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Zentrum für Virologie

Nächste Influenzawelle könnte stark ausfallen

Keine natürliche Boosterung durch Viruskontakte

Auf schwache Grippewellen folgt meist starke epidemische Aktivität

Die Grippewelle blieb heuer vollständig aus.

Die wegen der Corona-Maßnahmen praktisch ausgebliebenen anderen Atemwegsinfektionen, wie die Influenza, könnten im nächsten Winter zu stärkeren Virusaktivitäten dieser Art führen.

Die Erfahrungen zeigen, dass auf sehr schwache Grippewellen meist starke epidemische Aktivitäten folgen, heißt es in der aktuellen "Virusepidemiologischen Information" des Zentrums für Virologie der Medizinischen Universität Wien. Vor allem bei Kleinkindern sind viele RSV-Infektionen zu erwarten.

Grippesaison blieb heuer aus

Heuer blieb die Grippesaison erstmals seit dem Beginn der Influenzaüberwachung in der Saison 1999/2000 in Österreich vollständig aus (SALZBURG24 hat berichtet), heißt es in der Publikation. Während des gesamten Winters wurden nur zwei Proben positiv auf Influenzaviren getestet. Die Gründe dafür sind "letztlich alle auf die Maßnahmen zur Bekämpfung der Coronavirus Pandemie zurückzuführen", betont die Virologin Monika Redlberger-Fritz darin.

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Keine Grippewelle, kein Masernfall in Österreich

Erstmals seit Jahrzehnten gab es keine Grippewelle in Österreich. Gerade einmal zwei Influenzafälle wurden von November 2020 bis heute nachgewiesen. Außerdem gibt es bislang keinen einzigen …

Keine Virusaktivität mit Beginn des ersten Lockdowns

Mit Beginn des ersten Lockdowns im März 2020 kam es zu einem massiven Rückgang der auslaufenden Influenzavirusaktivität sowie zu einem abrupten Ende der Zirkulation von humanen Metapneumoviren, Respiratorischen Synzytial Viren (RSV) und Rhinoviren. Die Rhinovirusaktivität stieg mit der Lockerung der Maskenpflicht im Sommer wieder leicht und mit Schulbeginn im September sprunghaft an. Mit der zweiten und dritten Pandemiewelle wurden alle Hygienemaßnahmen wiedereingeführt, "wodurch während der gesamten Wintersaison 2020/21 nicht nur die Zirkulation der Influenzaviren ausblieb, sondern auch keine einzige Infektion mit RSV, humanen Metapneumoviren und Parainfluenzaviren nachgewiesen wurde", erläutert Redlberger-Fritz.

Verstärkte Virusaktivität mit Wegfall der Hygieneregeln?

Es sei zu bedenken, "dass somit in der Bevölkerung keine natürliche Boosterung durch Viruskontakte stattgefunden hat. Es ist daher möglich, dass mit Wegfall der Hygienemaßnahmen eine wiedereinsetzende Virusaktivität mit einer starken epidemischen Welle einhergeht", so die MedUni-Wien-Expertin. Dies werde vermutlich für RSV zutreffen, denn die Erstinfektion erfolge meist innerhalb des ersten Lebensjahres.

Durch die ausgebliebene RSV-Aktivität hätten jedoch alle nach März 2020 geborenen Kinder keine Immunität gegen dieses Virus. RSV ist ein weltweit vorkommender Erreger, der zu Atemwegserkrankungen führt sowie akute Bronchitis bei Säuglingen und Kleinkindern verursachen kann.

Ähnliches wie für RSV wird laut Redlberger-Fritz für die Influenza gelten. Dadurch komme auch in der kommenden Wintersaison der Influenzaschutzimpfung wieder eine große Bedeutung zu. Seit dem vergangenen Jahr steht die Influenzaschutzimpfung für Kinder von sechs Monaten bis 14 Jahren gratis im Rahmen des Kinderimpfprogramms zur Verfügung.

(Quelle: APA)

Keine Grippewelle, kein Masernfall in Österreich

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Erstmals seit Jahrzehnten gab es keine Grippewelle in Österreich. Gerade einmal zwei Influenzafälle wurden von November 2020 bis heute nachgewiesen. Außerdem gibt es bislang keinen einzigen Masernfall. Das Social Distancing in Corona-Zeiten drängt Infektionskrankheiten merklich zurück.

Während die Corona-Landkarte hierzulande seit Monaten fast vollständig rot eingefärbt ist, zeigt der Blick auf die Influenza-Karte der MedUni Wien ganz Österreich in grün – was bedeutet, dass es derzeit keine Grippevirus-Aktivität gibt. Bislang wurden lediglich zwei positive Proben Anfang des Jahres in Wien festgestellt. Mehr nicht.

Influenza-Karte MedUni Wien
Die aktuelle Influenza-Situation in Österreich.

Vor gut einem Jahr hatten wir den Peak der Grippewelle gerade hinter uns gelassen. Bereits Mitte Dezember 2019 wurde nach einem explosionsartigen Fallanstieg in den Schulen die Grippeepidemie für Tirol ausgerufen, in der dritten Jänner-Woche hatten sich die Influenzaviren auf ganz Österreich ausgebreitet. Ihren Höhepunkt erreichte die Welle dann in der Kalenderwoche sechs des vergangenen Jahres mit einer Inzidenz von 2.314 registrierten Fällen pro 100.000 Einwohner. Dabei war die Altersgruppe von 0 bis vier Jahren am stärksten betroffen. Der vorherrschende Virustyp war Influenza A (H3N2), gefolgt von Influenza A (H1N1) und Influenza B.

 

Corona-Maßnahmen drängen Influenza zurück

Mit dem Auslaufen der Grippewelle wurden ab Ende Februar die ersten Fälle von SARS-CoV-2-Infektionen in Österreich gemeldet. Mit dem Lockdown Mitte März und den eingeführten Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln nahm die epidemische Influenzavirusaktivität abrupt ein Ende. Und das bis heute.

"Die Zirkulation des Influenzavirus wurde einerseits durch die geltenden Hygienemaßnahmen, andererseits durch die weltweit eingeschränkte Reisetätigkeit massiv zurückgedrängt", teilte Gesundheitsminister Rudi Anschober (Grüne) unlängst in einer Aussendung mit. "Ein zusätzlicher wichtiger Faktor sind die Schulschließungen, denn Kinder gelten bei der regionalen Ausbreitung der Grippewelle als primäre Multiplikatoren."

Letztes Jahr noch über 800 Grippe-Tote

Dass die Maßnahmen gegen das Coronavirus die Grippe derart zurückgedrängt haben, ist vor allem mit Blick auf die Mortalität besonders hervorzuheben: So war die Grippesaison 2016/2017 mit 4.400 Influenza-assoziierten Todesfällen (da die Influenza als Todesursache häufig nicht erkannt oder registriert wird, ist es internationaler Standard, dass die mit Influenza in Zusammenhang stehenden Todesfälle durch Modellierungen der AGES geschätzt werden, Anm. der Redaktion) die bislang schlimmste in Österreich. 2017/2018 gab es 2.900 Grippetote, 2018/19 rund 1.400 und 2019/20 starben 834 Menschen in Zusammenhang mit dem Virus.

Bislang kein einziger Masern-Fall

Neben dem Ausbleiben der Grippesaison ist auch die Zahl der Masernfälle in Österreich bemerkenswert: Diese liegt heuer seit Ausbrechen des Coronavirus und der entsprechenden Social-Distancing-Maßnahmen bei Null, informiert das Gesundheitsministerium auf SALZBURG24-Anfrage. „Vergangenes Jahr waren lediglich 25 Fälle zu verzeichnen und die waren in den Wochen/Monaten vor den Corona bedingten Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Danach gab es keine Masernfälle mehr und das ist bis heute so geblieben“, heißt es aus dem Pressebüro. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 wurden hierzulande insgesamt 151 Masern-Fallmeldungen registriert. In diesem Jahr hatte sich die Zahl der weltweit von Jänner mit März gemeldeten Fälle gar vervierfacht. Die WHO schlug Alarm, da die mangelnde Durchimpfungsrate wieder für einen stetigen Anstieg der Infizierten sorgte.

„Weniger Menschen sind krank“

Doch nicht nur Influenza und Masern liegen seit dem ersten Lockdown auf einem noch nie dagewesenen Niedrig-Niveau. Auch Erkältungskrankheiten und sämtliche anderen Infektionen, die durch Keime ausgelöst werden können, wurden dezimiert. Das bestätigt die Präsidentin der Salzburger Apothekerkammer Kornelia Seiwald auf SALZBURG24-Anfrage. „Wir merken sehr deutlich, dass durch die Hygienemaßnahmen und Masken-Pflicht viel weniger Menschen krank sind“, so die Apothekerin. So sei beispielsweise die Nachfrage nach Medikamenten gegen grippale Infekte „kaum vorhanden gewesen“. Stattdessen würden derzeit aber jene Präparate und Arzneimittel, die das Immunsystem stärken, einen Boom erleben.

Der Mensch als ganzheitliches Wesen

Corona zeigt uns, dass körperliche Erkrankungen wie Grippe, Masern oder andere Infektionskrankheiten durch Abstand und Hygiene eindämmbar und bei viel Disziplin auch – zumindest temporär – eliminierbar sind. Die Pandemie macht aber auch deutlich, dass der Mensch ein soziales Wesen ist und Kontakte, Nähe und Berührungen braucht. Vielleicht nicht zum Überleben, aber jedenfalls als „Grundnahrung“ für die psychische Gesundheit. So macht dauerhaftes Social Distancing zwar nicht unseren Körper, aber unsere Seele krank.

Aufgerufen am 18.06.2021 um 07:34 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/influenzawelle-im-kommenden-winter-koennte-stark-ausfallen-104330851

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