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Wirtschaftliche Interessen

Grenzöffnung trotz schlechterer Corona-Bilanz

Deutschland bei Infektionszahlen hinter Österreich

Grenz-Kontrollen Neumayr
Ab 15. Juni wird an den Grenzen zwischen Österreich und Deutschland nicht mehr kontrolliert, schon jetzt gibt es Erleichterungen.

Hunderttausende Deutsche und Österreicher leben im jeweils anderen Land, die wirtschaftliche Verflechtung ist eng. Es ist nur logisch, dass Österreich im Zuge der Corona-Lockerung zuerst die Grenzbalken zu Deutschland hoch gehen lässt. An einer besonders vorteilhaften Entwicklung der Corona-Fallzahlen in Deutschland kann es nicht liegen. Diesbezüglich stehen andere Nachbarn Österreichs besser da.

Erst diese Woche sorgte die Nachricht für Unruhe, wonach der R0-Wert in Deutschland über die magische Schwelle von 1,0 geklettert ist. Das Coronavirus schien sich im größten EU-Mitgliedsland wieder auszubreiten, doch am gestrigen Dienstag gab das Robert-Koch-Institut wieder Entwarnung. Ein Wert von 0,94 bedeutet, dass zehn Infizierte zwischen neun und zehn Personen mit dem Coronavirus anstecken.

Liechtenstein als "sicherstes" Nachbarland

Es sollten eher weniger sein, denn mit über 170.000 bestätigten Infektionen wird Deutschland schon jetzt in Europa nur von den Corona-Problemländern Spanien, Italien und Frankreich überflügelt. Mit zwei Coronafällen pro 1.000 Einwohnern liegt Deutschland vor Österreich (1,8 Fälle). Während die vier östlichen Nachbarländer Tschechien (0,8), Slowakei (0,3), Ungarn (0,3) und Slowenien (0,7) allesamt eine Durchseuchung von weniger als einem Promille der Wohnbevölkerung aufweisen, liegen Italien (3,7), die Schweiz (3,5) und Liechtenstein (2,2) über den österreichischen Werten.

Relevanter ist freilich die Zahl der aktiven Fälle und Neuinfektionen. Nimmt man letztere als Maßzahl, sollte Österreich als erstes die Grenze zu Liechtenstein öffnen. Dort wurde laut der US-Universität Johns Hopkins nämlich am 26. April der bisher letzte Coronafall bestätigt. Gerade einmal 26 aktive Fälle gibt es in dem kleinen Fürstentum derzeit.

Auch die Slowakei und Slowenien weisen gute Corona-Zahlen auf

Ebenfalls weitgehend eingedämmt scheint die Pandemie in der Slowakei und Slowenien zu sein, wo der tägliche Zuwachs im einstelligen Bereich liegt. Die Zahl der aktiven Fälle liegt in diesen beiden Ländern bei 455 (Slowakei) und 1.100 (Slowenien). Freilich hat das vier Mal kleinere Slowenien damit fast genauso viele aktive Corona-Infizierte wie Österreich (1.190).

Etwas schlechter sieht die Bilanz in Tschechien und Ungarn aus. Dort haben sich zwar insgesamt weniger Menschen mit dem Coronavirus infiziert als in Österreich, aber die Zahl der aktiven Fälle ist deutlich höher. In Tschechien gelten 3.050 Personen als noch nicht genesen, in Ungarn 1.881. Damit liegt das östliche Nachbarland Österreichs hinter dem früheren Coronavirus-Hotspot Schweiz, das 1.713 aktive Fälle in der Statistik führt. In allen drei Ländern liegt die Zahl der täglichen Neufälle im unteren zweistelligen Bereich, ähnlich wie in Österreich.

Täglich 700 neue Corona-Infektionen in Deutschland

Ganz anders die aktuelle Lage in Deutschland. Die Seite Worldometer weist für das große österreichische Nachbarland 18.116 aktive Coronafälle aus, was nur von Italien (81.266) übertroffen wird. Und während Italien die Zahl der Neuerkrankungen mittlerweile schon an mehreren Tagen unter 1.000 drücken konnte, kommen in Deutschland täglich rund 700 neue Fälle hinzu.

Egal welchen Parameter man somit zur Anwendung bringt: Ob Gesamtzahl der Infektionen, aktive oder neue Fälle: Deutschland schneidet immer schlechter ab als Österreich und mehrere andere seiner Nachbarstaaten, mit denen die türkis-grüne Bundesregierung freilich ebenfalls eine schrittweise Aufhebung der coronabedingt verhängten Grenzkontrollen noch vor Beginn der Sommersaison plant.

(Quelle: APA)

Aufgerufen am 07.07.2020 um 12:07 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/grenzoeffnung-zu-deutschland-trotz-schlechterer-corona-bilanz-87497107

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