Frauen in Österreich seien mit früher nicht mehr zu vergleichen, betont die Forscherin: „Hier geht es um ganz banale Dinge: Frauen können nun selbst entscheiden, ob sie einen Beruf ergreifen wollen, sie können Vormund ihrer Kinder werden und einen Pass ohne die Erlaubnis ihrer Männer oder Väter beantragen.“

Körperlicher Unterschied nicht der Grund

Wieso sich der Mann in vielen Gesellschaften jahrhundertelang über die Frau stellte, macht Schmidlechner-Lienhart nicht unbedingt an den körperlichen Unterschieden fest: „Ich glaube nicht, dass es den einen Faktor gibt, wieso sich das Patriachat entwickelt hat.“ Ein Grund sei das männliche Bestreben gewesen, dafür zu sorgen, dass der Nachwuchs auch wirklich der eigene war: „Der Mann war nicht daran interessiert, seinen Besitz an Nachwuchs weiterzugeben, der nicht eindeutig von ihm abstammte. Das bedeutete gleichzeitig eine Einschränkung der Frau, die damit einer gewissen Kontrolle unterworfen war.“

„Das halte ich für Männerfantasien“

Das Bild der körperlich schwachen Frau, die beschützt werden müsse, existiere übrigens erst seit dem 19. Jahrhundert, weiß die Historikerin: „Bis dahin waren arbeitende und körperlich entsprechend starke Frauen gängig.“ Dass die Frau dem Mann körperlich nicht unbedingt unterlegen sein musste, belegen historische Quellen: „Es gibt in Österreich einen Pfarrbrief aus dem 16. Jahrhundert, der mahnt, dass Ehefrauen ihre Männer nicht ständig verprügeln sollen“, erzählt die Expertin. Die Theorie, nach der bereits in der Steinzeit die Männer die Jäger und Frauen die Sammlerinnen waren, glaubt Schmidlechner-Lienhart nicht: „Das halte ich für Männerfantasien.“

Im 20. Jahrhundert lieferte die Forschung die Erkenntnis, dass unsere Geschlechterbilder von den jeweiligen Gesellschaften konstruiert und nicht biologisch seit der Steinzeit festgeschrieben sind. „Diese Erkenntnis ist aber leider noch nicht bei jedem angekommen“, kritisiert Schmidlechner-Lienhart.

Wenn Frauen herrschen

Matriarchalisch lebende Gesellschaften seien in der Forschung im Übrigen nur rudimentär dokumentiert: „Das liegt auch daran, dass die Geschichtsschreibung stark von Männern dominiert war, die nicht daran interessiert waren, dass solche Formen von Geschlechterbeziehung ausgiebig dargestellt werden“, erklärt die Historikerin. „Bei den Native Americans gab es zumindest matriarchalische Ansätze, wo ältere Frauen eine Machtposition innehatten. Auch in China gab es eine Teilgesellschaft, die eindeutig den Kriterien eines Matriarchats entsprach.“

Ein Matriarchat werde nicht anders geführt als die Herrschaft eines Mannes: „Das ist ein guter Beweis dafür, dass Frauen in ihren Anlagen nicht anders sind als Männer. Wenn sie an der Herrschaft sind, sind Frauen nicht edler oder großherziger als ein männliches Pendant. Macht führt immer zu einem ganz bestimmten Verhalten“, betont die Forscherin.

Gleichwertige Geschlechter als Ziel

Ziel einer modernen Gesellschaft sei indes die Geschlechterdemokratie, erläutert Schmidlechner-Lienhart.: „Das heißt: Nicht ein Geschlecht beherrscht das andere, sondern beide sind gleichwertig und haben gleiche Rechte und Pflichten.“

(Quelle: SALZBURG24)

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