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Zu wenige Saisonarbeiter

Österreichs Bauern fehlen auch heuer Erntehelfer

Corona-bedingte Grenzschließungen sorgen für Probleme

SB: Ernte, Erntehelfer APA/dpa
Auch heuer dürfte es in Österreich wieder zu wenige Erntehelfer geben. (SYMBOLBILD)

Vor dem Start der Erntezeit befürchten Österreichs Bauern auch heuer, dass zu wenige Helfer ins Land kommen.

Jährlich sind österreichweit etwa 15.000 Erntehelfer im Einsatz, meist kommen sie aus EU-Ländern. Das Kontingent für Erntehelfer aus Drittstaaten beträgt heuer 3.046 Personen. "Es gibt zu wenig Kontingentplätze für Saisonarbeitskräfte", sagt Spargelbauer Werner Magoschitz den "Salzburger Nachrichten (SN)". Er ist Obmann der Genuss Region Marchfeldspargel mit 14 Betrieben, die 1.000 Erntehelfer brauchen.

Corona sorgt für Schwierigkeiten bei Ernte

Voriges Jahr kam es corona-bedingt zu besonderen Schwierigkeiten, es wurden sogar rund 1.000 Erntehelfer eingeflogen. Auch heuer sind die Grenzen wegen der Pandemie noch nicht offen, wie man es in der EU eigentlich gewohnt ist. 

Missstände aufgedeckt

Mehrmals flogen auch Missstände auf, etwa rund um die Unterbringung der Arbeitskräfte. 315 Betriebe habe man 2020 kontrolliert, sagt Wilfried Lehner, Leiter der Finanzpolizei im Bericht der "Salzburger Nachrichten". 84 Strafanträge seien gestellt und in Summe Geldstrafen von 185.000 Euro beantragt worden.

Extremfälle sind Ausnahme

"Zumeist kumulieren mehrere Delikte", so Lehner, von Schwarzarbeit über Lohn- und Sozialdumping bis zur illegalen Ausländerbeschäftigung. Typisch für die Branche seien solche Extremfälle nicht. "Viele agieren sauber, umso mehr ärgert es, wenn sich manche preislich Vorteile verschaffen."

Wenig Zuversicht

Dass sich die Lage heuer im Vorjahresvergleich verbessert, erwartet Lehner aber nicht. "Die Ertragssituation der Bauern ist ja nicht besser geworden, gerade bei manchem Obst und Gemüse ist der Preisdruck immens und viel harte, händische Arbeit nötig." Entsprechend hoch sei die Verlockung, kreativ zu entlohnen, zitiert ihn die Zeitung.

Mehrsprachige Aufklärung gefordert

Ähnlich sieht das dem "SN"-Bericht zufolge Sónia Melo, Mitbegründerin der Infokampagne Sezonieri (Rumänisch für Saisonarbeiter), hinter der Aktivisten und die Gewerkschaft stehen. In erster Linie gehe es um Aufklärung - mehrsprachig. "Viele Betroffene wissen überhaupt nichts über ihre Rechte", sagt Melo. Denn nicht nur Löhne, auch Anforderungen, die Unterkünfte erfüllen müssten, und wie viel dafür vom Lohn abgezogen werden dürfe, sei geregelt. "Das Problem sind sicher fehlende Kontrollen."

Dass Erdbeeren oder Spargel massiv teurer würden, wenn man sich an die Regeln hält, glaubt Melo übrigens nicht. "Wenn der Handel nicht so hohe Spannen draufschlagen würde, wäre viel gelöst."

"Wettlauf" um Arbeitskräfte aus Drittstaaten

"Wenn man mehr regionale Produkte haben will, sollten Lippenbekenntnisse tatsächlich spürbar sein", sagt auch Stefan Hamedinger vom Verband der Obst- und Gemüsebauern in Oberösterreich den "SN". Bei Ware, die händisch geerntet werde, sei es schwer, konkurrenzfähig zu sein. Das G'riss um die Saisonarbeitskräfte sei groß. Weil aus dem EU-Ausland immer weniger Arbeiter kämen, sei bei den Landwirten um die Helfer aus den Drittstaaten ein Wettlauf entfacht.

Für die 1.164 Kontingentplätze in Oberösterreich gebe es heuer mehr als 1.900 Anträge auf Bewilligung. Noch größer sei die Lücke in Niederösterreich. "Da gab es schon im Jänner 2.000 Anträge für 550 Plätze", sagt Hamedinger. Die Zahl der Anbauflächen in Österreich könnte viel stärker steigen, ist er überzeugt, "nur können die Bauern diese Chance nicht nutzen, weil ihnen das Personal nicht aufgestockt wird".

Die Marchfelder Spargelbauern haben in ihre Statuten laut "SN" ein verpflichtendes Sozialprogramm aufgenommen. Für Strom und Heizung in den Unterkünften etwa dürfen nicht mehr als je 19 Euro pro Monat abgezogen werden.

(Quelle: APA)

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