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"FPÖ kaputt"

Heimische Pressestimmen zur Neuwahl

Sebastian Kurz, HC Strache APA/HANS KLAUS TECHT
Österreichs Medien rechnen mit vor allem mit Strache (re.) ab.

Anders ging es nicht: Die politischen Kommentatoren in Österreichs Tageszeitungen sind sich am Sonntag einig, dass Neuwahlen nach Publikwerden des Ibiza-Videos und dem Rücktritt von Vizekanzler und FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache der einzige Weg sind. Der Schaden für das Land sei aber beträchtlich, wird beklagt.

"Der Spuk ist fürs erste vorbei", konstatiert Manfred Perterer, Chefredakteur der "Salzburger Nachrichten" (SN). "Ein Aufatmen geht durch das Land." Die Aufkündigung der Koalition sei Kurz aber "schwer gefallen".

Kronen Zeitung ist "kein Spielball"

Die "Kronen Zeitung" fokussierte in ihren Meinungsstücken vor allem auf ihre eigene Rolle im Ibiza-Video. Man sei "kein Spielball", schrieb der Geschäftsführende Chefredakteur Klaus Herrmann auf Seite zwei. "Wir verteidigen unsere Unabhängigkeit." Einige Seiten weiter hinten ergreift auch "Aurelius" wieder das Wort und beschwört "die Freiheit der Medien". Es sei nicht egal, "wem Medien gehören". Aufmerken lässt der Schlusssatz: Medien müssten "von und vor der Politik" geschützt werden - "sogar dann, wenn für die Aufrechterhaltung einer Institution, wie dem ORF, Gebühren notwendig sind." Kolumnist Michael Jeannee schließlich schrieb einen seiner Briefe an Heinz-Christian Strache, den er darin unverblümt fragte: "Wie abgrundtief kann ein Mensch sein, ohne dass man es bemerkt?"

"Österreich, wir haben ein Problem"

Der "Kurier" machte den Leitartikel des stellvertretenden Chefredakteurs Gert Korentschnig zum Blattaufmacher: "Österreich, wir haben ein Problem". Strache habe in seinem Rücktritt-Statement "eine typische Umkehr der Opfer-Täter-Rolle" betrieben. "Und wieder ist bewiesen, dass mit dieser Partei zur Zeit kein Staat zu machen ist." Das Land brauche einen Neustart, "eine völlige Katharsis". Und Bundeskanzler Sebastian Kurz "hat hoffentlich nach den notwendigerweise angesetzten Neuwahlen andere Optionen als eine Koalition mit einer Partei, deren Führer Journalisten als Huren sieht".

"Unvermeidbar" war nach Ansicht von Petra Stuiber, stellvertretende Chefredakteurin des "Standard", das Koalitionsende. "Doch dass Bundeskanzler Sebastian Kurz nach dem Skandalvideo rund um seinen Regierungspartner Heinz-Christian Strache so lange gewartet hat, die Koalition mit der FPÖ aufzukündigen, verwundert sehr." Am Ende habe der Kanzler "doch das Richtige getan. (...) Besser wäre freilich gewesen, die ÖVP und ihr Chef hätten in der Euphorie der gewonnenen Nationalratswahl 2017 gründlicher überlegt, mit wem sie sich da auf eine Koalition einlassen."

"Weiterwurschteln keine Lösung"

Mit "Es reicht!" zitiert "Presse"-Chefredakteur Rainer Nowak nicht Kurz, sondern den einstigen ÖVP-Vizekanzler Wilhelm Molterer. "Sebastian Kurz musste den riskanten Befreiungsschlag wagen. (...) Weiterwurschteln war zwar eine Möglichkeit, aber keine Lösung." Die Optionen des ÖVP-Chefs seien überschaubar, dass er "zögerte, war strategisch verständlich". Viele offene Fragen sieht Nowak, was das Video selbst betrifft. "Die Tatsache, dass es hoch professionell, aus dem Jahr 2017 ist und längere Zeit für Medien "auf dem Markt" war, ist aufklärungswürdig."

Hubert Patterer feiert in der "Kleinen Zeitung" einen "Akt der Befreiung". "Der Kanzler geht mit dem Abbruch seines türkis-blauen Regierungsprojekts ein Wagnis ein", schreibt der Chefredakteur. "Es war die richtige Entscheidung im Interesse des Landes." Das "übergeordnete Wahlziel" aller Parteien müsse nun sein: "das erschütterte Vertrauen der Bürger in die Politik, den Glauben an Anstand und Rechtschaffenheit zurückzugewinnen".

"Tristes Ende von Türkis-Blau"

Niki Fellner tauft Straches Abgang in "Straxit" um. "Strache hat FPÖ wie einst Haider kaputt gemacht", schreibt er in "Österreich", als Regierungspartner sei die FPÖ "weg vom Fenster" (...) Das türkis-blaue Projekt ist damit gescheitert." Kurz habe keine andere Wahl gehabt. Und er habe nun die Chance, "mithilfe der Stimmen der enttäuschten FPÖ-Wähler einen fulminanten Wahlsieg mit über 40 Prozent einzufahren".

Ein "tristes Ende von Türkis-Blau" erlebte Alois Vahrner, Chefredakteur der "Tiroler Tageszeitung". Er sieht auch das Image des Kanzlers "angekratzt". "Kurz hatte nur die Auswahl zwischen Pest und Cholera", räumt Vahrner ein. Selbst wenn der ÖVP-Chef einen deutlichen Zuwachs für seine Partei schaffe, bleibe ihm wohl nur die ungeliebte Option einer Koalition mit der SPÖ.

"Die FPÖ hat den Beweis erbracht, strukturell nicht regierungsfähig zu sein", stellt Walter Hämmerle in der "Wiener Zeitung" fest. Er fragt sich, welchen Weg die Freiheitlichen nun beschreiten werden: "Die Aussicht auf eine Normalisierung dieser Partei ist bescheiden. Zu wünschen wäre es dem Land trotzdem." Denn das "größte demokratiepolitische Defizit der Republik" sei, dass es kein "Wechselspiel stabiler parlamentarischer Mehrheiten jenseits der ewigen großen Koalition" gebe.

Kurz habe eingestanden, "dass sein Projekt mit der FPÖ gescheitert ist", so das Fazit von Christoph Kotanko für die "Oberösterreichischen Nachrichten". "Kurz handelt richtig. Aus heutiger Sicht ist auch er beschädigt. In drei Monaten kann das wieder anders sein."

(APA)

(Quelle: APA)

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