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Öffnungsschritte

Kurz legt sich bei Lockerungen nicht fest

Sieben-Tages-Inzidenz von über 200 erwartet

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat sich am Freitag nicht festgelegt, ob es vor Ostern weitere Lockerungen geben wird. Über Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne), der sich am Vortag angesichts der Prognosen der Epidemiologen "alarmiert" gezeigt hat, sagte Kurz: "Wir divergieren hier nicht".

Der Kanzler erklärte, er wolle nicht täglich über die Infektionszahlen philosophieren und für Verunsicherung sorgen. "Niemand kann eine Prognose abgeben."

Weitere Öffnungsschritte werden Mitte März diskutiert

Kurz verwies darauf, regelmäßig mit Experten und den Ländern zu beraten. Wie es mit Gastronomie, Tourismus, Sport und der Kultur weitergeht, soll das nächste Mal am 15. März besprochen werden. Die betroffenen Branchen sind seit Anfang November 2020 geschlossen.

Sieben-Tages-Inzidenz von über 200 erwartet

Am Donnerstag vorgestellte Daten des "Covid-Prognose-Konsortiums" lassen für die nächsten Woche (10. März) eine österreichweite Sieben-Tages-Inzidenz von 228 erwarten. Anschober hatte angesichts der Zahlen vor einer "Wiederholung des Herbstes" gewarnt und die für vor Ostern in Aussicht gestellten Öffnungsschritte, etwa für Gastgärten, offengelassen.

(Quelle: APA)

Anschober alarmiert wegen düsterer Corona-Prognose

SB: Anschober, Gesundheitsminister, Corona, APA/GEORG HOCHMUTH
Gesundheitsminister Rudi Anschober (Grüne).

Die aktuellen Daten des "Covid-Prognose-Konsortiums", die in der nächsten Woche (10. März) eine österreichweite 7-Tages-Inzidenz von 228 vorhersehen, stimmen Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) "alarmiert". Am Donnerstagabend erneuerte die Ampel-Kommission die Warnung bezüglich der Ausbreitung der Pandemie.

Die Situation, mit der fast bundesweit dominanten, ansteckenderen britischen Variante (B.1.1.7) und den entsprechend steigenden Fallzahlen erinnere Anschober an den vergangenen Herbst. Ob die möglichen Öffnungsschritte gesetzt werden, evaluiere man bis 15. März.

Ampel-Kommission erneuert Warnung

Die Ampel-Kommission hat in ihrer wöchentlichen Sitzung die Warnungen bezüglich der Ausbreitung der Corona-Pandemie erneuert. Sobald die Sieben-Tagesinzidenz höher als 200 pro 100.000 Einwohner liegt, sollten Lockerungsschritte gegebenenfalls zurückgenommen werden. Allerdings werden unter Berücksichtigung der psychosozialen Gesundheit die erweiterten Sportmöglichkeiten für Jugendliche begrüßt. Auch wären Schulschließungen nur die "Ultima Ratio".

Was die Farbgebung der Ampel angeht, bleibt Österreich eine weitere Woche als Gesamtstaat rot. Vorarlberg hielt von den Bundesländern wie vorige Woche als einziges den Orange-Status, was allerdings auch noch immer hohes Risiko bedeutet. Warum Vorarlberg derzeit am besten da steht, dürfte damit zusammenhängen, dass es nach Angaben der Kommission das einzige Bundesland ist, in dem die neuen infektiöseren Varianten, allen voran die britische, noch nicht dominant ist. Die Experten gehen davon aus, dass der in Österreich zu beobachtende Fallanstieg stark mit der Varianten-Verbreitung assoziiert ist.

Anschober: "Pandemie in der Pandemie"

Vor allem B.1.1.7 müsse als "Pandemie in der Pandemie" betrachtet werden, so Anschober in einer Online-Pressekonferenz. Während man mit den bisherigen Eindämmungsmaßnahmen die Ausbreitung des "Wildtyps" im Griff habe, sei das bei B.1.1.7 anders, so der Geschäftsführer Gesundheit Österreich GmbH, Herwig Ostermann.

Die aktuellen Daten weisen darauf hin, dass sich die effektive Reproduktionszahl (R) beim Wildtyp unter dem neuralgischen Wert von eins hält. Man könne die ursprüngliche Variante also gut unter Kontrolle halten. Bei der britischen SARS-CoV-2-Variante liege dieser Wert in Österreichschnitt um 23 Prozent höher. Demnach steckt im Durchschnitt ein nachweislich mit B.1.1.7-Infizierter mehr als eine zusätzliche Person an, sagte Ostermann.

Mehr Infektionen nicht nur wegen mehr Tests

Entgegen mancher Vermutungen sei der aktuelle Fallzahlenanstieg nicht den zuletzt deutlich ausgebauten Testkapazitäten geschuldet: Man habe es mit einem "tatsächlichen Anstieg" des Infektionsgeschehens zu tun, der auch auf die Krankenhäuser durchzuschlagen drohe. Bis zum 17. März prognostiziert das aus Forschern vom Complexity Science Hub Vienna, der Medizinischen Universität Wien, der Technischen Universität Wien, dem Team um Niki Poppers Firma dwh und anderen Institutionen bestehende "Covid-Prognose-Konsortium", dass sich rund 1.500 Personen mit Covid-19 in Normalpflege befinden werden. Bis Mitte des Monats seien demnach auch rund 420 Personen in Intensivbehandlung zu erwarten (derzeit knapp über 300, Anm.). Es gelte daher "möglichst rasch eine entsprechende Trendumkehr zu schaffen", betonte Ostermann.

Anschober über konstante Zuwächse besorgt

Der Gesundheitsminister warnte angesichts dieser Zahlen vor einer "Wiederholung des Herbstes". Die heute verzeichneten 2.324 Neuinfektion seien "sehr viel" - ebenso die zuletzt fast konstanten Zuwächse um über 2.000 Infektionen täglich, so Anschober. Am 10. März würde man laut der Prognose bei 3.200 zusätzlichen Fälle pro Tag landen.

SB: Coronavirus pixabay
(SYMBOLBILD)

2.324 Corona-Neuinfektionen am Donnerstag

2.324 Corona-Neuinfektionen binnen der vergangenen 24 Stunden wurden heute, Donnerstag, in Österreich registriert. Das gab das Gesundheitsministerium an. In Salzburg kommen 142 neue Fälle dazu.

"Das Ruder zeigt leider in falsche Richtung", so der Minister. Gelinge es nicht, die Zahlen zu senken oder zumindest zu stabilisieren "droht eine dramatische Situation". Die Frage, ob man unter derartigen Umständen die am Montag in Aussicht gestellten Öffnungsschritte im Laufe des Monats tatsächlich gehen könne, ließ Anschober offen. Am 15. März werde evaluiert.

Bis dahin werde müsse man "alles daran setzen, dass sich der vergangene November nicht wiederholt". Die Voraussetzungen dafür seien nicht zuletzt durch die kommenden wärmeren Temperaturen und die Impfungen, bei denen man jetzt mehr Tempo machen könne, dieser Tage jedoch deutlich besser als noch im Herbst.

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