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Lebenslang

Mit 68 Messerstichen Frau getötet

MORDPROZESS, Wels, Bad Schallerbach APA/LAUMAT.AT/MATTHIAS LAUBER
Der Prozess startete Donnerstagfrüh.

Ein 45-jähriger Kroate, der am 5. März 2018 seine von ihm getrennt lebende Frau in Bad Schallerbach mit 68 Messerstichen getötet haben soll, ist am Donnerstag im Landesgericht Wels wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, der Angeklagte erbat sich Bedenkzeit.

Nachdem sich das Paar getrennt hatte, ist die 48-Jährige zu Verwandten nach Bad Schallerbach in Oberösterreich gezogen. Dort lebte sie allein in einer Wohnung in einem Mehrparteienhaus. Im März des Vorjahres stand der in Kroatien lebende Ehemann dann plötzlich bei ihr vor der Tür, um "noch einmal mit ihr über alles zu reden", so die Anklage. Im Zuge dieser Unterredung war es in den früheren Morgenstunden dann zu der Bluttat gekommen.

Nachbarn verständigten Polizei

Nachbarn hörten aus der Wohnung des Opfers Schreie und verständigten die Polizei. Als die Beamten eintrafen, öffnete der Tatverdächtige die Türe. Für die Frau kam jede Hilfe zu spät, der Mann ließ sich widerstandslos festnehmen. Seitdem sitzt er in Wels in U-Haft. Die Staatsanwaltschaft erhob Mordanklage. Der Kroate ist geständig, verweist aber auf Erinnerungslücken.

68 Stichverletzungen

Hintergrund der Tat war die Trennung des Paares. Der Angeklagte hatte die Scheidung eingereicht, aber nur weil er gehofft habe, dass seine Frau dann zu ihm zurückkomme, wie er dem Gericht erklärte. Die Gattin habe mit ihm reden wollen, aber nicht gesagt worüber. Daher sei er mit einem geliehenen Auto von Kroatien nach Bad Schallerbach gefahren. Dort kam es dann zu der Tat.

Der Salzburger gerichtsmedizinische Sachverständige Fabio Monticelli beschrieb die Wunden der Opfers: 68 Verletzungen durch stumpfe Gewalt, großteils Stiche in den Hals- und Brustbereich. Mehrere Organe und zentrale Blutgefäße wurden verletzt. Der Todeskampf dürfte mehrere Minuten gedauert haben, schätzt er.

Die psychiatrische Gutachterin Adelheid Kastner bescheinigte dem Angeklagten, dass er gewusst habe, was er tut: "An der Zurechnungsfähigkeit zum Tatzeitpunkt besteht kein Zweifel." Die Wahrscheinlichkeit, dass er Ähnliches wieder machen würde, sei aber nicht groß. Denn die Tat habe eine "längere konfliktreiche Vorlaufzeit" gehabt.

"Fakten gekonnt ignoriert"

Typisch für den Angeklagten sei, dass er in Gesprächen ausweiche und immer wieder andere Varianten präsentiere, erklärte Kastner. Das hatte das Gericht bei der Einvernahme auch feststellen müssen. "Es gibt wenige Menschen, die Fakten so gekonnt ignorieren können", so die Psychiaterin. Würden die Fakten aber einmal unleugbar am Tisch liegen, komme es zu Aggressionen.

Seine Erinnerungslücken könne sie nicht beurteilen, aber "der Wechsel des Erinnerungsumfangs lässt den Schluss zu, dass das etwas ist, das er steuert". Denn normalerweise würden einfach bestimmte Teile der Erinnerung ausgestanzt. Der Angeklagte hatte aber in unterschiedlichen Einvernahmen immer wieder unterschiedliche Erinnerungslücken präsentiert.

(APA)

(Quelle: APA)

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