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Interview

"Glück weitergeben macht am glücklichsten"

Positive Gefühle in schwierigen Zeiten

Tipps von einem Glücksforscher. (SYMBOLBILD) PIXABAY
Glück ist ganz persönlich. 

Was ist Glück, was kann man in schwierigen Zeiten für sein Glücksempfinden tun und welche Tricks wendet ein Glücksforscher an, um sich glückliche Momente zu verschaffen? Diese und weitere Fragen beantwortet uns Glücksforscher Michael Kunze.

Seit mehr als 60 Jahren befasst sich Michael Kunze mit den Fragen, die wohl jeden von uns beschäftigen: Was ist Glück? Und wie wird man glücklich? Der Mediziner hat in den letzten Jahrzehnten unzählige Studien zur Glücksforschung gelesen und gesammelt. Nun hat er sein Wissen über das Glück gemeinsam mit der Journalistin Silvia Jelincic in einem Buch zusammengefasst.

SALZBURG24: Sie forschen ja schon einige Zeit zum Thema Glück und haben kürzlich Ihr aufgearbeitetes Wissen in dem Buch „Der Glückskompass“ veröffentlicht. Haben Sie dabei auch Antworten auf die Fragen gefunden die wir uns alle stellen - nämlich was Glück ist und wie man glücklich werden kann?

MICHAEL KUNZE: *lacht* Zunächst einmal, Antworten gibt es in der Naturwissenschaft. Wir wissen welche Prozesse im Gehirn ablaufen, wir wissen von Neurotransmittern und so weiter. Aber für Glück gibt es nicht die eine gültige Definition. Einfach, weil es etwas sehr persönliches ist, was als Glück empfunden wird. Das hängt auch von den Umständen ab. Aber es ist möglich, Glück zu fangen. Es kommt sogar sehr oft vorbei. Dann geht es nur noch darum es festzuhalten, am einfachsten indem man es sich aufschreibt, so mache ich das auch. Wenn man sich glückliche Momente aufschreibt, kann man sie wiederholen.

Welche Momente können das sein?

Es gibt natürlich Umstände, die von den meisten als glücklich empfunden werden. Hochzeiten, Geburten, Lottogewinne oder ähnliche Ereignisse. Aber auch ganz kleine Augenblicke können ein Glücksgefühl hervorrufen, etwa ein spezieller Geruch, die Erinnerung an eine bestimmte Situation oder wenn man seinen Lieblingsweg entlang geht. Es ist mittlerweile bekannt, dass uns Glücksmomente viel häufiger begegnen als wir wahrnehmen.

Was sind Ihre persönlichen Glücksmomente?

Da ich das große Glück habe, einer Arbeit nachzugehen die mich immer sehr erfüllt hat, haben viele meiner glücklichen Momente damit zu tun. Wenn ich zum Beispiel eine wahnsinnig komplizierte neurowissenschaftliche Arbeit lese. *lacht*

Wie definieren Sie als Mediziner Glück?

Unser Gehirn ist wie ein Chemiebaukasten, bestimmte Stoffe lösen bestimmte Reaktionen und Gefühle aus. So ist auch Glück ein chemischer Prozess aber das Tolle ist, dass man sich in gewisser Weise mit der Chemie seines Gehirns spielen kann und eben auch bewusst Glücksgefühle hervorrufen kann. Es wäre ja auch seltsam wenn man diese eineinhalb Kilo Pudding die unser Empfinden steuern, nicht beeinflussen könnte. *lacht* Es hängt von einem selbst ab ob man sich Glücksmomente beschert. Man muss sich nur damit beschäftigen, um herauszufinden, was man individuell tun kann, um sein Befinden positiv zu beeinflussen.

Was hat Sie dazu bewegt dieses Buch zu schreiben?

Wir haben dieses Buch in diesen speziellen und doch sehr ungemütlichen Zeiten geschrieben um vielleicht auch ein Kontrastprogramm zu schaffen. Wobei ich finde wir haben jetzt Grund froh und glücklich zu sein. Durch die Impfungen ist es absehbar, dass diese Pandemie ein Ende hat. Das kann uns glücklich machen. Wir können uns auch in diesen Zeiten Glückmomente verschaffen indem wir positiv gestimmt in die Zukunft blicken und uns vorstellen was wir machen wenn all das vorbei ist. Ich zum Beispiel, denke gerne daran was ich mir im Wirtshaus als erstes bestellen werde.

Michael Kunze Meduni Wien
Michael Kunze, der Autor des Buches.

Was würden Sie sich denn bestellen?

Ganz bestimmt ein Schnitzel und ein Soda Zitron! Das sind so Kleinigkeiten, die wir uns vorstellen und auf die wir uns freuen können. Und ich bin mir sicher, dass wir diese Pandemie überwinden können. Natürlich ist dafür noch viel zu tun aber das ist für mich persönlich ein glückliches Gefühl an die Zeiten nach Corona zu denken.

Und was kann man bis dahin, in Zeiten von Lockdown und Kontaktbeschränkungen, aktiv für das eigene Glück tun?

Glücksmomente, die es jeden Tag gibt, suchen und irgendwie festhalten. Körperliche Bewegung ist auch sehr wichtig für das Befinden, dabei werden Glückshormone ausgeschüttet, die sofort auf das Gehirn wirken und ein angenehmes Gefühl auslösen. Ein wichtiger Punkt ist auch, anderen etwas Gutes tun. Man könnte sogar sagen, wenn man im Lotto gewinnt sollte man das Geld verschenken, so wird man damit sicher am glücklichsten. Beim Glück ist es nämlich so, wenn man es weitergibt hat man am meisten davon.

Wie würden Sie „Der Glückskompass“ kurz und knapp zusammenfassen?

Wir haben keinen Ratgeber geschrieben à la „So wirst du glücklich in drei Tagen“, es steht wirklich eine Wissenschaft dahinter. Welche Strategien möglich sind, was ich tun kann um mein Glück zu fördern und aus dieser Sammlung von Vorschlägen kann man sich etwas herauspicken das für einen persönlich funktioniert.

Wie kann man das Glück langfristig festhalten?

Man muss sich natürlich bewusst sein, dass alles ein Ablaufdatum hat. Für Sie ist das jetzt noch ganz weit weg, Sie sind ja noch jung. Je älter man wird, desto knapper und kostbarer ist der Rohstoff Zeit und desto höher ist auch der Preis dafür. Das sollte man im Kopf behalten. Und man sollte immer innerhalb der eigenen Möglichkeiten denken. Sich nicht mit anderen zu vergleichen ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg ins Glück.

Danke für das Gespräch.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 20.04.2021 um 05:07 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/interview-mit-gluecksforscher-michael-kunze-glueck-weitergeben-macht-am-gluecklichsten-100504072

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