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Bankenskandal

Fake-Kredite bei Mattersburg Bank schon vor 1992

Bericht bezieht sich auf Geständnis von Martin Pucher

Mattersburg Bank, Commerzialbank Mattersburg, APA/ROBERT JAEGER
Der Fortbetrieb der Mattersburger Commerzialbank wurde untersagt.

Die Malversationen in der Commerzialbank Mattersburg, die nach einem Bilanzfälschungsskandal in Konkurs ist, sollen schon vor 1992 begonnen haben und damit früher als bisher angenommen. Dies berichtete am Freitag das ORF-Morgenjournal unter Hinweis auf ein Einvernahmeprotokoll mit einem Geständnis von Ex-Bankchef Martin Pucher vom 30. Juli.

Vor 1992 - also als die Bank noch zu Raiffeisen gehörte - habe es höchstens ganz einzelne Fake-Kredite gegeben, später sei es um zig Millionen für den SV Mattersburg gegangen und um Bargeld für Kreditnehmer - für deren marode Betriebe, wo dann wiederum Rechnungen fingiert worden seien, wo Scheinumsätze entstanden seien. Die Bank habe damit frühere Kredite selber nicht verloren.

Unrechtmäßiges Geld ging an SV Mattersburg

Seit 1992 habe er grob geschätzt 40 Mio. Euro unrechtmäßig entnommen, dieses Geld sei zur Gänze an den SV Mattersburg geflossen, so Pucher laut dem zitierten Einvernahmeprotokoll. An Firmen habe es zudem Bargeld gegeben.

Übergaben hätten größtenteils in der Bank, aber auch bei ihm zu Hause, in der Firma oder auf einem Parkplatz gegeben. Pucher belastet auch seine damalige Stellverteterin in der Bank. Sie hätte Bargeldbeträge teilweise selbst in die Hand bekommen und Verschleierungshandlungen getätigt, so Pucher laut Protokoll. Einer der laut ORF-Radio im Einvernahmeprotokoll genannten vier begünstigten Kreditnehmer sei Aufsichtsrat der Bank gewesen.

Keine Fragen beim SV Mattersburg

Beim SV Mattersburg habe er bezüglich der 40 Millionen auch gelogen, und erklärt, es handle sich um Sponsorgelder. Aus seiner Sicht habe beim SV niemand erkannt, woher das Geld kommt, wird Pucher zitiert. Jedenfalls habe ihn niemand danach gefragt. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Insider-Tipps schon 2015

Ein Informant aus der Mattersburger Commerzialbank hat sich im Jahr 2015 mit Tipps zu den Malversationen an die Behörden gewandt. Das war bereits bekannt. Nun gibt es weitere Details zu den Hinweisen. Der Mann oder die Frau meldete sich am 2. Juli 2015 schriftlich bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA). Der Informant wies die Behörden auf die Unregelmäßigkeiten in der Bank hin. "Vorstandsvorsitzender Martin Pucher schafft seit Jahren Millionen zur Seite. ... Dieses Geld wird verwendet ... im Fußballverein Mattersburg ... sowie zur persönlichen Bereicherung." Über die weiteren Details zu den Whistleblower-Tipps berichtete zuerst der ORF Burgenland und in weiterer Folge die "ZIB" und das Ö1-"Morgenjournal" des ORF-Radio.

Pucher soll mit internen Codes gearbeitet haben

Der Informant beschrieb wie der damalige Commerzialbank-Chef Pucher vorging: "Zu diesem Zweck hat er falsche Konten angelegt. Die lauten zwar auf den Namen von physischen ... Personen. Diese haben jedoch keine Ahnung ... und wissen auch nicht, dass 'ihre' Konten heillos überzogen sind ... mit 6- oder 7-stelligen Beträgen". Er wies außerdem darauf hin, dass diese Fake-Konten zwei besondere Merkmale hätten: Die Familiennamen seien in Großbuchstaben geschrieben, während die normalen immer klein geschrieben werden und die ersten beiden Ziffern der Kontonummer seien immer 58 - versteckte, interne Codes, von denen einige Bankmanager Kenntnis hätten.

Anonyme Vorwürfe nicht verifziert

Die WKStA reagierte am Folgetag und verlangte weitere Auskünfte zu den "falschen Konten". Er habe leider keine präzise Zahl, schrieb der Whistleblower. "Es sollte doch mit meiner Information ein Leichtes sein, ... die Konten zu finden und die 'Kontoinhaber' zu kontaktieren?", so der Tippgeber. Der Schriftverkehr zwischen der Staatsanwaltschaft und dem Informanten ging einige Male hin und her. Die Staatsanwaltschaft gab dann diese Informationen an die Finanzmarktaufsicht (FMA) weiter. Die FMA und die OeNB-Bankprüfer konnten damals die anonymen Vorwürfe nicht verifizieren.

(Quelle: APA)

Aufgerufen am 16.04.2021 um 02:31 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/mattersburg-bank-fake-kredite-schon-vor-1992-91778086

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