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Verheerende Explosion

Keine Österreicher in Beirut verletzt

Rund 480 Österreicher derzeit im Libanon

Bei der verheerenden Explosion am Dienstagabend in Beirut im Libanon sind laut aktuellen Informationen keine Österreicher betroffen. Auch die im Rahmen einer UNO-Mission rund 180 österreichischen Soldaten seien „wohlauf und unverletzt“, wie das Bundesheer bestätigte.

Die österreichische Botschaft in Beirut wurde "durch die Druckwelle, die der Explosion gefolgt ist, etwas beschädigt", erläuterte der Sprecher des Außenministeriums in Wien, Peter Guschelbauer, auf APA-Nachfrage. Dort würden nun Aufräumarbeiten laufen. Eine lokale Angestellte sei leicht verletzt.

300 Auslandsösterreicher im Libanon

Er betonte, ebenso wie die diplomatische Einrichtung auf ihrer Facebook-Seite, dass die Botschaft weiterhin erreichbar ist. Die Botschaft sei rund um die Uhr über eine Notfall-Telefonnummer erreichbar, hieß es auf Facebook: "Bitte kontaktieren Sie, falls Sie Angehörige suchen oder Ihnen bekannt geworden ist, dass österreichische Staatsbürger durch diese Katastrophe in Beirut verletzt sind oder Hilfe benötigen, die Botschaft telefonisch unter folgenden Nummern: +961 1 213 052 oder +961 1 213 017."

Laut Außenministerium leben etwa 300 Auslandsösterreicher im Libanon.

Bundesheer-Camp rund zwei Stunden entfernt

Rund 180 österreichische Soldaten sind im Rahmen einer UNO-Mission dort stationiert. Sie seien alle "wohlauf und unverletzt" und waren in keiner Form in die verheerenden Explosionen in Beirut involviert, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Michael Bauer, am Mittwoch auf APA-Anfrage. Das Camp des Bundesheeres liege rund zwei Fahrtstunden entfernt von Beirut in Naqoura.

Hilfe bei den Notfallmaßnahmen nach den Explosionen könne das Bundesheer im Libanon von seiner Seite nicht anbieten, erläuterte Bauer. Dieses Angebot müsste von der UNO kommen. "Die Gedanken der UNIFIL-Truppe sind bei den Betroffenen", schrieb Bauer auf Twitter.

Österreichischer Heer seit 2011 Teil der UNO-Mission

Das Bundesheer beteiligt sich seit dem November 2011 an der UNIFIL-Mission der Vereinten Nationen im Libanon. An diesem "United Nations Interim Forces in Lebanon"-Einsatz nehmen rund 11.800 Soldaten und 1.000 Zivilangestellte der UNO aus 40 Nationen teil. Ihr Hauptquartier haben die Friedenstruppen im Camp Naqoura im Südwesten des Landes.

Die rund 180 österreichischen Soldaten helfen laut Internetseite des Bundesheeres mit mehr als hundert Fahrzeugen (darunter Geländewagen, Sattelschlepper, Busse, Berge- Lösch- und Tankfahrzeuge), "die Lage im Libanon zu beruhigen und die Sicherheit für die Bevölkerung zu gewährleisten". Die Kraftfahrer, Mechaniker, Sanitäter, Logistiker und Feuerwehrpersonal transportieren etwa Personal und Ausrüstung, bergen und reparieren beschädigte UNIFIL-Fahrzeuge, versorgen die UNO-Truppe mit Treibstoff und betreiben die Camp-Feuerwehr im Hauptquartier.

(Quelle: APA)

Beirut liegt in Trümmern

Dutzende Tote und tausende Verletzte, brennende Schiffe und Lagerhallen, verwüstete Gebäude und Straßen: Zwei gewaltige Explosionen im Hafen von Beirut haben immense Zerstörungen angerichtet. Das libanesische Rote Kreuz hat die Zahl der Toten auf mindestens 100 beziffert. Mehr als 4.000 weitere Menschen seien verletzt worden, teilte die Organisation am Mittwoch mit. "Unsere Teams setzen die Such- und Rettungsaktivitäten in den umliegenden Gegenden fort." Die Ursache der Explosionen war noch unklar.

Laut Ministerpräsident Hassan Diab waren 2.750 Tonnen Ammoniumnitrat detoniert. Das Material sei seit sechs Jahren ohne Vorsichtsmaßnahmen in einem Lagerhaus untergebracht gewesen. Weshalb es explodierte, war ungewiss. Ammoniumnitrat kann zur Herstellung von Sprengstoff verwendet werden.

Hintergründe völlig unklar

US-Präsident Donald Trump sprach von einem "furchtbaren Angriff" mit einer "Art von Bombe". Er berief sich dabei auf Angaben von US-Generälen. Weder vom Pentagon noch den libanesischen Behörden kamen jedoch irgendwelche öffentlichen Hinweise darauf, dass es sich möglicherweise um einen Anschlag gehandelt haben könnte.

Große Teile des Hafens und der umliegenden Stadtgebiete wurden verwüstet. Auf Bildern waren unter Trümmern eingeklemmte Menschen zu sehen, viele von ihnen blutüberströmt.

Spitäler in Beirut völlig überlastet

Die Krankenhäuser seien mit den vielen Verletzten komplett überlastet, sagte Gesundheitsminister Hamad Hassan beim Besuch eines Hospitals. "Es ist eine Katastrophe im wahrsten Sinne des Wortes." Der Oberste Verteidigungsrat des Landes erklärte die Stadt zur "Katastrophenzone".

Auch das Gebäude, in dem sich die deutsche Botschaft befindet, wurde nach Angaben des Auswärtigen Amts in Berlin beschädigt. Angesichts der starken Schäden im Stadtgebiet schloss das Ministerium nicht aus, dass weitere deutsche Staatsangehörige unter den Todesopfern und Verletzten sein könnten.

Beschädigt wurde auch ein Schiff der Vereinten Nationen: Blauhelmsoldaten der UN-Mission im Libanon (Unifil) seien verletzt worden, einige von ihnen schwer, hieß es in einer UN-Erklärung. Die verletzten Seeleute wurden demnach in umliegende Krankenhäuser gebracht. Zur Nationalität der Opfer machte die UNO zunächst keine Angaben.

Bild der Zerstörung

Im Hafen waren Container verbogen wie Konservendosen, ihr Inhalt auf dem Boden zerstreut. Schiffe standen in Flammen, Autos brannten aus. In den umliegenden Straßenzügen wurden Fensterscheiben und Schaufenster zertrümmert.

Über der gesamten Hafengegend lag eine riesige Rauchwolke. Noch Stunden nach den Explosionen kreisten Hubschrauber über der Gegend, um gegen die Flammen anzukämpfen. Die Detonationen waren im gesamten Land zu hören gewesen - und auch im 240 Kilometer entfernten Nikosia auf der Mittelmeerinsel Zypern.

Hilfslieferungen nach Libanon

"Alle Gebäude hier in der Gegend sind eingestürzt", berichtete Makruhie Jerganian, die seit Jahrzehnten nahe des Hafens wohnt. "Ich habe vieles erlebt, aber so etwas noch nie", sagte die pensionierte Lehrerin, die auch den Bürgerkrieg von 1975 bis 1990 in dem arabischen Land miterlebte.

Große Explosion erschüttert Beirut ASSOCIATED PRESS
Eine große Explosion sorgte für Tausende Verletzte und viele Todesopfer in Beirut.

Regierungschef Diab kündigte an, die Verantwortlichen "zur Rechenschaft" zu ziehen. Trump sagte bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus, er habe einige US-Generäle getroffen, und diese "schienen das Gefühl zu haben", dass es sich um einen "Angriff" gehandelt habe. Konkrete Indizien dafür präsentierte der US-Präsident allerdings nicht. Bundespräsident Alexander Van der Bellen zeigte sich betroffen von der Explosion in Beirut und erklärte via Twitter, "unsere Gedanken sind bei den Menschen im Libanon, bei den Verletzten und den Familien der Opfer".

Große Explosion erschüttert Beirut ASSOCIATED PRESS
Eine große Explosion sorgte für Tausende Verletzte und viele Todesopfer in Beirut.

Diab bat in einer Fernsehansprache alle befreundeten Staaten um Hilfe. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte dem Libanon Unterstützung zu. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kündigte die Lieferung "mehrerer Tonnen" medizinischem Hilfsmaterials an. Hilfszusagen kamen aus aller Welt, darunter auch von Israel und dem Iran.

Der Libanon befindet sich seit Jahren in einer Abwärtsspirale: Das Land leidet unter einer schweren Wirtschaftskrise, fast die Hälfte der Bevölkerung lebt in Armut. Die Krise wurde in den vergangenen Monaten durch die Corona-Pandemie verschlimmert.

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