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Literaturnobelpreis

Heimische Presse über Peter Handke

15 Jahre nach Elfriede Jelinek hat Österreich mit Peter Handke wieder einen Literaturnobelpreisträger. Nachfolgend ausgewählte österreichische Pressestimmen zum Nobelpreis für Handke:

DER STANDARD:

"Diese Auszeichnung [...] geht an keinerlei Politik, sie geht an den Suhrkamp-Autor Peter Handke für sein dichterisches Werk, für seine Sprachkunst und Sprachsensibilität, dessen Gesamtausgabe mehr als unglaubliche 11.000 Seiten umfasst. Man könnte auch sagen, die Schwedische Akademie ist an dem Schriftsteller Handke nicht vorbeigekommen. Vollkommen zu Recht: Handkes autobiografisches Schreiben - das hat er mit der ebenso frisch gekürten polnischen Schriftstellerin Olga Tokarczuk gemeinsam - bürgt für den genauen Blick und die Suche nach Präzision in der Sprache, es steht für die Einordnung des Subjekts in unsere Welt und die Gesellschaft. Hier ist seit Jahrzehnten ein rastloser Beobachter am Werk, ein ungeheurer Menschenfreund, auch wenn er sich dieser Zuschreibung mit unbequemen öffentlichen Äußerungen stets entzieht. Mit Peter Handke hat die Schwedische Akademie eine Entscheidung für einen großen Künstler getroffen, der sich gegen jede Vereinnahmung verwahrt."

DIE PRESSE:

"Einige von Peter Handkes vielen, vielfältigen, erlesenen Werken zählen längst zur Weltliteratur, er ist darin eine ganz eigene Stimme. Sie scheint von Dauer zu sein. Natürlich war es traurig, dass sich dieser Dichter im Dickicht des Balkans verirrt hat, doch das sollte kein ausreichender Ausschlussgrund für eine Altenehrung in Stockholm sein. (...) Peter Handke hat den Preis verdient, er ist zumindest ein halber Jahrhundert-Dichter. Andere seines Formats gingen erneut leer aus. Margaret Atwood, Ngugi wa Thiong'o, Thomas Pynchon, Anne Carson, Maryse Conde, Gerald Murnane, Friederike Mayröcker . . . aber das ist eine andere Geschichte."

KURIER:

"Peter Handke macht es niemandem leicht. Mit einer 'Publikumsbeschimpfung' hob seine Karriere gleich einmal an. Und in den Jahrzehnten seither verflüchtigte sich der Autor in eine Art ungreifbares Literaturwesen, das Nähe nur dort zulässt, wo sie völlig ungefährlich ist - im Kleinsten, im Detail, im unüberschaubar Langsamen. (...) Es gibt jedoch kaum etwas, das sich mehr gegen eine späte Verbrüderung sperrt als Handkes Werk. Triumphgeheul - eine "Ohrfeige für die politische Korrektheit" -, die freudige Rückeingemeindung, das rasche Nachdrucken sanftester Betrachtungen für schnelles Geld, das passt nicht. Freude ist angebracht, aber eine fragende, voller Zwischentöne und Stolpersteine. Für ein genuin österreichisches Werk, das aus Nähe entstanden ist und eben diese nicht erträgt."

SALZBURGER NACHRICHTEN:

"Der Preis für Peter Handkes Werk ist ein Triumph des wohlgewählten, bedächtig abgewogenen Wortes - egal ob er es aus Zorn formuliert oder als stiller Naturbeobachter oder manchmal auch als hingebungsvoll Hingerissener. Dieser Nobelpreis ist eine Entscheidung für einen Blick, der hinter allzu leicht geglaubte, massenhaft verkaufte sogenannte Wahrheiten fällt. Handke erfüllt - selbst oder gerade auch im umstrittenen Auftreten während des Kriegs auf dem Balkan - eine große Aufgabe: Seine Literatur provoziert uns, andere Sichtweise zu erkennen - egal ob man diese dann teilen mag. Wahrheiten und Wirklichkeiten gibt es ja viele."

KLEINE ZEITUNG:

"Im Verlauf von weitaus mehr als fünf Jahrzehnten errichtete Peter Handke mit immenser Vorstellungskraft einen Wortpalast, kolossal und doch fragil, transparent und doch rätselhaft, angesiedelt am Rande der Niemandsbucht, umsäumt vom Wald mit dem Dingsda und der schroffen Sierra de Gredos. (...) Peter Handke ist ein Monument in der Literaturlandschaft, an dem man sich auch heftig reiben kann. Seinem 'Spiel vom Fragen' fügte er durch seine politischen Essays einige Fragwürdigkeiten hinzu. Gestern jedenfalls wurde sein 'Versuch über den geglückten Tag' Realität."

WIENER ZEITUNG:

"Es ist gut, dass sich die Jury nicht von ihrem schmählichen Aussetzer im Vorjahr beeinflussen hat lassen oder von kleingeistigen Erwartungen, wie sie jetzt zu handeln habe. Denn das unterstreicht, was die Auswahl für den Literatur-Nobelpreis nie sein sollte: ein Spielball politischer Korrektheit. So gesehen hat sich die Akademie heuer besonders hinausgewagt mit der Wahl Handkes. Denn eine harmlose, politisch korrekte Entscheidung ist das keineswegs. Während sich am Donnerstag die offiziellen Reaktionen in Euphorie noch überschlugen, regte sich auf Sozialen Medien schnell Kritik. Denn seit Mitte der 1990er wird Handke die Verharmlosung serbischer Kriegsverbrechen vorgeworfen. (...) Handke wird nicht prämiert wegen, sondern trotz seiner diskussionswürdigen Einstellung zu Serbien. Der Literatur-Nobelpreis soll das herausragende, einflussreiche literarische Schaffen eines Künstlers belohnen, er soll vor den Vorhang holen, wer Sprache als Abenteuer versteht und vermittelt - wer will diese Leistung Handke absprechen?"

(Quelle: APA)

Aufgerufen am 16.10.2019 um 05:38 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/literaturnobelpreis-heimische-presse-ueber-peter-handke-77520151

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