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"Wird noch lange arbeiten"

Kogler sieht keine Probleme zwischen Türkis-Grün

Nach Anschober-Rücktritt

Im ZIB2-Interview bestätigte Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) die gute Zusammenarbeit der Koalition und geht von einer langen Beständigkeit aus.

Vizekanzler Werner Kogler hat nach dem Rücktritt von Gesundheitsminister Rudolf Anschober (beide Grüne) betont, dass die Zusammenarbeit in der türkis-grünen Koalition gut funktioniere. "Wir arbeiten in der Bundesregierung gut zusammen, auch in allen anderen Bereichen" (abseits der Pandemie, Anm.), sagte Kogler am Dienstagabend in der ZiB2 des ORF.

Kogler versichert gute Zusammenarbeit

Dass Anschober bei seinem Abschied am Dienstag zumindest indirekt Konflikte mit der ÖVP thematisierte, als er von "erheblichen Mühlen", von "Parteitaktik" und "Populismus" sprach (ohne die ÖVP explizit zu nennen), wollte Kogler nicht überbewerten. Dass es teils unterschiedliche Zugänge gegeben habe, sei klar - "die musste man unter einen Hut bringen". "Die wirkliche Frage ist doch, wie gehandelt und entschieden wird. Und ja, da hat es durchaus auch anstrengende Arbeitstage, gar nicht so wenige Arbeitsnächte gegeben. Ich darf Ihnen versichern, es ist immer von beiden Seiten auf Konsens gearbeitet und verhandelt worden."

Koalition wird noch lange halten

Angesprochen auf zuletzt schlechtere Umfragewerte der Koalitionsparteien und gefragt, wie hoch die Chance ist, dass die Koalition noch fünf Jahre lang hält, sagte Kogler, die Wahrscheinlichkeit dafür sei nahe bei 100 Prozent. "Ich gehe davon aus, dass diese Koalition wirklich noch lange arbeiten wird, am besten die ganze Legislaturperiode."

Gerüchte, wonach sein Kabinettschef Stefan Wallner als Generalsekretär in das Gesundheitsministerium zurückkehren könnte, wies Kogler klar zurück: "Nein, das stimmt nicht."

(Quelle: APA)

Gesundheitsminister Rudi Anschober tritt zurück

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Dienstag, 13. April 2021, während einer "Persönlichen Erklärung" in Wien APA/ROLAND SCHLAGER
Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) bei seiner persönlichen Erklärung am Dienstag, 13. April 2021.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) gab heute eine persönliche Erklärung ab. "Ich bin überarbeitet und ausgepowert", erklärte Anschober und verkündete seinen Rücktritt.

"Mir ist teilweise die Kraft ausgegangen, ich habe Kreislaufprobleme, steigende Blutdruck- und Zuckerwerte. Vor einem Monat hatte ich einen Kreislaufkollaps", erklärt Anschober am Dienstag. Er habe sich überarbeitet, denn seit Monaten habe er keinen einzigen freien Tag gehabt.

Anschober: "Ausgepowert und überarbeitet"

Nach seinem Kollaps sei er in Spitalsbehandlung gewesen, wollte es dann noch einmal versuchen. Spekulationen über ein Burnout wies Anschober entschieden zurück, denn er wisse ganz genau, wie sich ein solches anfühlt. "Ich bin überarbeitet und ausgepowert." 

Mit Rücktritt "Notbremse ziehen"

Vor genau einer Woche sei dann der zweite Kollaps erfolgt und Anschober merkte, dass er für sich eine Notbremse ziehen müsse. Weil die Republik in der Krise einen Gesundheitsminister brauche, der voll einsatzfähig ist, könne er keine Auszeit nehmen. Bis Montag soll Vizekanzler Werner Kogler die Geschäfte führen, dann soll sein Nachfolger angelobt werden. Dieser dürfte heute bei einer Pressekonferenz um 12 Uhr von Kogler präsentiert werden. Auch hier berichten wir für euch LIVE.

Mückstein Favorit in Anschober-Nachfolge

Als Favorit gilt der Mediziner und Ärztekammer-Funktionär Wolfgang Mückstein, wie die APA aus Regierungskreisen erfuhr. Vizekanzler Werner Kogler dürfte die Personalia schon um 12 Uhr bei einer Pressekonferenz klären. Allgemeinmediziner Mückstein ist einer der Leiter des Primärversorgungszentrums im sechsten Wiener Gemeindebezirk. In der Wiener Ärztekammer fungiert der Mit-Vierziger als Referent für Gruppenpraxen und neue Organisationsformen.

Seit 14 Monaten durchgearbeitet

Er habe seit 14 Monaten praktisch durchgearbeitet, und "ich hab mich dabei ganz offensichtlich überarbeitet", erklärte Anschober mit brüchiger Stimme in einer rund halbstündigen Pressekonferenz Dienstagvormittag im Ministerium. Zunehmend sei ihm die Kraft ausgegangen, als Folgen seiner Überlastung habe er mit Kreislaufproblemen, steigendem Blutdruck, Probleme mit dem Blutzuckerspiegel und einem beginnenden Tinnitus zu kämpfen gehabt. Vor einem Monat hatte Anschober den ersten Kreislaufkollaps, über den er auch offen gesprochen habe, denn "für Erkrankungen braucht sich niemand schämen".

Nachdem er keine organischen Schäden davongetragen hatte, wollte er es noch einmal versuchen, schilderte Anschober. Der zweite Kollaps folgte jedoch vergangenen Dienstagmorgen. "Ich hab gemerkt, da muss ich jetzt für mich eine Notbremse ziehen." Ein Burnout wie vor mehreren Jahren habe er diesmal nicht, betonte Anschober. "Ich bin überarbeitet und ausgepowert – das ist es."

Ärzte raten zur Schonung und Auszeit

Die Ärzte hätten ihm zur Schonung und einer Auszeit geraten, und er sei auch der Meinung, dass dies grundsätzlich in jedem Beruf möglich sein müsste - aber in der Corona-Pandemie sei man eben nicht in einer normalen Situation. Die Pandemie mache keine Pause, deshalb könne auch der Minister keine Pause machen. Da er sich selbst kenne, wisse er auch, dass er stets 100 Prozent Leistung bringen wolle, auch wenn er nur zur Hälfte fit sei.

Er habe sich deshalb entschlossen, seine Funktion als Minister niederzulegen und Bundespräsident Alexander Van der Bellen gebeten, ihn mit kommendem Montag zu entbinden und einen Nachfolger anzugeloben. Bis dahin werde er von Kogler vertreten. Er wolle nun eine gute Übergabe sicherstellen, betonte Anschober.

Für die Zeit nach seiner Erholung habe er "noch keine konkreten Pläne". Er werde sein Wissen und seine Kompetenz aus jahrelanger Regierungstätigkeit - Anschober war früher Landesrat in Oberösterreich - weitergeben. Auch wolle er "irgendwann" seinen Traum erfüllen und einen politischen Roman schreiben. Dafür habe er in seiner Zeit als Minister wohl "die eine oder andere Inspirationsquelle" gefunden.

Anschober kämpft am Ende der Pressekonferenz mit Tränen

Am Ende seines emotionalen Statements bedankte sich Anschober mit den Tränen kämpfend bei seiner Partnerin, seinen Mitarbeitern, dem grünen Regierungsteam und dem grünen Klub sowie Werner Kogler, "meinem Freund". Dank sprach Anschober auch all jenen Menschen aus, die ihm Mails, Briefe, Blumen und Mehlspeisen geschickt haben. "Und Ihnen sag' ich Auf Wiedersehen", verabschiedete sich Anschober bei den Journalisten und verließ unter Applaus seiner Mitarbeiter den Saal. Fragen waren nicht zugelassen.

LIVETICKER zum Nachlesen

Salzburger Stadträtin Berthold als Anschober-Nachfolgerin?

Über mögliche Nachfolger wird bereits in verschiedenen Medienberichten spekuliert. Genannt worden sei auch die Salzburger Stadträtin Martina Berthold. 

Aufgerufen am 21.09.2021 um 01:44 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/kogler-sieht-keine-probleme-zwischen-tuerkis-gruen-102413119

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