Jetzt Live
Startseite Österreich
273 Gramm

So geht es dem Frühchen Gabriel nach einem Jahr

Weltweit fünftkleinster Frühgeborener aus Graz

Frühgeborenes, Frühchen, Frühgeburt, Baby, Kind APA/LKH-UNIV. KLINIKUM GRAZ/M. WIESNA
Dem kleinen Gabriel aus Graz geht es gut.

Nach einem schweren Start ins Leben hat sich der Frühgeborene Gabriel aus Graz nach einem Jahr gut entwickelt. Wie es ihm heute geht, lest ihr nun.

Mit nur 273 Gramm Geburtsgewicht ist vor einem Jahr im Klinikum Graz ein Frühgeborenes auf die Welt gekommen. Am 11. Juni feierte der kleine Gabriel gemeinsam mit seinen beiden Drillingsbrüdern seinen ersten Geburtstag und hat sich gut entwickelt. Bei der Geburt war er der leichteste männliche Frühgeborene Europas und der fünftkleinste der Welt, berichteten seine Ärzte am Freitag in Graz.

Überlebensrate nach Frühgeburt steigt

Frühgeborene haben heute weit größere Überlebenschancen als noch vor wenigen Jahrzehnten. Moderne Medizin macht es durchaus möglich, Frühchen ab der 24. Schwangerschaftswoche und einem Geburtsgewicht von etwa 500 Gramm am Leben zu erhalten und erfolgreich zu behandeln. An der Uniklinik Graz liegt beispielsweise die Überlebensrate aller Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht unter 1.500 Gramm bei etwa 90 Prozent.

Mit 273 Gramm in der 26. Schwangerschaftswoche war es beim kleinen Gabriel allerdings extrem schwierig und dem kleinen Buben wurden bei der Geburt nur minimale Überlebenschancen eingeräumt. "Er war noch um 70 Gramm leichter als wir erwartet hatten", erzählte Philipp Klaritsch von der Abteilung für Geburtshilfe der Uniklinik für Frauenheilkunde, der die vor einigen Jahren aus Bosnien nach Österreich kommende Familie während der Schwangerschaft betreute.

Drilling aus Graz bei Geburt von Syndrom betroffen

Im Laufe der neun Monate hatte sich gezeigt, dass die Drillinge vom fetofetalen Transfusionssyndrom betroffen sind: Bei dieser Erkrankung sind die Blutkreisläufe der Kinder über eine gemeinsame Plazenta miteinander verbunden. Der eine Fötus versorgt den anderen mit Blut: Einer bekommt zu viel, der andere zu wenig Blut. Die Bedrohung für Gabriel war lebensbedrohlich. Zusätzlich war er von einer besonders schweren Wachstumseinschränkung betroffen, schilderte Klaritsch. Aufgrund der speziellen Situation war es nicht möglich, die betroffenen Blutgefäße noch im Mutterleib zu veröden.

Die beiden Brüder brachten bei der Geburt 800 Gramm auf die Waage und konnten nach vier Monaten aus dem Spital entlassen werden, Gabriel wurde sieben Monate auf der Uniklinik für Neonatologie intensivmedizinisch betreut. Es habe sich rasch gezeigt, dass das Herz-Kreislaufsystem des Kleinsten sehr unter der Situation im Mutterleib gelitten hatte, berichtete Klinikleiter Berndt Urlesberger. Zudem bekam der Bub am 14. Lebenstag aufgrund eines Darmverschlusses einen künstlichen Darmausgang: "Bei einem Leichtgewicht wie Gabriele es war, ist ein derartiger Eingriff auch europaweit wahrscheinlich einzigartig", resümierte der Leiter der Grazer Kinder- und Jugendchirurgie, Holger Till, die damals extrem kritische Situation. Fünf Monate später konnte der künstliche Ausgang rückoperiert werden.

Ärzte sind mit der Entwicklung zufrieden

Nach sieben Monaten wog der Kleine 3,5 Kilogramm, heute hält die Waage bei 5,5 Kilogramm und Gabriel kommt ohne Ernährungssonde aus. Auch mit der motorischen Entwicklung sind die Ärzte zufrieden. Beim Durchschlafen übertrumpft er sogar seine Brüder, die mittlerweile je etwa 7,5 Kilogramm schwer sind.

An der Neonatologie in Graz wird der kleine Bub, der im weltweiten Register "The Tiniest Babies" als das leichteste männliche Frühchen Europas und das fünftkleinste der Welt geführt wird, noch wöchentlich kontrolliert. In puncto Gesundheitschecks ist der kleine Patient jedenfalls ein Profi, wie die Pflegeleiterin der Station, Eva Schwarz, berichtete.

(Quelle: APA)

Aufgerufen am 08.08.2020 um 11:16 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/fruehchen-gabriel-aus-graz-gut-entwickelt-90301108

Kommentare

Mehr zum Thema