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"Handlungsbedarf" bei Fleischkennzeichnung

Bauernbundpräsident Auer will Gütesiegelprogramm Salzburg24
Bauernbundpräsident Auer will Gütesiegelprogramm

Möglicherweise steigt der politische Wille für strengere Herkunftsbezeichnungen für verarbeitete Fleischprodukte in Österreich. "Es gibt Handlungsbedarf, keine Frage", gestand ÖVP-Bauernbundchef Jakob Auer in einer Diskussion auf ORF III Donnerstagnacht ein. Während es "bei Frischfleisch dank des AMA-Gütesiegels keine Probleme gibt", gebe es "in manch anderen Bereichen Probleme".

"Wir brauchen ein staatliches Gütesiegelprogramm", forderte der grüne Landwirtschaftssprecher Wolfgang Pirklhuber. Auer sagte hingegen, es brauche eine "europäische Initiative". Bei verarbeitetem Fleisch - beispielsweise Faschiertem, Würstel - sei die "Herkunft oft nicht nachvollziehbar, auch wenn Österreich draufsteht", so Leo Steinbichler vom Team Stronach. Fleisch werde zur Verarbeitung importiert und dann komme der "AT-Stempel" drauf. Insgesamt werde "nur 13 Prozent Frischfleisch" verkauft.

Bei der Umsetzung eines Gütesiegelprogrammes solle eine unabhängige Stelle die Agrarmarkt Austria (AMA) überprüfen, forderte Pirklhuber. Dadurch soll es zu einer Abstufung zwischen "echten Siegeln und einfachen Marken" kommen, um erkennbare Unterschiede klar darzustellen. SPÖ-Agrarmann Erwin Preiner will hingegen nur die "Produktkennzeichnung evaluieren". Leo Steinbichler vom Team Stronach meinte, es sei ganz einfach: Der österreichische Genusstauglichkeitsstempel gehöre schlicht nur auf österreichische Tiere.

Harald Jannach, der Agrarvertreter der FPÖ, kritisierte eine angebliche "Intransparenz" bei Fleischimporten. Es gebe mehr Import als Export - "wo ist der Schwund?" Auch um die derzeit "nicht sicherstellbare gentechnikfreie Fütterung" (O-Ton Auer) drehte sich die Diskussion. Die benötigte Menge an Eiweißfutter ist hierzulande nicht vorhanden. Nur die Milchkühe würden gentechnikfrei gefüttert - also gibt es gentechnikfreie Milch in Österreich, "aber das bezahlt niemand", so Auer.

Rund 500.000 Tonnen Eiweiß werden aber jährlich zu Futterzwecken abseits der Milchwirtschaft importiert, etwa 200.000 Tonnen davon sind gentechnikfrei. Die Donau-Soja-Strategie sei in diesem Zusammenhang sehr wichtig, um die Importabhängigkeit zu minimieren, so der Bauernbundpräsident. Daher solle der Soja-Anbau auch als Greening-Maßnahme im Rahmen der ersten Säule der EU-Agrarpolitik GAP - den Direktzahlungen - zählen. Pirklhuber meinte, das Soja-Exportland Brasilien könne für Österreich möglicherweise ausreichend gentechnikfreies Soja anbieten.

Das Thema spielt nicht nur ins ÖVP-Landwirtschaftsressort von Andrä Rupprechter, sondern auch ins SPÖ-Gesundheitsministerium von Alois Stöger.

(Quelle: S24)

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