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"Frühe Hilfe": Uni-Lehrgang Sozial-Prävention für Kleinkinder

Österreich hat EU-weit die meisten Problem-Kinder. Bilderbox
Österreich hat EU-weit die meisten Problem-Kinder.

Ab Herbst 2015 wird es an der Privatmedizinischen Universität (PMU) in Salzburg einen weltweit einzigartigen Universitätslehrgang mit dem Titel "Early Life Care - Frühe Hilfen rund um Schwangerschaft, Geburt und erstes Lebensjahr" geben.

Das wurde Donnerstagvormittag am Rand einer Tagung der "Gesellschaft für Seelische Gesundheit in der Frühen Kindheit" (GAIMH) in Salzburg bekannt gegeben.

Berufsbegleitende Ausbildung

Diese knapp 2.000 Euro teure, berufsbegleitende Ausbildung soll helfen, nicht nur die permanent steigende Zahl verhaltensauffälliger Kinder zu verringern. "Diese gut ausgebildeten Familien-Helfer können der Gesellschaft auch sparen helfen", wie Klaus Vavrik, Kinderarzt, Psychiater und Präsident der österreichischen Liga für Kinder- und Jugendgesundheit, erläuterte. "Fünf bis zehn Prozent aller bis vier Jahre alten Kinder - das sind österreichweit immerhin 20.000 bis 40.000 junge Menschen - sind verhaltensauffällig. Das heißt, die Wahrscheinlichkeit, dass diese Menschen durch Armut, Depressionen, Ängste, Gewalttätigkeiten und Alkoholmissbrauch ihrer Eltern Schwierigkeiten bekommen ihr Leben zu meistern, ist extrem hoch. Es ist nicht nur eine rechnerische Größe, sondern es ist eine empirisch nachgewiesene Tatsache, dass es billiger ist, diese Problemfamilien bereits in der Schwangerschaft aufzusuchen und niederschwellig zu betreuen."

Enorme Folgekosten

"Die enormen Folgekosten für psychische Erkrankungen aller Art, Arbeitsausfälle und Sozialhilfen bis hin zu Gefängnissen und Rehabilitation ließen sich verringern, wenn Mütter mit ihren postnatalen Depressionen, ihren Schreischlafkindern mit Fütterstörungen oder mit ihren sozialen Ängsten flächendeckend betreut würden", argumentierte Vavrik weiter. Und die Kinderärztin und -psychiaterin Katharina Kruppa ergänzte, es gebe eine Vielzahl von Institutionen und Hilfs-Strukturen. "Aber was gänzlich fehlt, ist die Vernetzung zwischen Hebammen, Kinderärzten, Therapeuten, Sozialarbeitern, Jugendämtern und anderen. Diese unklaren Zuständigkeiten führen dazu, dass die massiven Probleme von Kindern und ihrer Familien oft nur zufällig entdeckt werden und vielfach unbehandelt bleiben."

Die GAIMH will daher Strukturen installieren, die es ermöglichen, dass jede Familie bereits in der Schwangerschaft besucht und bei Bedarf intensiv betreut wird. Dies funktioniere im modellhaften Vorarlberger "Netzwerk Familie" bereits gut. "Auch München praktiziert ein ähnliches Modell mit Erfolg, und in der rheinischen Stadt Dormagen ist durch eine konsequente 'Frühe Hilfe' die Gewalt unter 19-Jährigen um 50 Prozent zurückgegangen" sagte Vavrik. "Dort hat man zudem ausgerechnet, dass jeder Euro, der in 'Frühe Hilfe' investiert worden ist, später rund achtmal eingespart werden kann."

Immer mehr Problemkinder

Die Vernachlässigung von Kindern gibt es keineswegs nur in unteren sozialen Schichten. Die Zahl der Problemkinder ist, glaubt man der WHO-Studie "Health Behaviour in School-aged Children", in Österreich höher als in jedem anderen EU-Land. Nirgends rauchen mehr elf- bis 17-Jährige, und in keinem EU-Land haben Menschen dieser Altersgruppe mehr Erfahrungen mit Gewalt gemacht als in Österreich. Auch beim Alkoholtrinken sind die jungen Österreicher laut WHO in der negativen Spitzengruppe Europas. (APA)

(Quelle: S24)

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