Jetzt Live
Startseite Österreich
Mailverkehr mit Attentäter

SPÖ und JETZT vermuten Warnungen an Sellner

Die SPÖ und die Liste JETZT verlangen nach Bekanntwerden von weiteren E-Mails zwischen Identitären-Chef Martin Sellner und dem rechtsextremen Attentäter von Christchurch Aufklärung durch das Innenministerium. Vor allem Berichte, wonach Sellner die Mails wenige Stunden vor der Hausdurchsuchung bei ihm gelöscht habe, seien "höchst aufklärungswürdig", meinte SPÖ-Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda.

"Es fällt mir angesichts der engen Verbindungen zwischen der FPÖ und den Identitären schwer, hier an einen Zufall zu glauben", sagte Drozda in einer Aussendung am Mittwoch. "Ich fordere FPÖ-Innenminister (Herbert, Anm.) Kickl auf, dringend aufzuklären, ob Sellner möglicherweise vor der Hausdurchsuchung gewarnt wurde", so Drozda.

"ÖVP/FPÖ bis zum Hals in Identitären-Problem"

Die jüngsten Enthüllungen zu den Verbindungen zwischen Sellner und dem Christchurch-Attentäter würden zeigen, "dass die ÖVP/FPÖ-Regierung bis zum Hals im Identitären-Problem steckt". "Wir wissen, dass es seit Jahren enge personelle, organisatorische und ideologische Verflechtungen zwischen der FPÖ und den Identitären gibt, die bis ins Umfeld von Ministerkabinetten reichen und Einfluss auf die Regierungspolitik haben", so Drozda.

Drozda kritisiert Kickl

Kritik übte Drozda an den Aussagen von Kickl, wonach die Vermutung, dass Sellner Teil eines rechtsextremen Netzwerks sein könnte, nichts Neues sei: "Obwohl Sellner für das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung dringend tatverdächtig ist, Mitglied eines international agierenden rechtsextremen Netzwerkes zu sein, stellt sich der FPÖ-Innenminister hin und leugnet die Gefahr. Wenn Kickl bei Rechtsextremen Entwarnung gibt und wörtlich von 'nichts Neuem' spricht, wissen wir, dass in Sachen Sicherheit Feuer am Dach ist", sagte der SPÖ-Geschäftsführer.

Auch JETZT-Mandatar Peter Pilz sieht den "Verdacht" erhärtet, "dass die Hausdurchsuchung bei Sellner im März 2019 verraten worden sein dürfte". Dies würden "Akten, Zeugenaussagen und eigene Recherchen von Peter Pilz im Innenministerium" bestätigen, erklärte der Abgeordnete in einer Aussendung und kündigte eine parlamentarische Anfrage an Kickl an.

Kickl verweist auf laufende Ermittlungen

Zuvor hatte Innenminister Kickl in Bezug auf die bekannt gewordenen Mails, laut denen Identitären-Chef Martin Sellner dem späteren Christchurch-Attentäter ein Treffen angeboten hat, auf die laufenden Ermittlungen verwiesen. Die Vermutung, dass Sellner Teil eines rechtsextremen Netzwerks sein könnte, sei nichts Neues, darauf fußten die Ermittlungen schließlich.

"Die Ermittlungen sind jetzt am Laufen, dann wird es zu einer abschließenden Beurteilung kommen", sagte Kickl vor dem Ministerrat. Da sich die Reiseaktivitäten des späteren Attentäters nicht auf Österreich beschränkt haben, brauche es eine Kooperation mit den neuseeländischen Behörden. Ein entsprechender Informationsaustausch sei seines Wissens geplant.

Kickl: In Causa wird "gründlich ermittelt"

In Bezug auf mögliche Auflösungen von Vereinen der Identitären verwies er auf die Landespolizeidirektionen Oberösterreich und Steiermark, die dafür zuständig seien. Eine "persönliche Einschätzung" wollte er nicht abgeben. Diese sei nicht relevant. Der Innenminister versicherte jedenfalls, dass in der Causa "gründlich ermittelt wird".

Der rechtsextreme Attentäter von Christchurch und Identitären-Chef Martin Sellner könnten mehr Kontakt gehabt haben als bisher angenommen. Wie die "ZiB 2" am Dienstag berichtete, haben der Identitären-Chef Martin Sellner und der spätere rechtsextreme Attentäter von Christchurch mehr als nur ein Email ausgetauscht. Sellner hat dem Mann, der später in zwei Moscheen 50 Menschen getötet hatte, auch angeboten, sich auf einen Kaffee oder ein Bier zu treffen, wenn er mal in Wien sei.

1.500-Euro-Spende an Sellner

Der Australier hatte Sellner im Jahr 2018 über 1.500 Euro gespendet. Nach dem Anschlag im März 2019 führte das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) eine Hausdurchsuchung bei Sellner durch und leitete ein Verfahren wegen des Verdachts der Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung ein.

Sellner räumte ein, vom Attentäter eine Spende erhalten zu haben und sich per E-Mail dafür bedankt zu haben. Er habe aber keinen Kontakt zu dem 28-jährigen Attentäter gehabt und ihn auch nie getroffen. Er hätte sich aber mit dem Mann auf einen Kaffee getroffen, wenn dieser ihn angeschrieben hätte, als er in Österreich war, sagte Sellner nach Bekanntwerden der Spende.

Das wird in den nun publik gewordenen Email bestätigt. Darin schreibt Sellner laut "ZiB" dem Australier: "Wir sollten auf einen Kaffee oder Bier gehen, wenn du in Wien bist."

(APA)

(Quelle: APA)

Aufgerufen am 23.05.2019 um 04:29 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/mailverkehr-mit-attentaeter-spoe-und-jetzt-vermuten-warnungen-an-sellner-70276669

Kommentare

Mehr zum Thema