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Prozess in Kärnten

Mehr als 17 Jahre Haft nach Bombenanschlag

Komplize erhält 16 Jahre Gefängnis

Bombenanschlag: Prozess in Klagenfurt APA/PETER LINDNER
Zwei ehemalige Soldaten wurden in Klagenfurt verurteilt.

Wegen versuchten Mordes sind am Dienstag am Landesgericht Klagenfurt zwei 29-jährige Kärntner zu Haftstrafen verurteilt worden. Sie hatten im Oktober 2019 versucht, die Ex-Frau des Erstangeklagten mit einer Paketbombe zu töten. Der Ex-Mann fasste 17 Jahre und acht Monate Haft aus, er wird in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen. Sein Komplize muss für 16 Jahre ins Gefängnis.

Beide Angeklagten erbaten drei Tage Bedenkzeit. Staatsanwältin Tanja Wohlgemuth gab keine Erklärung ab. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Im Prozess hat Wohlgemuth die Verurteilung der beiden 29-jährigen Angeklagten gefordert. Der Verteidiger des Erstangeklagten, des Ex-Mannes der Frau, bat um eine niedrige Strafe und eine Einweisung: "Mein Klient ist ein psychisch schwer kranker Mann." Wie Wohlgemuth betonte, würden gleich mehrere Erschwerungsgründe vorliegen. "Habgier ist als Motiv ein besonders verwerflicher Beweggrund", sagte sie mit Verweis darauf, dass die beiden die Lebensversicherung der Frau kassieren wollten. Die Frau würde mit den schweren Dauerfolgen der Explosion ihr ganzes Leben lang zu kämpfen haben. Und außerdem sei die Tat "besonders heimtückisch" begangen worden. Die Männer hätten gewusst, dass ihr Opfer oft etwas im Internet bestellt und die Bombe deshalb als Versandpaket getarnt.

Frau überlebt Anschlag mit Glück

Neben einer Verurteilung im Sinne der Anklage forderte Wohlgemuth auch noch die Einweisung des Ex-Mannes des Opfers in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. Sie verwies auch auf das Beweisverfahren, das ergeben hatte, dass die Frau den Anschlag nur mit Glück überlebt hatte.

Angeklagter soll Chance für Neuanfang bekommen

"Mein Klient hat den Bezug zur Realität verloren", sagte Hans Gradischnig, der Verteidiger des Ex-Mannes des Opfers. Der Anklage habe er wenig entgegenzusetzen, meinte er weiter. "Entscheidend wird nun sein, dass er in eine Anstalt kommt, in der er die Chance hat, zu gesunden." Sein Mandant solle eine Chance bekommen, in seinem Leben neu anzufangen und zu beweisen, "dass das, was er jetzt gemacht hat, gegen sein normales Wesen war".

Gunther Huainigg, der Verteidiger des Komplizen, verwies auf eine Reihe von Milderungsgründen, die seinem Mandanten zugutekommen würden. So sei er bis zur Tat am 1. Oktober 2019 völlig unbescholten gewesen und er habe auch am Tag nach der Tat ein vollinhaltliches Geständnis abgelegt und auch eine teilweise Schadenswiedergutmachung geleistet. "Es ist offensichtlich, von wem die Initiative ausgegangen ist", meinte der Verteidiger mit Blick auf den Erstangeklagten.

(Quelle: APA)

Bombenleger bestreitet Mordabsichten

Bombenlegerprozess Kärnten APA/PETER LINDNER

Wegen versuchten Mordes haben sich am Montag zwei 29-Jährige vor dem Landesgericht Klagenfurt verantworten müssen. Den Männern wird vorgeworfen, am 1. Oktober 2019 eine Bombe vor der Tür der Ex-Frau des Erstangeklagten platziert und diese gezündet zu haben. Die 27-Jährige überlebte die Explosion, wurde aber schwer verletzt. Die Verhandlung wurde auf Dienstag vertagt.

Staatsanwältin Tanja Wohlgemuth beschrieb in ihrem Anklagevortrag detailliert, wie sich die Tat zugetragen hatte. So sei die zuerst glückliche Ehe des Paares nach sechs Jahren in die Brüche gegangen, der 29-Jährige sei immer wieder aggressiv gewesen. Es gab einen heftigen Sorgerechtsstreit um den gemeinsamen, heute achtjährigen, Sohn. Schließlich habe der Mann beschlossen, die 27-Jährige zu töten, um die Lebensversicherung zu kassieren, die er für seine Frau im Jahr 2017 ohne deren Wissen abgeschlossen hatte.

Komplizen 100.000 Euro versprochen

Er wandte sich an seinen besten Freund, den Zweitangeklagten - beide Männer waren in der Vergangenheit beim Bundesheer beschäftigt, der Komplize des Ex-Mannes sogar noch am Tag der Tat. Der Ex-Mann habe seinem Komplizen 100.000 Euro für seine Mitarbeit versprochen - weil dieser Geldsorgen hatte, habe er schließlich eingewilligt. Die beiden bauten eine "Probebombe", die sie im Sommer 2019 in einem Wald zündeten.

Bombe vor Wohnung platziert

Am Tag der Tat fuhren die beiden Männer mit der Bombe nach Guttaring (Bezirk St. Veit an der Glan), wo die 27-Jährige in einem Mehrparteienhaus wohnte. Sie setzten sich Perücken auf, überklebten die Nummerntafeln des Autos und trennten sich: Der Ex-Mann bezog nahe der Wohnung Stellung, er hatte einen Fernzünder für die Bombe dabei. Sein Komplize platzierte die Bombe - in einem Amazon-Paket mit Adressaufkleber der Frau - vor der Haustür und läutete bei der 27-Jährigen an.

Explosion: Frau erleidet schwere Verbrennungen

"Ich hatte schon ein komische Gefühl, als ich vor die Tür bin", sagte die 27-Jährige, die noch immer großflächige Brandnarben hat, in der Verhandlung am Montag. Sie stieß das Paket mit einem Finger an, worauf es zu rauchen begann. Die Frau rannte weg, wurde aber von der Detonationswelle erfasst. Sie erlitt schwerste Verbrennungen, lag tagelang auf der Intensivstation und musste zwölf Mal operiert werden. Nur mit Glück, so die Staatsanwältin, habe die Frau überlebt: Einerseits, weil die Zündung verzögert war, andererseits, weil sie es noch geschafft hatte, ein paar Meter weit weg zu flüchten.

Ex-Mann: "Wolle sie nur erschrecken"

Der Ex-Mann spielte die Tat in seiner Einvernahme mehrmals herunter. "Es hätte niemand verletzt werden sollen", sagte er, auch hätte die Frau gar nicht vor die Tür gehen sollen. "Ich wollte sie nur erschrecken. Es hätte nur kleschen sollen, damit sie nachdenkt, was sie da tut", spielte er auf den Sorgerechtsstreit an. Die Bombe - gefüllt mit Schwarzpulver, Benzin und Bleikugeln - hätte wie eine "Silvesterbox", die man im Geschäft kaufen kann, explodieren sollen. Überhaupt habe er nur die Bauteile bestellt, zusammengebaut habe sie sein Komplize.

Komplize: Mordanschlag geplant

Ganz anders verlief die Aussage seines Freundes. Er bestätigte, dass er für seine Mitarbeit 100.000 Euro bekommen hätte sollen. Es sei auch definitiv ein Mordanschlag geplant gewesen: "Es war ausgemacht, dass er die Bombe zündet, wenn die Frau sie in die Hand nimmt." Er bereue seine Tat und bestritt auch, dass er die Bombe gebaut habe: "Ich kenne mich ja überhaupt nicht aus mit so etwas."

Kinderpornos auf Handy entdeckt

Auf dem Handy des 29-jährigen Hauptangeklagten wurden mehr als 300 Dateien mit kinderpornografischem Inhalt gefunden. Diesen Vorwurf schied Richter Lutschounig aus dem Verfahren aus - der Angeklagte hatte nämlich eine besondere Erklärung dafür: Er habe die Kinderpornos auf dem Handy einer Lebensgefährtin gefunden und diese nur "gesichert".

Urteil am Dienstag erwartet

Die Verhandlung wurde auf Dienstag vertagt, dann soll auch das Urteil fallen. Neben Zeugenaussagen sind die Erörterungen von drei Gutachten geplant: Ein medizinischer Sachverständiger soll Auskunft über die Verletzungen der Frau geben, ein Sprengstoff-Sachverständiger über den Aufbau und die Sprengkraft der Bombe. Und auch ein psychiatrischer Sachverständiger soll zu Wort kommen - die Staatsanwaltschaft hat nämlich beantragt, den Ex-Mann des Opfers in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher einzuweisen.

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