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Falsche Vorstellungen

Studie: Österreicher verhüten beim Sex zu wenig

Verhütungsmittel Kondome APA/OLIVER BERG/DPA
Kondome sind der beste Schutz gegen eine HIV-Infektion – ebenso ein geeignetes Verhütungsmittel.

Der Verhütungsreport 2019 zeigt einen weiteren Rückgang bei hochwirksamen Verhütungsmitteln und eine völlig falsche, viel zu geringe Einschätzung der eigenen Fruchtbarkeit. Immerhin: Die meisten Frauen (83 Prozent) und Männer (89 Prozent) sind mit ihrer Sexualität zufrieden.

Der dritte österreichische Verhütungsreport (Gynmed-Report) wurde nach einer repräsentativen Umfrage von INTEGRAL bei 881 Frauen sowie 901 Männern im Alter von 16 bis 49 Jahren durchgeführt.

Sex: Viele Schwangerschaftsabbrüche wegen Irrglaubens

Die Österreicher und Österreicherinnen verhüten wenig und haben viele falsche Vorstellungen und Ängste, heißt es in der Studie.Weit verbreitet ist der Glaube, dass die Fruchtbarkeit der Frau sich bis drei oder höchstens sieben mögliche Schwangerschaften im Leben beschränkt. "Eine fatale Fehleinschätzung, die mitverantwortlich ist, dass sich Österreich auch im negativen europäischen Spitzenfeld bei Schwangerschaftsabbrüchen befindet", erklärte Christian Fiala, Leiter des Gynmed-Ambulatoriums Wien/Salzburg und Initiator des selbstfinanzierten Reports. Dazu kommt die seit einigen Jahren zu beobachtende "Hormonangst“, die dazu führt, dass die wirksamen Methoden immer weniger angewendet werden.

So verhüten Österreicher beim Sex

Mit 38 Prozent kommt das - mittelmäßig wirksame - Kondom am häufigsten zur Verhütung einer Schwangerschaft beim Sex zum Einsatz. Mehr als ein Fünftel (22 Prozent) verhütet gar nicht. Eine fatale Fehleinschätzung betrifft die (natürliche) Fruchtbarkeit der Frau: Der Großteil geht davon aus, dass null bis drei (23 Prozent) bzw. höchstens sieben (40 Prozent) Schwangerschaften im Leben möglich sind - die aktuelle Zahl beläuft sich tatsächlich auf 15, was nur 13 Prozent richtig einschätzen.

 

Hormonelle Verhütung am wirksamsten

Seit einigen Jahren ist eine zunehmende Hormon-Skepsis zu beobachten. "Frauen möchten verhüten, ohne in die 'natürlichen'Abläufe im Körper einzugreifen", sagte Psychologin Elisabeth Parzer. Entsprechend schwierig gestaltet sich deshalb die Entscheidung für eine Verhütung. Denn die wirksamen Methoden basieren auf Hormonen, mit Ausnahme der Kupferspirale und der Sterilisation. Die widersprüchliche Überzeugung nicht in den Körper einzugreifen zeigt sich auch unter den Frauen, welche die Pille, das Pflaster oder den Ring anwenden. 52 Prozent von ihnen machen jeden Monat eine siebentägige Pause, wodurch eine Blutung künstlich ausgelöst wird. 69 Prozent von ihnen begründet dies mit der (falschen) Vorstellung, dass dies besser für den Körper sei.

Verhütung soll leistbar sein

"Es ist zu hoffen, dass die Politik die bisherige Untätigkeit in der Prävention ungewollter Schwangerschaften überwindet", erklärte Fiala. Die Ergebnisse der Umfrage bestätigen, was von Fachkräften schon lange eingefordert wird, dass folgende Maßnahmen notwendig sind:

  • regelmässige Aufklärungskampagnen in ganz Österreich
  • Kostenübernahme ärztlicher Beratungen
  • Wirksame Verhütungsmittel auf Krankenschein, denn viele Menschen können sich beispielsweise die sehr wirksame Spirale nicht leisten

"Diese überfälligen Maßnahmen sind in West-Europa seit Jahrzehnten selbstverständlich. Dennschlechte Verhütung führt nicht zu mehr Geburten, sondern nur zu mehr Schwangerschaftsabbrüchen“, fügte Fiala an.Offizielle Zahlen dazu gibt es nicht. Schätzungen zufolge werden laut Fiala in Österreich jährlich 30.000 bis 35.000 Abtreibungen vorgenommen.

Aufgerufen am 18.02.2019 um 10:06 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/oesterreicher-verhueten-laut-studie-beim-sex-zu-wenig-65667865

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