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An Grenze stationiert

Nehammer besucht Polizisten in Nordmazedonien

Was die Beamten am Westbalkan machen

Der Innenminister an der nordmazedonisch-griechischen Grenze
Aktuell sind an der Grenzdienstelle Bogorodica zwölf Beamten und drei Beamtinnen im bilateralen Einsatz.

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) hat am Dienstag auf der ersten Station seiner Westbalkanreise österreichischen Polizisten in Gevgelija in Nordmazedonien einen Besuch abgestattet. 15 heimische Beamte sind dort stationiert, sie unterstützen die nordmazedonischen Polizisten an der Grenze zu Griechenland.

Nehammer bot der nordmazedonischen Polizeiführung und dem stellvertretenden Innenminister Nazim Bushi an, zehn weitere Polizisten entsenden zu können. Außerdem bot er eine Drohne zur Überwachung der grünen Grenze aus der Luft an. "Die Polizistinnen und Polizisten leisten einen großen Beitrag zum Grenzschutz und im Kampf gegen illegale Migration in Nordmazedonien und schützen damit auch unsere eigene Grenze", konstatierte Nehammer.

Polizisten aus Österreich im Einsatz

Aktuell sind an der Grenzdienstelle Bogorodica zwölf Beamten und drei Beamtinnen im bilateralen Einsatz. Nach einem Besuch bei der Grenzdienststelle besichtigte der Innenminister den Bahnhof Gevgelija und im Gelände die grüne Grenze. Die dort stationierte Wärmebildkamera samt Fahrzeug wird im Rahmen der bilateralen Kooperation von Österreich zur Verfügung gestellt.

Die heimischen Beamten bedienen unter anderem die Wärmebildkamera, kontrollieren Güterzüge und bestreifen gemeinsam mit nordmazedonischen Beamten einen 15 Kilometer langen Abschnitt der grünen Grenze. Pro Woche werden im dortigen Grenzgebiet 300 bis 500 Personen aufgegriffen. Den größten Anteil machen laut dem österreichischen Polizeiattaché in Skopje derzeit Afghanen aus, gefolgt von Syrern, Eritreern sowie Inder und Bangladescher, letztere haben wiederum Griechenland als Zieldestination. Die anderen verlassen das EU-Land Griechenland und wollen via Nordmazedonien über die Balkanroute nach Westeuropa gelangen.

Fluchtrouten über Nordmazedonien 

Durch die wärmer werdenden Temperaturen wird vermehrt versucht, durch den Wald nach Nordmazedonien einzureisen und so über die Balkanroute weiter nach Europa zu gelangen. Aggressiv sind laut den heimischen Beamten wenn nur die Schlepper, diese würden auch versuchen zu flüchten.

Viele Flüchtlinge versuchen, auf Güterzügen über die Grenze zu gelangen. Laut den nordmazedonischen Polizisten gibt es dabei immer wieder Verletzte durch Stromschläge. Außerdem versuchen Migranten auch, unter den Waggons die Grenze zu überqueren. Dafür lege sie während der Fahrt des Zugs unterhalb Bretter rein und springen drauf - bei Geschwindigkeiten bis zu 70 km/h, berichteten Beamten der mazedonischen Delegation. Insbesondere die Überprüfung der Güterzugwaggons ist schwierig, da diese am Strom hängen. Mittels Spiegeln wird nachgeschaut, ob Menschen obenauf liegen. 

"Mit zehn zusätzlichen Polizisten und einer Drohne wollen wir vor allem unseren Einsatz zur Schleppereibekämpfung massiv verstärken", sagte Nehammer. In Österreich war im Herbst 2020 im Burgenland ein Pilotversuch zur Überwachung der Grenze mit Drohnen gestartet worden. Der Pilotversuch endete nach sechs Monaten, in einer ersten Tranche sollen bis zum Sommer 23 Drohnen des Typs M300 geliefert werden. Die flugfertige Drohne kostet je nach Ausstattung bis zu 25.000 Euro. Bis Ende 2023 plant das Innenministerium, 90 Drohnen anzuschaffen.

Zehntausende Flüchtlinge an Balkanroute

Ausgestattet sind diese mit Nachtsicht- und Wärmebildkamera, erläuterte der stellvertretende Kabinettschef im Innenministerium, Michael Takacs. Die Ausbildungszeit, um über nicht urbanen Gebiet, wie etwa der grünen Grenze in Nordmazedonien die Drohen steuern zu können, dauert ungefähr eine Woche, sagte Takacs. Für die von Österreich angebotene Drohne sollen Beamte des bilateralen Kontingents in Nordmazedonien als Piloten ausgebildet werden.

Entlang der Balkanroute und in Griechenland sind rund 100.000 Migranten gestrandet, der Großteil davon im EU-Land. Laut der EU-Grenzschutzagentur Frontex ist die Zahl der unerlaubten Grenzübertritte in die EU auf den Hauptmigrationsrouten in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um sieben Prozent zurückgegangen. Nur wenig Veränderung gab es aber auf der Westbalkanroute. Die Zahl lag hier während der ersten drei Monate 2021 bei 6.000 - etwa gleich viel wie im Vorjahreszeitraum.

Nehammer will gemeinsam mit mehreren Westbalkanländern einen "Rückführungs-Plan" für irreguläre Migranten erarbeiten. Neben Nordmazedonien finden am Mittwoch und Donnerstag auch Gespräche mit seinen Amtskollegen in Bosnien-Herzegowina und Serbien statt. Am Dienstagabend stand noch ein Arbeitsgespräch mit dem mazedonischen Innenminister Oliver Spasovski am Programm.

(Quelle: APA)

Aufgerufen am 16.05.2021 um 04:58 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/nehammer-besucht-polizisten-in-nordmazedonien-103041325

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