Jetzt Live
Startseite Österreich
Leichenfund in Tirol

Prozess gegen 74-Jährigen gestartet

Der Angeklagte bekannte sich zu Prozessbeginn nicht schuldig

Im Fall einer bei Flurreinigungsarbeiten in Fritzens in Tirol im April des Vorjahres entdeckten Leiche hat sich am Dienstag am Landesgericht Innsbruck ein 74-Jähriger wegen Mordes verantworten müssen. Der Beschuldigte soll laut Anklage im Frühjahr 2016 seinen 75-jährigen Bekannten durch sechs heftige Schläge mit einem massiven Gegenstand gegen den Kopf getötet haben.

Der Angeklagte bekannte sich zu Prozessbeginn nicht schuldig. Im Laufe des Ermittlungsverfahrens habe der 74-Jährige jedoch mehrere Versionen des Tatgeschehens geliefert, sagte Staatsanwalt Hannes Wandl in seinem Eröffnungsplädoyer. Zunächst habe er alles abgestritten, dann habe man jedoch DNA-Spuren des Beschuldigten gefunden. In der zweiten Version sprach der Angeklagte laut Staatsanwalt von einem Drogengeschäft, im Zuge dessen es zu einem Streit gekommen sei und er das Opfer getötet habe. Bei einer späteren Tatrekonstruktion behauptete der 74-Jährige schließlich, den 75-Jährigen in Notwehr getötet zu haben.

Leiche in Waldstück vergraben

Erst vergangene Woche habe der Angeklagte schließlich einen Brief mit einer vierten Version verfasst. Bei dieser Version des Geschehens blieb der Angeklagte auch vor Gericht. Und zwar habe er das spätere Opfer zu einem Drogengeschäft mit drei anderen Personen gefahren, behauptete er. Im Zuge dessen sei es zu einem Streit gekommen und zwei der Personen töteten schließlich den 74-Jährigen. In Panik habe er dann die Leiche in einem Waldstück begraben. Das Opfer sei sein bester Freund und wie ein Bruder für ihn gewesen, erklärte der Angeklagte.

Testament als Motiv?

Als Motiv sah die Staatsanwaltschaft ein Testament des Opfers, indem dem Beschuldigten sowohl eine Wohnung als auch 60.000 Euro vererbt werden sollten. Dieses Testament wurde jedoch später abgeändert, so dass der 74-Jährige leer ausging. "Die Staatsanwaltschaft hat kein Motiv, sondern versucht eines zu konstruieren", meinte Verteidiger Markus Abwerzger. Denn der Angeklagte habe erst im Zuge der Ermittlungen von dem geänderten Testament erfahren. Zudem gebe es kein einziges stichhaltiges Beweismittel für die Täterschaft seines Mandanten.

Leiche in Plastiksack verpackt

Die Leiche war am 30. April des vergangenen Jahres in der Nähe eines Fußballplatzes bei Flurreinigungsarbeiten entdeckt worden. Sie steckte in einem Plastiksack, der oberflächlich eingegraben und mit Ästen bedeckt war. Eine DNA-Analyse bestätigte Wochen später, dass es sich bei dem Toten um einen seit Juli 2016 als abgängig gemeldeten Tiroler handelt. Für die Ermittler war das Opfer "kein Unbekannter", hieß es, hatte die Justiz doch in den 1980er- und 1990er-Jahren zahlreiche Verfahren gegen den Mann wegen Eigentums-und Suchtmitteldelikten geführt. Ein Urteil wurde für den späten Nachmittag erwartet.

(APA)

(Quelle: APA)

Aufgerufen am 21.07.2019 um 09:36 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/leichenfund-in-tirol-prozess-gestartet-68535049

Kommentare

Mehr zum Thema