Jetzt Live
Startseite Österreich
Mehr Eigenverantwortung

"Eine Alm ist kein Streichelzoo"

TikTok-Challenge für Köstinger unverantwortlich

Kuh, Alm, SB APA/DPA/KARL-JOSEF HILDENBRAND
Im Umgang mit Almtieren werden Wanderer zu mehr Eigenverantwortung aufgerufen. (THEMENBILD)

Nach mehreren Fällen von unachtsamen Umgang mit Almtieren hat Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) Gäste zu mehr Eigenverantwortung aufgerufen. Besonders die jüngste TikTok Challenge, wo Nutzer bewusst Kühe erschrecken oder Eltern ihre Kinder auf Kühe zum Reiten setzen, bezeichnete die Ministerin als "absurd und vollkommen unverantwortlich".

Die damalige Regierung hatte bereits im Vorjahr nach dem "Kuh-Urteil" in Tirol die Gesetzeslage geändert und die Eigenverantwortung der Gäste auf Almen gesetzlich festgeschrieben.

 

"Eine Alm ist kein Streichelzoo"

"Jeder, der eine Alm besucht oder durchwandert, muss wissen: Das ist kein Streichelzoo und auch kein Abenteuerspielplatz. Es gibt klare und sehr einfache Verhaltensregeln, die sicherstellen, dass Mensch und Tier nicht gefährdet werden und die Almen weiterhin für Gäste geöffnet bleiben können", so Köstinger. Auf der Seite www.sichere-almen.at sind die zehn Alm-Regeln zusammengefasst und auch in kurzen Videos anschaulich erklärt.

300.000 Rinder im Sommer auf Almen

Derzeit gibt es in Österreich rund 8.000 bewirtschaftete Almen, 25.000 landwirtschaftliche Betriebe treiben Vieh auf. 300.000 Rinder verbringen den Sommer auf den Almen, dazu kommen noch 100.000 Schafe, 10.000 Pferde und 11.000 Ziegen. "Ich appelliere an Vernunft und Hausverstand der Gäste. Die Almen sind Lebensraum der Tiere und Arbeitsplatz der Almbäuerinnen und –bauern. Ein gutes Miteinander ist nur möglich, wenn sich alle an die Regeln halten", so Köstinger.

(Quelle: APA)

Pinzgauer Bauer riegelt Alm ab

Im Pinzgau sorgt derzeit ein Landwirt für Aufregung. Der Mann hat den Weg zu seiner Alm am Talschluss des Rauriser Krumltals mit einer massiven Barriere aus Holz versperrt. Dabei beruft er sich auf das Tiroler Kuh-Urteil. Alpenverein und Naturschutzbund laufen gegen das Tor Sturm und orten einen massiven Eingriff in das Wegerecht. Allerdings besteht Hoffnung, dass sich die Wogen glätten.

"Privatweg" und "Durchgang ausnahmslos verboten" ist auf einem Schild an der Sperre zu lesen. Und: "Angesichts des jüngst ergangenen Erkenntnisses des Obersten Gerichtshofes (Kuhattacke auf der Alm) sehe ich mich nicht länger im Stande, ein unversehrtes Durchqueren meines hier beginnenden Almgrundstückes zu gewährleisten."

Um die körperliche Unversehrtheit wirksam schützen zu können, sei das Betreten und Durchqueren der Liegenschaft ohne Ausnahme untersagt. Jede Missachtung werde mit einer Besitzstörungsklage verfolgt.

Offenbar Vorfall mit Urlaubern auf Alm

Der Landwirt war für die APA mangels Handyempfang auf der Hochalm zunächst nicht erreichbar, seinem Entschluss zur Sperre dürfte aber ein konkreter Vorfall vorangegangen sein. So sollen Urlauber aus Deutschland ein Kind auf ein Kalb gesetzt haben, offenbar war auch ein Hund mit im Spiel. Die Mutter wollte darauf ihr Kalb verteidigen, das Ganze ging aber glimpflich aus.

Tiroler Kuh-Urteil: Pinzgauer Bauer riegelt Alm ab APA/ÖSTERREICHISCHER ALPENVEREIN/GEORG REITER
Ein Landwirt hat den Weg zu seiner Alm am Talschluss des Rauriser Krumltals mit einer massiven Barriere aus Holz versperrt. 

Die Vorsitzende des Salzburger Alpenvereins, Brigitte Slupetzky, sagte nach einem Treffen mit dem Mann am Freitag zur APA, dass die Wegefreiheit in dem Gebiet unbedingt gewahrt werden müsse. Zwar ende der offiziell ausgewiesene Wanderweg vor der Alm, Routen auf benachbarte Berge führen aber über das Gebiet. "Die Sperre darf auf keinen Fall zum Präzedenzfall werden. Das wäre ein furchtbares Signal - denn andere Landwirte oder Jäger könnten dem Beispiel folgen."

Pinzgauer Bauer reagiert auf Kuh-Urteil

Das Gesprächsklima mit dem Grundbesitzer sei jedoch gut gewesen. "Ich habe den Eindruck, dass er das der Not gehorchend gemacht hat, aber vielleicht nicht bedachte, was er auslöst. Er hat gesagt, er möchte Rechtssicherheit haben, wenn seine Kühe gereizt werden. Dann würde er die Barriere wieder abbauen."

Auch der Rauriser Bürgermeister Peter Loitfellner (SPÖ) zeigte sich nach einem Telefonat mit dem Landwirt optimistisch, eine Lösung zu finden. "Wir leben alle vom Tourismus. Das Gebiet ist mit seinen Geiern und Steinböcken ein wunderbarer Ausgangspunkt für Wanderer." Für die Bauern sei die Situation aber auch nicht immer einfach. "Die Almwirtschaft hat sich verändert, heute herrscht vor allem Mutterkuhhaltung vor. Da müssen sich Wanderer schon an ein paar Regeln halten."

Aufgerufen am 17.04.2021 um 12:38 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/koestinger-mahnt-zur-eigenverantwortung-beim-umgang-mit-almtieren-89818099

Kommentare

Mehr zum Thema