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Bier-Mythen aufgeklärt

Darum feiern wir heute Brausilvester

Kaltenhausen-Braumeister Martin Simion im Podcast

Martin_Simion SALZBURG24/Klamminger
Kaltenhausen-Braumeister Martin Simion spricht im Podcast über das Brausilvester, die Bierlandschaft Österreichs und neue Trends am Markt.

Heute, am 30. September feiern wir Brausilvester. Der Termin ist gleichzeitig Tag des Österreichischen Bieres. Doch warum eigentlich und was hat das mit dem beliebtesten Bierstil der Österreicherinnen und Österreicher, dem Märzen zu tun? Wir klären auf und haben auch mit Kaltenhausen-Braumeister Martin Simion im Podcast zum Thema gesprochen.

Wir Österreicher lieben unser Bier. Das ist wohl unbestritten. Auch wenn der Pro-Kopf-Verbrauch im Jahr 2020 von rund 103 Litern auf knapp 97 Litern sank. Heute, am "Tag des Österreichischen Bieres", feiern wir es sogar. Dass dieser „Feiertag“ auf den 30. September fällt, ist kein Zufall. Unser Brausilvester hat nämlich einen geschichtlichen Ursprung und ist eng mit dem beliebtesten Bierstil der Österreicherinnen und Österreicher, dem Märzen verbandelt. Doch alles der Reihe nach.

Temperatur ist beim Bier entscheidend

Der Ursprung ist im Brauvorgang zu finden. Denn am Ende jeden Sudes wird die kochende Bierwürze auf bestimmte Temperaturen abgekühlt. Bei untergärigen Bieren wären das maximal zehn Grad. Mit technischen Hilfsmitteln wie Plattenkühlern ist das heutzutage kein großes Thema, der Vorgang ist rasch abgeschlossen. Im Jahr 1789, noch vor der Erfindung der Kühlmaschine durch Carl von Linde (1871), war das allerdings ein langwieriger Prozess:

Man pumpte die heiße Würze in große Becken, sogenannte Kühlschiffe, in denen die Flüssigkeit über Nacht auskühlen sollte. Im Müllnerbräu in der Stadt Salzburg ist so ein Kühlschiff sogar noch im Einsatz und kann besichtigt werden. Im Winter bzw. bei kühlen Temperaturen ging das flott, im Sommer dauerte es einfach zu lange.

Hopfen und Malz waren verloren

Und genau das war da Problem. Denn wenn die Würze zu lange zum Abkühlen braucht und der Brauer nicht rasch genug die Hefe reinkippt, machen sich andere Bakterien, wie etwa Milchsäurebakterien, über das halbfertige Bier her. Es wurde sauer und die Brauer mussten es wegkippen: Hopfen und Malz waren verloren.

Start ins neue Braujahr

Aus diesem Grund sollte zwischen Georgi (23. April) und Michaeli (29. September) kein Bier gebraut werden. Der 30. September läutete somit das neue Braujahr ein. Die hergestellte Menge im Frühjahr musste demnach bis in den Herbst genügen. Meist wurde im März das letzte Mal eingebraut und der Begriff Märzenbier war geboren.

Das Märzenbier

Definiert ist der Stil „Märzen“ als goldfarben, filtriert und untergärig. Es soll eine Stammwürze zwischen 11,4 und 12,2 Grad Plato (Plato, ist die Einheit, in der die Stw. gemessen wird, Anm.) haben. Wichtig ist ein ausgewogenes Zusammenspiel von Hopfen und Malz – kein Rohstoff soll sich in den Vordergrund drängen. Als Getreide müssen mindestens 75 Prozent Gerste verwendet werden. Diese Kombination macht das Märzen mit Abstand zum beliebtesten Bierstil der Österreicher. Es erreichte laut dem Jahresbericht des Brauereiverbandes im Jahr 2020 einen Gesamtanteil von knapp 64 Prozent aller in Österreich getrunkenen Bierstile.

Märzenbier Facebook/Bierland Österreich
Definition von Märzenbier.

Man unterscheidet übrigens zwischen bayrischer und österreichischer Brauart. Das bayrische Märzen ist dunkler, röstaromatischer und aus der Tradition heraus auch stärker (zirka 6 Prozent Alkohol) eingebraut. Auch das Festbier kann in Deutschland als Märzen bezeichnet werden.

Biergarten als Schattenspender

Früher wurde das Bier übrigens den Sommer über auf Eis in Kellern unter den Biergärten der Brauereien gelagert. Die Kastanienbäume spendeten somit nicht nur den Gästen, sondern auch den Bierfässern unter der Erde kühlenden Schatten. Ein Effekt, den wir heute noch sehr schätzen.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 28.10.2021 um 10:06 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/oesterreich-feiert-am-30-september-brausilvester-109562260

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