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Liederbuch-Affäre

FPÖ stellt sich hinter Zanger

Die FPÖ ist vor der Landtagswahl in der Steiermark durch ein Liederbuch mit antisemitischen und neonazistischen Texten schwer in Bedrängnis geraten. Trotz Rücktrittsforderungen der restlichen Parteien stellten sich die Freiheitlichen am Donnerstag demonstrativ hinter ihren Abgeordneten Wolfgang Zanger, der Mitglied der betroffenen Verbindung "Pennales Corps Austria zu Knittelfeld" ist.

Das Liederbuch mit dem Titel "Liederliche Lieder" war der "Kronen Zeitung" zugespielt worden. Es dürfte als Geschenk der Burschenschaft "Cheruskia" an die Knittelfelder Burschenschaft weitergegeben worden sein. Ein Exemplar landete auch bei Zanger zu Hause, wie er selbst betonte. Bei der Burschenschaft selbst soll das Liederbuch nicht mehr aufliegen. Das Werk enthält Textzeilen wie "Heil Hitler, ihr alten Germanen, ich bin der Tacitus", eine Abwandlung der Bundeshymne mit den Worten "Land der Nehmer, Land der Geber, Land der Kriecher, Land der Streber" und Beleidigungen der jüdischen Bankiers-Familie Rothschild.

Zanger distanziert sich nicht

Zanger selbst stellte sich am Donnerstag als "Feind Nummer 1" dar. Er werde sich jedoch nicht von dem Liederbuch distanzieren, weil er es nicht geschrieben habe. Distanzieren könne man sich nur von etwas, zu dem man auch eine Nähe habe, sagte er. Weggeben wollte er das Buch jedenfalls nicht - "weil mir die Person, die es mir damals gegeben hat, etwas wert ist".

Die Partei stärkte ihrem Nationalratsabgeordneten demonstrativ den Rücken. Die FPÖ Steiermark, die in knapp drei Wochen bei der Landtagswahl um eine Regierungsbeteiligung kämpft, distanzierte sich lediglich deutlich von dem Buch: "Die in den Medien publizierten Passagen sind widerlich und werden von den Freiheitlichen kategorisch abgelehnt. Dass ein solches Schriftstück drei Wochen vor der Wahl auftaucht, hat System und dient nur einem Zweck: Der FPÖ zu schaden und sie in ein schiefes Licht zu rücken."

FPÖ ortet "Schmutzkübel-Kampagne"

In dieselbe Kerbe schlug auch die Bundes-FPÖ. Von der Parteispitze war am Donnerstag zwar keine Stellungnahme zu erhalten, aber die FPÖ schickte Generalsekretär Harald Vilimsky in den Ring, um Zanger zu verteidigen. Die FPÖ bezeichnete die steirische Liederbuch-Affäre als "durchsichtige Schmutzkübel-Kampagne" vor der Wahl. "Dieses Manöver ist mehr als durchsichtig, plump und nur darauf ausgerichtet, der FPÖ einen politischen Schaden zuzufügen", erklärte Vilimsky in einer Reaktion.

Ganz anderer Meinung waren da die restlichen politischen Parteien. ÖVP, SPÖ, Grüne und NEOS forderten Zanger zum Rücktritt auf. ÖVP-Obmann Sebastian Kurz nannte die Liedtexte "extrem widerlich". SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner forderte FPÖ-Parteiobmann Norbert Hofer auf, endlich klar gegen Nationalsozialismus und Antisemitismus aufzutreten und sein Durchgriffsrecht zu nutzen.

Die Grünen nahmen die Affäre zum Anlass, die Distanzierung der FPÖ von rechtsextremem Gedankengut erneut als "wenig glaubhaft" zu bezeichnen. Auch die NEOS forderten den Rücktritt Zangers und verurteilten die "scheinheiligen Ausflüchte der Freiheitlichen". Ex-EU-Mandatar Andreas Mölzer (FPÖ) nannte die aufgetauchten Texte keine "Verherrlichung" von NS-Gedankengut, sondern eine "Sammlung von Spott, Schmäh- und Trinkliedern verschiedensten Inhalts". Auch Mölzer ist Mitglied der Verbindung "Pennales Corps Austria zu Knittelfeld", kenne das Buch aber nicht, sagte er.

Folgen für Zanger in Steiermark?

Welche Konsequenzen die Affäre für Zanger und die steirische FPÖ hat, ist unklar. ÖVP-Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer sieht nun den steirischen FPÖ-Chef Mario Kunasek am Zug. "Es besteht Handlungsbedarf", ließ er seinem möglichen Koalitionspartner ausrichten.

Kunasek wiederum zeigte sich "erstaunt" über diese Aussagen. Die FPÖ wertete Schützenhöfers Aufforderungen als "Heuchelei oder schiere Unkenntnis über das eigene Liedgut". Die Textzeilen des Liedes "Es lagen die alten Germanen" wurden laut Medienberichten nämlich auch in Liederbüchern des Mittelschüler-Kartell-Verbands (MKV) gefunden. Schützenhöfer ist Ehrenmitglied in zwei Verbindungen, die zum MKV gehören.

Der Sprecher der steirischen Korporationen hat am Donnerstagabend in einem Statement betont, die Lieder seien "in einem historischen Zusammenhang zu sehen". "Sie wurde als Persiflage auf die Deutschtümelei geschrieben und sind längst abgelegter Teil der studentischen Geschichte", betonte Korporations-Sprecher Wolfgang Auf in einer Stellungnahme gegenüber der APA.

"Jedenfalls werden diese Lieder bei den steirischen Burschenschaften und Corps nicht gesungen. Und ich hoffe, beim MKV ist es ebenso", verwies Wolfgang Auf darauf, dass eines der Lieder auch in alten Liederbüchern des Österreichischen Cartellverbands gefunden wurde, in dem auch der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer Mitglied ist.

(Quelle: APA)

Aufgerufen am 09.12.2019 um 05:46 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/liederbuch-affaere-fpoe-stellt-sich-hinter-wolfgang-zanger-78552256

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