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"Versicherungsvertreter" Kurz

Eklat um Böhmermann-Interview im ORF

Jan Böhmermann APA/dpa/Matthias Balk
Jan Böhmermann kritisiert die politischen Umstände in Österreich (Archivbild).

Großer Wirbel um ein Interview des deutschen Satirikers Jan Böhmermann im ORF: Der 38-Jährige nennt Bundeskanzler Kurz (ÖVP) einen „Versicherungsvertreter“, Vizekanzler Strache (FPÖ) wirft er „volksverhetzende Scheiße“ auf Facebook vor und fragt, wann der ORF denn in „FPÖ TV“ umbenannt werde.

Die gewohnten ironisch-kritischen Anmerkungen zu Österreich unter türkis-blauer Führung äußerte der deutsche Satiriker Jan Böhmermann im Interview mit dem ORF-"Kulturmontag" anlässlich der Eröffnung seiner Grazer Ausstellung "Deutschland Anschluss Österreich". Der ORF sendete zwar das komplette Interview, aber ORF-Moderatorin Clarissa Stadler distanzierte sich von "provokanten" Aussagen.

Der 38-Jährige schoss dabei scharf gegen die politischen Umstände in Österreich. So fragte er den ORF-Interviewer, ob er denn noch etwas zu lachen hätte: „Gibt es nicht bald eine Reform, in der der ORF in FPÖ TV umbenannt wird?“

Böhmermann: Kurz ein "Versicherungsvertreter"

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) kritisierte Böhmermann ebenso. Es sei  „nicht normal“, dass Österreich von einem 32-jährigen Versicherungsvertreter mit seinem ganzen Haargel“ geführt werde. „Habt ihr da niemand Bessern?“, fragte der 38-Jährige.

Noch schärfer schoss der Satiriker gegen FPÖ-Vizekanzler Heinz-Christian Strache: „Es ist kein Zustand, dass der Vizekanzler von Österreich sagt: Ich hau‘ bei Facebook volksverhetzen Scheiße raus oder ich gehe Journalisten an – unter hinterher ist das alles Satire. Politiker machen keine Satire. Und wenn "ein Politiker Quatsch macht und hinterher sagt das wär ein Witz, da würde ich... ganz toll aufpassen.

"Acht Millionen Debile"

Für empörte Kommentare von FPÖ-Politikern in Aussendungen, auf FP-nahen Onlineseiten oder auch jener der "Kronen Zeitung" sorgte Böhmermanns Weiterentwicklung eines Zitats aus Thomas Bernhards "Heldenplatz". Angesprochen auf den dortigen (Ende der 80er-Jahre höchst erregt diskutierten) Befund, Österreich bestehe aus "sechseinhalb Millionen Debilen und Tobsüchtigen" merkte der deutsche Satiriker an, dass sich das Rad der Zeit ja weiterdrehe - es somit jetzt "acht Millionen Debile" wären, und der Ruf nach autoritärer Führung sei immer noch sehr laut.

ORF rudert zurück

Der ORF distanzierte sich von den Aussagen Böhmermanns, wie Moderatorin Clarissa Stadler in der Abmoderation festhielt: „Soweit also die Ansichten des Satirikers Jan Böhmermann zu Österreich. Der ORF distanziert sich von den provokanten und politischen Aussagen Böhmermanns. Aber wie Sie wissen, darf Satire alles und der öffentlich-rechtliche Rundfunk künstlerische Meinung wiedergeben.“

Böhmermann über ORF verärgert

Die Distanzierung rief wiederum Böhmermann auf den Plan, der über Twitter seinen Ärger kundtat. So sei es ein „köstlicher Witz/Satire“ des ORF sich nach einem gesendeten Interview ausdrücklich vom Interviewten zu distanzieren.

FPÖ regt sich über ORF auf

Für die FPÖ war dies eine weitere Gelegenheit, sich über den ORF aufzuregen. Generalsekretär Harald Vilimsky zeigte sich per Aussendung empört, weil die Distanzierung des ORF nur eine "halbherzige" gewesen sei. Der Öffentlich-Rechtliche entwickle sich "immer mehr zu einer reinen Propagandamaschine von Rot-Grün" und habe sich in den letzten Wochen "immer mehr als Wolf im Schafspelz entpuppt". Ihm würde es "zwar nie in den Sinn kommen, die Einladungspolitik des ORF als 'debil' zu bezeichnen - hinterfragenswürdig ist sie aber allemal", plädierte der zweite Generalsekretär Christian Hafenecker einmal mehr für die Abschaffung der GIS-Gebühren, also die Steuerfinanzierung des Öffentlich-Rechtlichen.

(S24/APA)

Aufgerufen am 20.05.2019 um 07:22 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/eklat-um-boehmermann-interview-im-orf-69879526

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