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Schlechte Stimmung

Plan für Nachtgastro bis Ende nächster Woche

Anschober reagiert erstmals mit Zeitpunkt

Hush Hush, City Beats SALZBURG24 Veliz-Delgado
Vertreter der Nachtgastronomie fordern immer vehementer einen Aufsperrplan ein. (SYMBOLBILD)

Zuletzt hat es immer mehr Lockerungen von Coronaregeln gegeben. Doch die Nachtklubs haben immer noch keine Perspektive, wie es mit ihnen weiter geht. Deren Vertreter fordern immer vehementer einen Aufsperrplan ein. Die Branche fühlt sich von der Regierung im Stich gelassen, manch ein Unternehmer sogar "papierlt". Jetzt nennt Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) erstmals einen Zeithorizont.

Es soll "bis Ende nächster Woche" so weit sein, hieß es am Freitag auf Anfrage der APA. Zuvor war Kritik von Nachtgastronomen gekommen, die sich im Stich gelassen fühlen. Es gehe um einen "pragmatischen Weg in Balance mit dem Gesundheitsschutz", hieß es aus dem Gesundheitsministerium. "Dazu werden aktuell auch internationale Modelle geprüft."

Freitagvormittag hatte die ÖVP bei dem Thema den Ball an den grünen Regierungspartner weitergespielt. Dort wiederum sprach man von "konstruktiven Gesprächen" mit Vertretern der Nachtgastronomie.

Nachtgastro-Sprecher mit Kritik

"Jeden Tag gibt es in ganz Österreich 'illegale' Partys und wir dürfen nicht aufmachen", kritisiert der Sprecher des Verbands der österreichischen Nachtgastronomen, Stefan Ratzenberger. "Auch ein Partytourismus startet bereits - etwa in die Slowakei. Dort darf bis 4 Uhr früh offen sein, in der Schweiz bis 6 Uhr."

Fall der Corona-Sperrstunde gefordert

So starten ab Wien bereits günstige Busse nach Bratislava, die Partytiger nach der Sperrstunde auch wieder zurückbringen, so Ratzenberger. Grundsätzlich wollen die Nachtgastronomen, dass sie wie vor Corona wieder aufsperren dürfen, "den sofortigen Fall der Corona-Sperrstunde". Die jetzige Sperrstunde von 1 Uhr in der Früh sei "wirtschaftlich nicht darstellbar. Viele haben Betriebsstättengenehmigungen ab 22 Uhr", so Ratzenberger im Gespräch mit der APA.

Nachtgastronomen können sich Corona-Paket vorstellen

Die Nachtgastronomen würden aber auch einen Kompromiss eingehen: "Wir würden uns verpflichten, gestaffelt aufzusperren und ein Covid-19-Paket umzusetzen", sagt deren Sprecher. Ab 1. August würde man mit 50 Prozent der eigentlichen Gästehöchstzahl starten und bis 4 Uhr öffnen, ab 1. September mit 75 Prozent der Gäste und bis 6 Uhr und ab 1. Oktober sollte wieder Normalbetrieb (100 Prozent der Gäste bis 6 Uhr in der Früh) herrschen, so Ratzenberger.

Betreiber wollen E-Mail-Listen erstellen

Darüber hinaus würden die Discobetreiber und Co am Eingang - auf freiwilliger Basis - E-Mail-Adressen sammeln: "Wenn etwa die Hälfte der Gäste - auch mit anonymen E-Mail-Adressen, ohne Telefonnummern, Namen oder Wohndressen - darauf eingehen würde, könnte man gut informieren, falls etwas geschieht. Denn die Leute würden sich sicher auch untereinander weiterinformieren", so der Nachtklub-Sprecher. "Nach etwa drei Wochen - Stichwort Inkubationszeit - würden wir die Listen wieder löschen."

Dazu würde man "Coronabeauftragte" in den Betrieben installieren, die auf die Hygienevorschriften für die Mitarbeiter achten und Desinfektionsmittel zur Verfügung stellen. "Mundschutz auf der Tanzfläche geht nicht", so Ratzenberger. "Da fallen uns die Leute um."

"Illegale Partys" auch in Salzburg

Die Nachtgastronomen argumentieren auch mit "illegalen Partys" und Menschenansammlungen etwa am Wiener Donaukanal, bei der Mur in Graz oder auf dem Rudolfskai in Salzburg. "Da kann man überhaupt nichts nachvollziehen, wenn es einen Ausbruch gibt." Ihre Wünsche haben sie beim Gesundheitsministerium von Rudolf Anschober (Grüne) und beim Tourismusministerium von Elisabeth Köstinger (ÖVP) deponiert, so Ratzenberger.

Schlechte Stimmung in der Branche

Die Stimmung in der Branche ist denkbar schlecht. "Es ist nur mehr eine Farce", sagt etwa Martin Ridler vom Innsbrucker "Tante Emma"-Club zur APA in Richtung der Politik. Man fühle sich von der Regierung im Stich gelassen, ja sogar "papierlt".

Dass es nun bald eine "Hintertüre" mit geschlossenen Veranstaltungen für 100 Leute ohne Coronasperrstunde gibt, könne von kleinen Klubs zwar genutzt werden, so der Nachtklubsprecher. 72 Stunden vorher muss eine solche Feier - gedacht etwa für Hochzeiten - mit der Gästezahl angemeldet werden. "Wir wollen uns aber nicht auf eine Rechtslücke stützen, um die Nachtgastronomie wieder hochzufahren. Wir erwarten uns ein Bekenntnis der Bundesregierung zu Nachtgastronomie", verweist Ratzenberger auf die wirtschaftliche Bedeutung der Branche.

(Quelle: APA)

Nachtgastro glaubt nicht an Öffnung vor 2021

Party im Lux Club Salzburg SALZBURG24/SCHRÖCKER

Bei vielen Bars und Clubs bleiben die Türen noch länger geschlossen. Die Nachtgastronomen hängen in der Luft, an ein Aufsperren noch heuer glauben sie nicht, ergab ein S24-Rundruf in Salzburg. Die Hoffnung auf einen Fahrplan der Regierung ist weiter aufrecht.

Ausgelassen tanzen und feiern zur Lieblingsmusik – das wird in Salzburgs Bars und Clubs wohl noch länger nicht möglich sein. „Wir hängen total in der Luft, weil wir keinen Fahrplan haben, wo für uns die Reise hingeht“, erklärt Martin Sönmezay, Betreiber des Club Half Moon und der Humboldtstubn (öffnet am Freitag, Anm. ), im Gespräch mit SALZBURG24.

Erst am Freitag hat Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) betont, dass man bereits an Lösungen für die Nachtgastronomie arbeiten würde. Einen Zeitplan nannte sie nicht.

"Gewinne werden wir keine machen"

Die positive Stimmung, die noch am Anfang der Krise herrschte, sei mittlerweile verflogen. Alle Mitarbeiter des Half Moon musste man entlassen. Sie hätten aber eine Wiedereinstellungsgarantie bekommen. Trotz eines guten Polsters haben sich Sönmezay und sein Geschäftspartner Michael Kalhammer auch mit einer möglichen Schließung des Clubs auseinandergesetzt. Selbst wenn sie wieder aufsperren dürfen rechnet Sönmezay in den „nächsten zwölf Monaten mit einem Minus.“

„Gewinne werden wir keine machen“, ist sich auch Franz Grubinger sicher. Er betreibt in der Gstättengasse das Flip und den Soda Club, auch das Restaurant Flavour gehört ihm. Trotzdem ist er positiv gestimmt, denn Flip und Flavour können ab Freitag wieder öffnen. Einziger Wehmutstropfen: Einen Teil der Mitarbeiter könne man derzeit nicht einsetzen: „Nachdem wir nicht bis fünf Uhr früh öffnen dürfen, brauchen wir nur die Hälfte.“

Bald ist es so weit! ????????

Gepostet von Flip - Salzburg am Mittwoch, 6. Mai 2020

Nachtgastronomie fordert Klarheit von Regierung

Das Hauptgeschäft mache man in der Nachtgastronomie in der Zeit von 22 bis 6 Uhr. „Eine Öffnung mit den derzeit erlaubten Zeiten bringt für uns nichts“, schildert Stefan Ratzenberger, Sprecher der Nachtgastronomie in Österreich, gegenüber S24. Er appelliert an die Regierenden, Planungs- und Finanzierungssicherheit für die Branche zu schaffen.

 

"Zuwarten hat viele an Rand der Existenz gebracht"

Sönmezay übt außerdem Kritik an der finanziellen Unterstützung der Regierung. Bis jetzt habe man davon nichts bekommen, obwohl schon vor Wochen beantragt wurde. Ebenso habe man einen Überbrückungskredit aufgenommen.

Anders sieht das Grubinger. „Wir bekommen jede Menge Unterstützung“, betont er. Selbst habe er zwar noch nichts beantragt, „aber ich gehe davon aus, dass wir das bekommen werden. Da wird einiges getan für uns.“

Die Zahlungen werden für einige jedoch zu spät kommen, befürchtet Sönmezay. „Das Zuwarten hat viele schnell an den Rand ihrer Existenz gebracht.“

Notlösung für Clubs und Diskotheken?

Vor einem Teilaussterben der Nachtbranche warnt auch Konstantin Schmelz im Telefonat mit S24. Er ist Veranstalter in Salzburg, organisiert unter anderem Events für Nachtclubs. „Wir denken, dass wir als letzte wieder öffnen dürfen, das ist existenzgefährdend.“ Er weist darauf hin, dass die Schließung der Clubs andere Branchen ebenso betreffe: Sicherheitsdienste, Getränkelieferanten, Putzpersonal oder auch Technikfirmen seien davon abhängig.

Eine Notlösung wäre für Grubinger, den Soda Club mit Eintrittsbeschränkung aufzumachen. Statt 300 dürften dann nur 100 Besucher feiern. Ratzenberger schlägt für kleinere Bars eine Lösung mit Stehtischen vor. Auch eine maximale Anzahl an Besuchern und Temperaturmessungen am Eingang seien vorstellbar.

Der Sprecher befürchtet eine Verlagerung: „Die jungen Leute werden sich das feiern nicht verbieten lassen, das findet dann unkontrolliert in Privaträumen statt.“

Burger statt Clubfeeling

Einige Lokale haben sich bereits einen Plan B überlegt. Im „Johnnys“ gibt es ab Freitag Burger und Cocktails (SALZBURG24 hat berichtet). Das „Watzmann“ hat sich mit dem „Daimlers“ zusammengetan: Im Gastgarten werden ab 17 Uhr ebenfalls Burger serviert. Diesen Weg geht auch die Rössl Bar im oberösterreichischen Mondsee (Bez. Vöcklabruck). „Die 'Situation Corona' trifft uns mit voller Härte", schildern die Eigentümer Ronny Pestel und Julia Schlamberger. Sie betonen: „Für die meisten Diskotheken macht es keinen Sinn unter den derzeitigen Auflagen zu öffnen, da mit 23.00 das Nachtleben erst beginnt.“ Bei ihnen gibt deshalb Burger, Wraps und Cocktails.

Das Johnnys | The Castle of Emotions geht in Zeiten der Corona-Krise neue Wege. Ab Freitag werden hausgemachte Burger und Cocktails serviert ????????

Gepostet von SALZBURG24 am Montag, 11. Mai 2020

"Das wäre ja dann wie in Ischgl"

Die Clubs und Diskos werden in diesem Jahr nicht mehr aufsperren dürfen, ist sich Grubinger sicher: „Völlig zurecht, weil das wäre ja dann wie Ischgl.“ Aber: „Wir stehen das durch und wir sperren wieder auf. Auch, wenn es erst Mitte nächsten Jahres ist.“

Aufgerufen am 10.07.2020 um 09:31 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/nachtgastronomen-bekommen-erstmals-konkreten-zeitplan-89382805

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