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Natur 2019

Goldfisch ist "Eindringling des Jahres"

Goldfisch Bilderbox
Goldfische können innerhalb kürzester Zeit erheblichen Schaden in Ökosystemen bewirken.

Mit der Ernennung zur "Natur des Jahres 2019" will man auf die Gefährdung von Tieren und Pflanzen und den Verlust ihrer Lebensräume hinweisen. Aber auch ausgesetzte Tiere können erheblichen Schaden in Ökosystemen anrichten. Wir geben euch einen Überblick.

Fast alle Blütenpflanzen hierzulande kennt die "Rostrote Mauerbiene", denn sie sammelt nach Belieben von da und dort ihre Pollen und trägt damit bei vielen verschiedenen Arten zur Bestäubung bei. Sie spielt daher bei der Verbreitung der Wildpflanzen eine große Rolle und sei wichtig für die Landwirtschaft und den Gartenbau.

Mauerbiene ist "Insekt des Jahres"

Das wollen der Naturschutzbund und die Österreichische Entomologische Gesellschaft mit der Ernennung zum "Insekt des Jahres" würdigen. Das rund einen Zentimeter große Bienentier baut sein Nest in Lehmwänden, Totholz - aber auch in Türschlössern und einer Holzflöte habe sie sich schon eingenistet. Die Nähe zu Menschen sei für diese ungefährlich, denn die Mauerbienen "sind nicht zum Stechen aufgelegt", so die Insektenkundler.

"Wassertier des Jahres" von der Pest bedroht

Von der Pest bedroht ist das "Wassertier des Jahres", erklärt der Österreichische Fischereiverband und Partnerorganisationen: Der Edelkrebs "Astacus astacus" war hierzulande einst häufig, doch seine Gewässer wurden verbaut, verunreinigt, und mit Konkurrenten aus Nordamerika besetzt, die noch dazu eine tödliche Krankheit mitbrachten: die Krebspest. Dadurch können die bis zu zwanzig Zentimeter großen, rötlich braunen Krebse ihre Rolle als "Gesundheitspolizei" nicht mehr wahrnehmen, indem sie verendete Tiere essen, genauso wie verrottete Blätter, Insekten und Fische. Um die Krankheit nicht noch weiter auszubreiten, sei es unbedingt erforderlich, Angelgeräte, Watschuhe, -Hosen, Boote und anderes Gerät nach dem Einsatz sorgfältig zu desinfizieren und zu trocknen, bevor es in anderen Gewässern zum Einsatz kommt, ermahnt der Verband seine Fischer.

Flechte und Streuobstsorte

Die "Flechte des Jahres" ist ein Beispiel, wie man Arten durch eine Verbesserung der Umweltbedingungen wiedergewinnen kann. Die Breitlappige Schüsselflechte (Parmotrema perlatum) war wegen der Luftverschmutzung mit Schwefelgasen Ende des 20. Jahrhunderts in vielen Regionen Mitteleuropas nahezu verschwunden, so die Experten der Bryologisch-Lichenologischen Arbeitsgemeinschaft für Mitteleuropa (BLAM). Erst mit Besserung der lufthygienischen Situation konnte die Bewohnerin von Laubbaumrinden wieder einwandern.

Eine sehr selten gepflanzte Zwetschge wurde von der ARGE Streuobst zur "Streuobstsorte des Jahres" gekürt. Der "Rote Spenling" gehöre zu den "Primitivpflaumen", die wilden Früchten noch sehr nahe sind. Seine drei Zentimeter langen, rötlichen Früchte reifen im August und würden sich vor allem für Marmeladen und Edelbrände eignen. Von dieser Obstsorte gäbe es nur mehr in Oberösterreich einige wenige Bäume.

Pinzgauerziege ausgezeichnet

Zum "Nutztier des Jahres" ernannte "Arche Austria" die braun-schwarze Pinzgauerziege. Ihr Bestand sei hierzulande mit rund 1.000 Tieren extrem klein, und die Rasse gilt daher als hochgefährdet. Die wenigen Bauern, die dies noch tun, halten die Tiere, um von ihnen Fleisch und Milch zu gewinnen, und bringen sie zur Landschaftspflege auf die Almen. Dort fressen sie, was die Kühe stehen lassen: Farne, Rinde, Enzian, Wacholder, Disteln sowie die Blätter von Him- und Brombeeren.

Goldfisch ist "Eindringling des Jahres"

Alles andere als nützlich sei in den heimischen Gewässern der Goldfisch, der deshalb vom Naturschutzbund Österreich zum "Eindringling (Neozoon) des Jahres 2019" ernannt wurde. Das aus China stammende Haustier ohne direkten Nutzen könne innerhalb kürzester Zeit erheblichen Schaden in Ökosystemen bewirken, indem es die Eier seltener Amphibien frisst, Wasser-Säuberer wie die Wasserflöhe dezimiert und andere Fische verdrängt. Man solle sie daher nie freisetzen, so die Experten, dies gelte nicht nur für natürliche Gewässer und Staubecken, sondern auch für den eigenen Gartenteich.

Genauso wie sein Lebensraum ist der Steppengras-Schwarzfußporling in Österreich extrem selten. Um auf diesen Umstand hinzuweisen wurde er von der Österreichischen Mykologischen Gesellschaft zum Pilz des Jahres gewählt. Der unscheinbare Steppenwiesenbewohner hat einen etwa drei Zentimeter großen, creme- bis ockerfarbenen Hut und gilt als vom Aussterben bedroht. Nach seltenen Funden in den 1980er-Jahren vermissten ihn die Mykologen für einige Zeit gänzlich, bis er im Mai 2016 in einem Naturschutzgebiet wiederentdeckt wurde.

"Weichtier des Jahres" ist Tigerschnegel

Den Titel "Fledermaus des Jahres" trägt die Kleine Hufeisennase schon heuer, nimmt ihn aber dank Koordinationsstelle für Fledermausschutz und -forschung in Österreich (KFFÖ) ins Neue Jahr mit. Sie wiegt lediglich vier bis sieben Gramm, und hält seit November bis zum März in Höhlen, Stollen und Kellern Winterschlaf. Danach wird sie Verstecke in Dachböden suchen, wo sie ihre Jungen aufzieht. Diese füttert sie mit Insekten, die sie in Wäldern, Gartenhecken und Streuobstwiesen erbeutet. Ihre Populationen wurden im vorigen Jahrhundert in vielen Gebieten Europas stark dezimiert, weil ihre Beute vergiftet und die Quartiere verbarrikadiert wurden, und man sie manchmal sogar direkt verfolgte.

Auch der Tigerschnegel genießt 2019 ein zweites Jahr den Ruhm als "Weichtier des Jahres". Er ist zwar hierzulande recht verbreitet, trotzdem aber weitgehend unbekannt. Der Titel soll ihm zu mehr Ruhm verhelfen, meinen der Naturschutzbund und die Malakologen (Weichtierexperten) der Universität Salzburg. Er ist eine große Nacktschnecke, die Eier und Jungtiere einer ungeliebten Verwandten verzehrt, der "Spanischen Wegschnecke", die sonst kaum Feinde hat und sich massenhaft vermehrt. Mit bis zu 20 Zentimetern ist der Tigerschnegel eine der größten Weichtiere Europas. Für Gärtner ist er keine Plage, da er außer anderen Schnecken und ihren Gelegen nur Pilze und Aas frisst.

(APA)

Aufgerufen am 18.01.2019 um 05:25 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/natur-2019-goldfisch-ist-eindringling-des-jahres-62472394

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