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Das bringt 2020

Die Food Trends im neuen Jahr

Tofu, Bowl, Asia, vegan, Essen, SB Pixabay/CC0
Essen aus Schüsseln bleibt auch 2020 Trend. (SYMBOLBILD)

Mit unserem Lebensstil ändert sich auch unser Essen. Trends kommen und gehen, manche bleiben uns erhalten. Im neuen Jahr löffeln wir weiterhin aus Schüsseln, setzen mehr auf Nachhaltigkeit und snacken uns durch den Tag. Diese Veränderungen halten 2020 Einzug.

Der Lebensmittelhandel ist globalisiert. Wir können an einem Tag Schnitzel vom heimischen Bauernhof und am nächsten Avocados aus Südamerika auf dem Teller haben. Diese Auswahl prägt unser Essverhalten ebenso wie der Wohlstand, der viele Teile der Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten erreicht hat. All das verändert aber auch die Art, wie wir essen, stellt die Vorarlberger Trend-Forscherin Hanni Rützler in ihrem "Food Report 2020" fest.

 

Mega-Trends beeinflussen Essverhalten

Sie hat sieben sogenannte Mega-Trends ausgemacht, deren Auswirkungen wir in allen Lebensbereichen spüren – eben auch in den Kochtöpfen:

  • Vernetzung
  • Gender Shift
  • Urbanisierung
  • New Work
  • Neo Ökologie
  • Gesundheit
  • Individualisierung

Food Trends als Wegweiser

Die große Auswahl kann Fluch und Segen zugleich sein: Rützler sagt, dass Food Trends uns in diesem Dschungel Orientierung geben können. Sie zeigen an, was man jetzt ausprobieren sollte und was andere für gut befunden haben. Irgendwann werde ein Trend zwar zum "Mainstream", also das, was alle essen. Doch der Trend bleibt nicht stehen, er entwickelt sich weiter, wird noch spezifischer.

Entwicklung Food Trends Hanni Rützlers Food Report 2019/Screenshot

"Snacking" definiert unseren Ess-Alltag

Essen ist zum Ausdruck eines Lebensstils, der eigenen Individualität, geworden. Trends eröffnen uns immer neue Möglichkeiten dafür. Im neuen Jahr werden wir kleinere Portionen, dafür öfter über den Tag verteilt essen. "Snacking" wird aus der Schmuddelecke geholt. Der Begriff ist im Wandel: Von "schnell und ungesund" zu "immer noch schnell, aber voller Vitamine".

Mimas erobern unsere Teller

Dabei kann alles zur Mini-Mahlzeit werden, für die es die niedliche Abkürzung Mima gibt. Beispiele sind Bowls, Burger, Tapas, Bento Boxen oder auch Ramen.

Zurückzuführen sei das laut Rützler auf die Veränderung unserer Arbeitswelt (New Work). Die klassischen Mahlzeiten – Frühstück, Mittagessen, Abendessen – passen nicht mehr in unseren Rhythmus. Das Abendessen löst das Mittagessen als Familientreff ab und wir essen immer mehr außer Haus.

Burger, vegan, Essen, SB Pixabay/CC0
Die Portionen werden kleiner, dafür wird öfter am Tag gegessen. (SYMBOLBILD)

Westafrika und mehr vegane Alternativen

Zudem wird der Speiseplan pflanzlicher. Getreide und Gemüse spielen auf dem Teller die Hauptrolle. Tierisches, wie Fleisch oder Fisch, veredelt das Gericht und wird oft als "Topping" serviert.

Die amerikanische "Whole Foods"-Kette sieht 2020 mehr Gerichte aus der Westafrika-Region auf unseren Tellern sowie vegane Butter- und Aufstrichvarianten. Immer beliebter wird auch die Happy-Hour ohne Alkohol – von promillefreiem Gin über Wasser mit Hopfenzusatz sei alles dabei.

Essen wird in Städten angebaut

Qualität, Nachhaltigkeit und Fairness der Lebensmittel werden uns immer wichtiger. Gleichzeitig werden die landwirtschaftlichen Anbauflächen weniger, die Städte immer größer. Sie müssen sich neue Arten der Lebensmittelversorgung überlegen, prognostiziert Rützler. Was mit "Urban Gardening" begann, entwickelt sich in Richtung Stadtbauern und "Urban Food".

Wenn Essen dort produziert wird, wo es hauptsächlich konsumiert wird, verringert das die Transportwege. Zudem gibt es neue Technologien, durch die der Anbau ganz ohne Pestizide, Antibiotika oder sogar Erde auskommt.

Plastikfrei als großes Ziel

Und zu guter Letzt gehört auch der Kampf gegen Plastik zu den Essenstrends 2020. Alternative Verpackungen werden ess- und kompostierbar sein, vor allem Einwegprodukte sollen aus den Regalen und Küchen verschwinden. Derzeit mangle es jedoch noch an großflächigen Lösungen für das Plastikproblem.

Wir dürfen also gespannt sein, was uns kulinarisch im nächsten Jahr erwartet – und welche Leckereien die Expertinnen und Experten nicht vorhergesehen haben.

(Quelle: APA)

"Trend ist ein gesellschaftliches Phänomen"

Glühbirne, Licht, SB Pixabay/CC0
(SYMBOLBILD)

Trends bestimmen mit, was wir tragen, was wir essen und wie wir wohnen. Sie zeigen aber auch, wie wir generell leben und wie unsere Gesellschaft funktioniert. Doch wie erkennt man einen Trend und was macht ihn aus?

Die Trendforschung beschäftigt sich mit der Gegenwart. „Ein Trend ist ein gesellschaftliches Phänomen“, erklärt Tristan Horx im Gespräch mit SALZBURG24. Der Trend- und Zukunftsforscher kann bei seiner Arbeit auf ein Netzwerk aus Experteninnen und Experten zurückgreifen. Diese befassen sich jeweils ganz spezifisch mit einem Thema. „Aus diesem Wissen leiten wir dann Trends ab“, sagt Horx.

Trendforschung ist viel Deutung

Dazu stellen die Forscherinnen und Forscher Thesen über gesellschaftliche Entwicklungen auf, die sie anschließend versuchen, mit Zahlen und Umfragen zu verifizieren. Da liege man manchmal richtig, manchmal falsch und teilweise auch beides gleichzeitig. Horx erzählt von einer Studie, in der er gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen vor drei Jahren eine globale Bewegung voraussah. „Wir dachten damals, es würde um die Globalisierung an sich gehen. Ein neues Bewusstsein für die persönliche Umwelt, ob Menschen oder Natur, hat sich schon abgezeichnet. Jetzt gibt es ‚Fridays for Future‘, wo natürlich die Ökologie im Zentrum steht, innerhalb einer globalen Generation.“

Phänomene richtig einordnen

Nicht alles, das beliebt ist, entwickelt sich langfristig zum Trend. Horx unterscheidet deshalb nach Größe. Die Trendkategorien in absteigender Reihenfolge:

  • Megatrend: langfristig, global, in allen Lebensbereichen
  • Soziokulturelle Trends: mittelfristige Änderungen des Lebensstils, den Werten und der Kultur
  • Technologietrends: z.B. selbstfahrende Autos und Drohnen
  • Konsumtrends: Verbraucher- und Marktbezogen, z.B. E-Bikes, Bio-Supermärkte
  • Zeitgeist- und Modetrends: kurzfristig und marketinggesteuert
  • Mikrotrends: Produktinnovationen oder spezielle Businessmodelle

 „Pokemon Go etwa war der Hype, der Technologietrend dahinter war die Geolocation, darüber stand der Gesellschaftstrend Smartphonification und darüber stand der Megatrend Konnektivität“, schildert Horx ein Beispiel für die Einteilung.

Für jeden Trend ein Gegenstück

Der wichtigste Grundsatz in der Trendforschung sei jedoch, dass jeder Trend einen Gegentrend habe. Interagieren diese Gegensätze, dann entstehe laut Horx Zukunft. Ein Beispiel dafür sei Digitalisierung. „Die digitale Korrekturschleife hat begonnen, die Leute versuchen, zurück zum Analogen zu kommen. Jetzt werden wir uns noch eine Zeitlang gegen das Digitale wehren und dann wird ein Real-Digitales Zeitalter entstehen.“ Im sogenannten Post-Digitalen-Zeitalter reden wir nicht mehr über Digitalisierung, sondern sie ist selbstverständlich geworden.

„Trends entwickeln sich von selbst“

Alles und nichts kann ein Trend sein, wichtig sei die richtige Größeneinordnung, betont Horx. Es gehe immer um Strömungen und konstante Entwicklungen. „Konzerne wie Facebook oder Google könnten wohl mittlerweile Mikrotrends schaffen, aber Megatrends sind von Unternehmen nicht beeinflussbar. Sie entwickeln sich von selbst, wandeln sich und sind nicht von einzelnen Playern aufhaltbar. Sie sind Tiefenströmungen der Gesellschaft.“

Aufgerufen am 28.05.2020 um 07:13 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/food-trends-was-wir-2020-essen-werden-80519482

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