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Frauenmorde immer häufiger minutiös geplant

Reinhard Haller: "Dieser neue Trend beunruhigt mich"

Reinhard Haller, Gerichtspsychiater SALZBURG24/Wurzer
Reinhard Haller war am Dienstag zu Besuch bei SALZBURG24. Im Interview spricht er auch über die Frauenmorde in Österreich und macht dabei auf einen neuen, besorgniserregenden Trend aufmerksam. 

Nach einer Häufung von Frauenmorden Anfang dieses Jahres in Österreich hat eine Expertengruppe die Tötungsdelikte minutiös untersucht und Risikofaktoren definiert. Gerichtspsychiater Reinhard Haller erkennt in den jüngsten Fällen einen neuen Trend, „der mich beunruhigt“. Nämlich, die Rachemorde.

Arbeitslosigkeit sowie eine Trennung rangieren als Risikofaktoren an der Spitze, hieß es bei der Vorstellung des Berichts im Innenministerium am Dienstag in Wien. Arbeitslosigkeit sei ein großes Thema, bestätigt Gerichtspsychiater Reinhard Haller im Interview mit SALZBURG24. Keine Aufgabe zu haben bedeute wenig Kommunikationsmöglichkeiten und eine gewisse Vereinsamung. „Man fühlt sich nicht wertgeschätzt.“ Und der Risikofaktor der Trennung sei schon seit Jahren einer der zentralsten. Denn: „Männer sind genau gleich kränkbar wie Frauen und wahrscheinlich noch ein Stück liebesbedürftiger“, sagt Haller. Dazu komme, dass Männer – vor allem die aggressiveren – zu schnellen und raschen Lösungen neigen würden.

Mordfälle in Österreich: Zahlen und Daten

Die von Innenminister Wolfgang Peschorn präsentierten Zahlen und Daten zu den Morden in Österreich dürften Hallers Einschätzungen bestätigen: Von den untersuchten Mordfällen, die von 1. Jänner 2018 bis 25. Jänner 2019 begangen wurden, waren 55 vollendete Tötungsdelikte und die Opfer zu 66 Prozent weiblich. In 92 Prozent der Fälle kannten Opfer und Täter einander - 54 Prozent waren verwandt oder bekannt und 38 Prozent lebten entweder in einer Intimbeziehung bzw. in Trennung. Und: Alle Opfer der in einer Beziehung verübten Tötungsdelikte waren weiblich.

Haller: Affekt-Delikte nehmen zu

„Wir haben seit ungefähr zehn bis 15 Jahren eine Zunahme dieser Affekt-Delikte. Das heißt, es kommt am Höhenpunkt eines Rosenkrieges nachts um 3 noch zu einer finalen Auseinandersetzung. Und dann greift der Mann nach einer Waffe. Das sind die Fäuste oder das ist das Messer. Eine solche Tat geschieht dann im Affekt“, beschreibt der Gerichtspsychiater, der die Gedanken von Mördern, Gewalttätern oder Terroristen kennt.

Rachemorde, ein "besorgniserregender Trend"

Etwas vollkommen Neues sei hingegen bei den Frauenmorden in den letzten Monaten zu beobachten. Nämlich, dass die Taten sehr wohl geplant werden. „Man spioniert dem Opfer nach, lauert ihm auf, man tötet es und stellt sich nachher“, beschreibt Haller das Schema. Bei den Tätern, die er untersucht habe, sei zum Teil sogar Stolz erkennbar gewesen. „Das ist eine Entwicklung, die mich stark beunruhigt, weil ich nicht weiß, in welche Richtung das geht“, so Haller im S24-Gespräch.

Die Expertengruppe des Innenministeriums will der Polizei nun ein Leitfaden zur besseren Gefährdungserkennung bei Vernehmungen nach Gewalt in der Partnerschaft an die Hand geben. Zudem wurde eine Evaluierungsstelle für Tötungsdelikte ins Spiel gebracht.

Aber, können Morde überhaupt verhindert werden? Die Expertengruppe habe sicherlich sehr gute Arbeit geleistet. Aber ob man mit den gelieferten Vorschlägen auch an die wirklich Gefährdeten herankommt, sei freilich eine andere Frage, meint der Psychiater. Es sei eine Vielzahl von Maßnahmen anzuwenden, aber, „die für mich bedeutsamste wäre, das gesellschaftliche Klima zu wandeln – ein bisschen weniger narzisstisch, ein bisschen wertschätzender und ein bisschen empathischer.“

(Quelle: SALZBURG24)

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