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Kampf gegen psychosoziale Folgen der Krise

Anschober und Co über Folgen von Quarantäne und Lockdown

Das Gesundheitsministerium will sich verstärkt mit den psychosozialen Folgen der Corona-Krise beschäftigen. Dazu nahm am Freitag ein Beraterstab mit sieben Fachexperten die Arbeit auf, berichtete Ressortchef Rudolf Anschober (Grüne) bei einer Pressekonferenz.

Einer der ersten Schritte werde den Kinder- und Jugendbereich betreffen, kündigte der Facharzt für Psychiatrie Michael Musalek an. Sportliche Betätigung in Vereinen soll unter bestimmten Bedingungen wieder möglich werden.

Lösungsstrategien entwickeln

"Es wird unsere Aufgabe sein, Lösungsstrategien zu entwickeln", sagte Musalek als Leiter des Beraterstabs. Die Situation in Vereinen lasse sich kontrollieren, erläuterte der Psychotherapeut und Universitätsprofessor. Sport sei für die psychische und psychomotorische Entwicklung wichtig. "Das wird unser erstes Thema sein, aber es wird nicht nur um Sport gehen, es wird auch um Freizeitgestaltung gehen."

Kinder und Jugendliche seien ganz besonders betroffen, durch Homeschooling, den Verlust der sozialen Kontakte und das Wegfallen der sportlichen Aktivitäten, erläuterte Musalek. Überhaupt "vergessen bis jetzt" wurden laut dem Experten Lehrlinge und Studierende. Neben "jungen Menschen vor allem zwischen 16 und 30 Jahren" erwähnte die Klinische und Gesundheitspsychologin Barbara Juen von der Universität Innsbruck auch Gesundheitspersonal, Frauen sowie isolierte ältere Menschen und Personen mit psychischen Vorerkrankungen als besonders betroffen.

Psychosoziale Folgen nehmen zu

Er habe bisher schon Berater zu den psychosozialen Auswirkungen der Pandemie gehabt, erläuterte Anschober. "Wir wissen, dass die psychosozialen Folgen noch zunehmen könnten", sagte er zur Installierung des Beraterstabes rund ein Jahr nach Beginn der Ausbreitung von SARS-CoV-2 in Österreich. Nach der Frage der Betroffenheit von Kindern und Jugendlichen würden sich die Experten mit den Alters- und Pflegeheimen beschäftigen.

"Eine Infektionskrise ist immer ganz untrennbar mit einer psychosozialen Krise verbunden", sagte Musalek. Diese sei etwas später gelagert, weil wir akute Situationen gut verkraften, aber wenn die Krise länger dauert, "geht uns im wahrsten Sinne des Wortes die Luft aus". Die Suizid-Zahlen seien noch nicht hinaufgegangen, das folge üblicherweise ein, eineinhalb Jahre nach der Krise, berichtete er.

Suche nach "positiven Perspektiven"

"Wir sind momentan in der Desillusionierungsphase", sprach Juen wie auch Musalek von der schwierigsten Zeit in der Pandemie. Nach einem anfänglichen Gefühl der Angst, folge derzeit bei vielen Frustration und Machtlosigkeit. Letztere sei gefährlich, weil sie in Depressionen münden könne. Zur Nachfrage nach dem Umgang mit Teilnehmern der sogenannten Corona-Demos empfahl sie: "Ernstnehmen und jedem eine Stimme geben, nicht als blöd hinstellen. Uns reicht's allen." Die Bevölkerung müsse sich wieder "handlungsfähig fühlen" und "wieder Wirksamkeit erleben" können. "Wir müssen vom passiven Opfer zum aktiven Überlebenden werden", betonte Juen.

Nach der derzeitigen Phase müsste es um "Hoffnung" gehen. Es gehe darum, "positive Perspektiven zu finden für alle Bevölkerungsgruppen - und als Menschheit, weil es eine Pandemie ist", sagte die Expertin für Notfallpsychologie und Krisenintervention. Juen empfahl niederschwellige Angebote, die ausgebaut und unterstützt werden müssen, wie Telefonberatung. Als nächsten Schritt sprach sie Hilfe für Betroffene auf Gemeindeebene an. Österreich zeichne sich durch eine hohe Zahl von Freiwilligen aus. Bestehende Ressourcen sollten gestärkt werden. "Es muss nicht alles neu erfunden werden", sagte Juen. Zur Nachfrage nach Kritik an mangelnder psychosozialer Betreuung für Kinder und Jugendliche schon vor Corona, erklärte Anschober, das Entscheidende seien nicht finanzielle Ressourcen, sondern personelle. Es werde auch Aufgabe des Beraterstabs sein, dafür Lösungsvorschläge zu machen.

(Quelle: APA)

Rasche Hilfe für die Seele

SB: Telefonseelsorge, Seelsorge, Telefonummer 142, Land Salzburg/Sabine Steffler
Wer die Telefonnummer 142 wählt, findet rund um die Uhr Menschen, die zuhören. (SYMBOLBILD)

Lockdown, Quarantäne und Co. stellen speziell für Menschen mit psychischen Problemen eine zusätzliche Belastung dar. Unter Einhaltung aller Sicherheits- und Hygienemaßnahmen arbeitet das Team der Ambulanten Krisenintervention von Pro Mente Salzburg in vollem Umfang. Eine 24-Stunden-Hotline und drei Standorte für physischen Kontakt im ganzen Land Salzburg unterstützen Betroffene professionell und unkompliziert.

Wie akut die Corona-Krise auf die Psyche schlägt, zeigen die aktuellen Zahlen aus den Hilfseinrichtungen: Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet die Hotline der Ambulanten Krisenintervention ein Kontakt-Plus von 20 Prozent, ähnlich sieht die Entwicklung an den Standorten aus. 

Bedarf steigt in Salzburg 

Auch in der Kinder-Jugend-Seelenhilfe sind die Kontaktaufnahmen bis September um 37 Prozent gestiegen. Die Zahl der Elternberatungen der Kinder-Jugend-Seelenhilfe ist sogar um 43 Prozent höher als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Gruppentherapien können aufgrund der aktuellen Maßnahmen nicht durchgeführt werden, allerdings besteht die Möglichkeit von digitalen Beratungen. 

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(SYMBOLBILD)

Coronas Einfluss auf unsere Psyche

Angst, Einsamkeit oder der Rückfall in alte Suchtgewohnheiten. Der Lockdown und die Corona-Krise haben tiefe Spuren in der psychischen Gesundheit vieler Salzburgerinnen und Salzburger hinterlassen. …

"Alle, die mit psychischen Belastungen zu kämpfen haben, können rasch und kostenlos Hilfe erhalten", sagt LHstv. Heinrich Schellhorn (Grüne). "Diese ist nur einen Telefonanruf entfernt. Daher meine dringende Bitte: Rufen Sie an - bei Pro Mente Salzburg oder beim Psychosozialen Dienst des Landes, lassen Sie sich helfen. Sie sind nicht allein." 

Corona-Krise verstärkt Probleme

Auffällig ist, dass die Anliegen von Betroffenen nahezu unverändert geblieben sind, allerdings in ihrer Intensität zugenommen haben. "Psychische Instabilität, Stress, Ängste sowie ein gesteigertes Aggressionspotenzial sind die häufigsten Probleme in der gegenwärtigen Situation. Durch die Krise verstärken sich diese Symptome noch zusätzlich", betont Alfons Riedlsperger vom Verein Pro mente und fügt hinzu: "Unser kriseninterventives Angebot muss gerade jetzt in vollem Umfang erhalten bleiben. Um Betroffenen Sicherheit und Stabilität zu vermitteln, ist ein direkter Kontakt mit Therapeuten unverzichtbar. Selbst auf weitere Verschärfungen von Maßnahmen sind wir so gut wie möglich vorbereitet."

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Die Corona-Krise kann auch unser Seelenheil verletzen.

Wie wirkt sich Corona auf unsere Psyche aus?

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Hilfe bei psychischen Problemen 

Pro Mente 24-Stunden-Hotline, jeweils Montag bis Sonntag von 0 bis 24 Uhr:

  • Salzburg: 0662 433351 
  • Pongau: 06412 20033 
  • Pinzgau: 06542 72600 
  • Kinder-Jugend-Seelenhilfe: 0662 880524-123 und via E-Mail

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