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Filmlegende

Eric Pleskow ist tot

Eric Pleskow APA/HERBERT NEUBAUER
Eric Pleskow flüchtete einst aus Wien und wurde in Hollywood zur Filmlegende.

"Kino war mein Leben", sagte Eric Pleskow einst in einem Interview. Und sein Werdegang liest sich wie Kino. In den 30er-Jahren als Jugendlicher vor den Nazis aus Wien geflüchtet, landete Eric Pleskow in den USA zufällig beim Film und stieg zu einem der mächtigsten Filmtycoons Hollywoods auf. Am Dienstag verstarb der Wien stets verbunden gebliebene Viennale-Präsident mit 95 Jahren in den USA.

Im Laufe seiner Karriere zeichnete Pleskow als Oscar-prämierter Produzent bei zahlreichen Kinomeisterwerken wie "Das Schweigen der Lämmer", "Einer flog über das Kuckucksnest", "Der Stadtneurotiker" oder "Amadeus" mitverantwortlich. Sein Zuhause waren denn auch bis zuletzt die USA.

Ab Ende der 90er-Jahre war Pleskow aber auch regelmäßig zu Gast in Wien, als Präsident der Viennale und als Jurymitglied des Wiener Filmfonds. In ersterer Funktion war er für seine humorvollen, politischen Reden bekannt, die der verschmitzte "Frühstückspräsident", wie er sich selbst bezeichnete, bei der Eröffnung hielt. Seit ihn Rückenprobleme von der Teilnahme am Festivalauftakt 2011 abhielten, musste er "seinen" Festspielen wiederholt fernbleiben, unterhielt aber stets mit amüsanten Grußbriefen zum Auftakt das Publikum.

Einer der zentralen beruflichen Wegbegleiter Pleskows abseits der Viennale war zweifelsohne Woody Allen, für den er 20 Filme produzierte, darunter "Der Stadtneurotiker" (1977) und "Hannah und ihre Schwestern" (1986). Neben Woody Allen arbeitete er mit Regiegrößen wie Billy Wilder, Francis Ford Coppola, Federico Fellini und Martin Scorsese, entdeckte Oliver Stone, Milos Forman und Sylvester Stallone.

Flucht aus Wien 1938

Pleskow, am 24. April 1924 als Erich Pleskoff geboren, entstammt einer Wiener Kaufmannsfamilie, die 1938 auf gefährlichen Fluchtwegen über Paris in die USA gelangte. Dort gelang ihm mit viel Fleiß und Einsatz eine große Karriere. Er absolvierte ein Ingenieurstudium und kam über verschiedene Tätigkeiten mit dem Dokumentarfilm in Berührung. "Zuerst hab' ich Kaffee geholt, dann als Editor begonnen, also mit Filmschnitt", erinnerte er sich einmal in einem Interview.

Als Mitglied der US-Militärregierung kehrte Pleskow, der die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen hatte, nach Europa zurück und baute in München die bayerische Nachkriegsfilmindustrie mit auf. Er wiedereröffnete die Bavaria-Studios, vergab Lizenzen an neue Filmfirmen wie Constantin, war für die Entnazifizierung von deutschen Filmschaffenden zuständig.

1951 wechselte Pleskow zur US-Filmfirma United Artists, wo er in verschiedenen Funktionen arbeitete: 1962 wurde er Vizepräsident des Internationalen Vertriebs der Firma, 1973 Executive Vice President und neun Monate später – als zweiter Europäer nach Charles Chaplin – Präsident. Unter seiner Ägide entstanden zehn Filme, die den Oscar als bester Film des Jahres erhielten.

Pleskow als Ehrenbürger ausgezeichnet

1978 gründete er mit mehreren Partnern die Firma Orion Pictures, wo er als Präsident und Chief Executive Officer fungierte. Zuletzt lebte Pleskow in Westport, Connecticut, eine Zugstunde von New York entfernt. Anerkennung von jener Stadt, aus der er einst fliehen müsste, erhielt er in Form des Goldenen Verdienstkreuzes 1971 und der Ehrenbürgerschaft Wiens 2007 – für ihn die"wahrscheinlich die wichtigste Auszeichnung, die ich je erhalten habe". 2009 folgte das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.

(Quelle: APA)

Aufgerufen am 16.10.2019 um 04:17 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/eric-pleskow-us-austro-filmlegende-95-jaehrig-verstorben-77047570

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