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Verstärkte Kontrollen

Massiver Anstieg bei Drogenlenkern

KFV warnt vor unterschätztem Risiko im Straßenverkehr

Das Fahren unter Drogeneinfluss ist ein ernstzunehmendes Sicherheitsproblem auf Österreichs Straßen. 4.364 Fahrzeuglenker wurden hierzulande im Jahr 2019 aufgrund von Suchtgift am Steuer angezeigt. Die Dunkelziffer sei weiterhin hoch. Deshalb forderte das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) bei einem Pressegespräch in der Stadt Salzburg ein treffsicheres System für die künftige Verkehrssicherheit.

Mehr als 4.300 Fahrzeuglenker konnte die Exekutive im Jahr 2019 wegen Fahrens unter Drogeneinfluss aus dem Straßenverkehr ziehen. Das ist ein Plus von 44,9 Prozent zum Vorjahr. Im Land Salzburg wurden 59 Delikte zur Anzeige gebracht. "Unsere Polizistinnen und Polizisten haben in den letzten Jahren die Intensität der Schwerpunktkontrollen erhöht", erklärt Friedrich Schmidhuber, Leiter der Landesverkehrsabteilung in Salzburg.

Mehr Kontrollen im Land Salzburg

"Darüber hinaus wurden intensive Schulungen durchgeführt, um Beamtinnen und Beamte auf der Straße praxisnah in der Detektion von Drogenlenkern auszubilden." Die Salzburger Polizei werde auch in Zukunft die Intensität der Kontrollen bei Alkohol- und Drogendelikten weiter erhöhen, so Schmidhuber. "Wir brauchen mehr Kontrollen, mehr Equipment, ausgebildete Beamte und eine geänderte Rechtslage", sagte er. So gebe es in Österreich lediglich an die 40 Speichelvortestgeräte, in Salzburg waren es zuletzt drei.

Warum Drogen so gefährlich sind

Bei Drogenlenker-Anzeigen handelt es sich übrigens um ein Kontrolldelikt. Das heißt, je mehr Kontrollen durchgeführt werden, desto mehr Anzeigen fallen auch an.

 

Klar ist: Drogen beeinträchtigen die Wahrnehmung, Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit und sind eine erhebliche Gefahr im Straßenverkehr. "Der Einsatz von geeigneten Drogenvortest-Geräten ist neben dem operativen Einsatz von Ärzten und einer verbesserten Ausbildung von Exekutivbediensteten eine wichtige Maßnahme gegen Drogen am Steuer und somit ein wesentlicher Schritt für die Verkehrssicherheit", sagt Klaus Robatsch, Leiter der Verkehrssicherheitsforschung im KFV.

Rund 80 Prozent der im Vorjahr angezeigten Drogenlenker hatten übrigens Cannabis konsumierte. Allerdings werde das durch den stark gestiegenen THC-Gehalt zunehmend zum Problem, sage der Verkehrspsychologe Rainer Kastner am Freitag. Zudem falle verstärkt der Mischkonsum ins Gewicht - nicht nur mit Alkohol, sondern auch, um von Substanzen wie Amphetaminen, Speed oder Kokain nach dem Kick wieder herunter zu kommen.

Höheres Risiko für Drogenlenker

"Unfälle unter Drogeneinfluss sind in den meisten Fällen besonders schwere Unfälle, bei welchen immer wieder unschuldige Menschen schwer verletzt oder getötet werden", ergänzt KFV-Verkehrspsychologe Rainer Kastner. "Drogenlenker haben ein bis zu zehn Mal höheres Risiko bei einem Unfall schwer verletzt oder getötet zu werden als ein nüchterner Lenker".

Dass die Gefahr, die von Drogen im Straßenverkehr ausgeht, stark unterschätzt wird, zeigt eine Dunkelfeldstudie des KFV: Hochgerechnet rund 177.000 Menschen österreichweit gaben dabei an, ein Fahrzeug gelenkt zu haben, obwohl sie (noch) unter Drogeneinfluss standen. "Es ist wichtig die Zahl der Drogenlenker zu reduzieren. Zur Erreichung dieses Ziels muss ein treffsicheres System geschaffen werden, wie es bei Alkohol schon seit Jahren besteht", so Robatsch.

Drogen im Straßenverkehr

Seit mehr als drei Jahren gilt in Österreich die Speichelvortestgeräte-Verordnung des Bundesministeriums für Inneres (BMI). Drogen am Steuer können somit durch Drogenvortest-Geräte erfasst werden. Diese analysieren anhand von Speicheltests chemische Drogenhauptgruppen, darunter Opiate, Kokain, Methamphetamine oder Amphetamine. Ist der Speicheltest positiv, hat ein Amtsarzt die Beeinträchtigung festzustellen. Seitens des Innenministeriums seien derzeit keine Drogenvortest-Geräte flächendeckend vorgesehen, weshalb das KFV eine umfassende Reform zur Drogendetektion im Straßenverkehr fordert.

 

Internationale Forschungsergebnisse zeigen, dass rund vier Prozent der Lenker in Europa am Straßenverkehr teilnehmen, nachdem sie Drogen oder Medikamente eingenommen haben. In Österreich lag die Zahl der Entzüge aufgrund von Suchtgiftbeeinträchtigung in den Jahren 2012 bis 2014 bei weniger als 1.000 pro Jahr, während die Zahl der Entzüge aufgrund eines Alkoholdelikts das 40-fache oder mehr betrug. 

(Quelle: SALZBURG24)

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